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Über dieses Buch

„Wenn Du Frieden willst, sorge für Gerechtigkeit“ steht in lateinischen Worten auf dem Grundstein des ersten Gebäudes der Internationalen Arbeitsorganisation (bekannt als ILO, deutsch: IAO), die vor 100 Jahren als Teil des Friedensvertrags von Versailles gegründet wurde. Ihre Geschichte und besondere Struktur sind in der Familie der Vereinten Nationen einzigartig, ihre gesellschaftlich-dialogische Ausrichtung ist heute relevanter denn je. Das Buch beschreibt Zielsetzungen, politische Lernprozesse und Herausforderungen der IAO und stellt diese in den Kontext der aktuellen Diskussionen um eine friedensförderliche, global nachhaltige Arbeits- und Wirtschaftspolitik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Die IAO – eine ungewöhnliche Internationale Organisation

Zusammenfassung
In der Bestürzung über die verheerenden Gewalttaten fanden am Ende des Ersten Weltkriegs reformorientierte Gewerkschaftsbewegungen und sozialdemokratische Regierungen zusammen, denen es gelang, im Rahmen der Friedensverhandlungen von Versailles 1919 die Gründung einer Internationalen Arbeitsorganisation (IAO, in den englischen Initialen ILO für International Labour Organization) mit 44 überwiegend industriegesellschaftlichen Mitgliedsländern zu verankern. Das Kapitel gibt einen knappen historischen Überblick über die damit verbundenen Motive und Interessen, beschreibt die besondere Struktur der Organisation sowie ihre Handlungsformen und skizziert die Herausforderungen, die mit dem Gründungsauftrag für eine konstruktive, internationale Zusammenarbeit zur Förderung von sozialer Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben verbunden waren und sind. Im Zentrum steht die Agenda der IAO für weltweit menschenwürdige Arbeit im 21. Jahrhundert mit den vier sich wechselseitig stützenden Säulen: Rechte bei der Arbeit, produktive Beschäftigung, Sozialschutz und Sozialdialog.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 2. Überzeugen, verpflichten, befähigen – Politikmittel in einer Welt struktureller Zerklüftung

Zusammenfassung
Internationale Organisationen können als Arenen politischer Auseinandersetzungen, als Instrumente der Mitgliedsstaaten zur Interessendurchsetzung und als eigenständige Akteure in den internationalen Beziehungen wahrgenommen werden. Im Folgenden wird die IAO vor allem als Akteurin betrachtet, der bestimmte Politikmittel zur Verfolgung ihres Primärauftrags zur Verfügung stehen. Die historisch wichtigste Aktivitätsform der IAO ist die Errichtung internationaler Arbeitsstandards bzw. Normen, zum einen in Gestalt von Übereinkommen, d. h. völkerrechtlichen Verträgen, zum anderen in Gestalt von Empfehlungen für die Mitgliedsländer. Dies Politikmittel und die damit verbundenen Verfahren werden unter dem Gesichtspunkt der Verrechtlichung beschrieben. Bei weiteren Politikmitteln geht es darum, Kapazitäten zur staatlichen Umsetzung der eingegangenen Rechtspflichtungen vor Ort aufzubauen und neue Sichtweisen in der Gesellschaft zu befördern. Welche Schwierigkeiten und Möglichkeiten mit diesen verschiedenen Politikmitteln in Zeiten der Globalisierung verbunden sind, wird u.a. beispielhaft anhand der Entwicklungen in zwei Politikfeldern, Kinderarbeit und Arbeitsbedingungen an Bord von Handelsschiffen, thematisiert.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 3. Frauen in der sich ändernden Welt der Arbeit

Zusammenfassung
Während der Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2011 wurde ein Foto veröffentlicht, in dem Generaldirektor Juan Somavía inmitten einer Schar jubelnder Frauen zu sehen ist, die die Annahme des epochalen Übereinkommens 189 Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte (Decent Work for Domestic Workers) feierten. Mit dieser Annahme hatte die IAO seit ihren Gründungszeiten einen weiten Weg zurückgelegt. Doch waren schon bei der Gründung Frauen aus verschiedenen Ländern und politischen Kontexten engagiert und kämpften um die Einbeziehung ihrer Sichtweisen. Das Kapitel skizziert diese Bemühungen, erörtert die Politik der IAO mit Blick auf die Frauen in den Kolonien und zeichnet die Veränderung der Politiklinien nach. Die gegenwärtig wachsende Bedeutung der klassisch als weiblich konnotierten Sorgetätigkeiten als Erwerbsarbeit wird vor allem mit Blick auf Industrieländer diskutiert. Das Zustandekommen und die Herausforderungen der Umsetzung des Übereinkommens 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte verdeutlichen die Möglichkeit und die Notwendigkeit innovative Politikansätze in der IAO.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 4. Informelle Beschäftigung und menschenwürdige Arbeit

Zusammenfassung
Für die 90. Tagung der Internationale Arbeitskonferenz im Jahre 2002 legten Carr und Chen eine Studie vor, die auf Basis indirekt vorgehender Methoden in 25 Ländern eine Schätzung über die Verbreitung informeller Ökonomie vornahm. Die Autorinnen kamen mit Blick auf die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zu dem Schluss, dass die Beschäftigung in der informellen Ökonomie während der vergangenen zwei Dekaden – im Kontrast zu den Vorhersagen vieler Ökonomen – in allen Regionen der Welt der Entwicklungsländer rasch angestiegen war und sich zudem auch in den meisten Regionen der hoch entwickelten Länder eine „Nicht-Standard-Beschäftigung“ in verschiedensten Formen herausgebildet hatte. Die große Herausforderung, die die informelle Ökonomie für die IAO und ihr Mandat darstellt, hatte sich schon in den 1960er Jahren abgezeichnet und zu diversen Handlungsstrategien beigetragen. Im Folgenden wird informelle Arbeit in ihren verschiedenen Ausdrucksformen und ihrer regionalen Verbreitung dargestellt. Die Probleme der Definition und Messung werden erörtert und die analytischen Streitpunkte zur Erklärung des Phänomens diskutiert. Es wird aufgezeigt, welche Politikansätze die IAO im Rahmen ihrer Agenda für weltweit menschenwürdige Arbeit entwickelt, um die Lage der informell Beschäftigten zu verbessern und Informalität zu transformieren.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 5. Herausforderungen der vertieften globalen Arbeitsteilung

Zusammenfassung
Während die dichte weltwirtschaftliche Verflechtung durch Zulieferketten eine neuere Erscheinung ist, stellen die Aktivitäten multinationaler Unternehmen schon seit Längerem für die IAO eine besondere Herausforderung dar. Multinationale Unternehmen sind seit den 1960er Jahren in der IAO ein Thema. Die Konferenz für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCTAD) schätzt, dass gegenwärtig etwa 80 % des Welthandels (gemessen an Bruttoexporten) im Zusammenhang mit den internationalen Produktionsnetzwerken multinationaler Unternehmen stehen. Das Kapitel befasst sich mit Strukturen und Triebkräften der vertieften globalen Arbeitsteilung. Besonderes Augenmerk liegt auf globalen Zulieferketten und dort vorfindlichen Arbeitsbedingungen. Die privaten, zivilgesellschaftlichen, transnationalen sowie die internationalen Ansätze im Rahmen der Vereinten Nationen, denen es um Verantwortung und Rechenschaftspflicht der zentralen Akteure geht, werden aus der Perspektive der IAO-Agenda für weltweit menschenwürdige Arbeit diskutiert und in ihren Möglichkeiten auch mit Blick auf die Politikmittel der IAO eingeschätzt.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 6. Die Nachhaltigkeitsagenda der IAO

Zusammenfassung
Die Industriegesellschaft war die unangefochtene Basis, auf der die Gründung der IAO in Europa zustande kam. Zerstörte Landschaften, schmutzige Luft, verunreinigtes Wasser, giftige Dämpfe, Lärm u. a. m. wurden durchaus mit der industriellen Entwicklung in Verbindung gebracht, schienen aber weitgehend unvermeidbar, wenn die Wohlstandsfrüchte der industriellen Entwicklung eingefahren werden sollten. Diese Sichtweise hat sich global verbreitet, obwohl schon Jahrzehnte zuvor die gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz zu einem großen Thema der IAO geworden waren. Die IAO konnte daher an Erfahrungen in ihren ursprünglichen Aufgabenfeldern anschließen, als sie im 21. Jahrhundert damit begann, sich grundsätzlicher mit Problemen der Ökologie zu befassen und ihre Normen und praktischen Erfahrungen in die Vorbereitungsrunden der VN-Nachhaltigkeitsziele einzubringen. Das Kapitel skizziert die historischen Etappen, in denen sich die IAO dem Thema näherte und stellt die Ansätze vor, mit denen die Aufgaben nachhaltiger Entwicklung mit der Thematik sozialer Gerechtigkeit verknüpft werden. Die IAO hat mit ihrem konfigurativem Konzept für weltweit menschenwürdige Arbeit, d. h. einem umfassenden Programm gegen negative Externalisierungen, große Herausforderungen zu bewältigen.
Eva Senghaas-Knobloch

Kapitel 7. Frieden durch Gerechtigkeit

Zusammenfassung
Ihr hundertjähriges Bestehen im Jahr 2019 hat die Internationale Arbeitsorganisation in einer Zeit großer Turbulenzen als Auftrag für die Zukunft wahrgenommen und bedeutende Initiativen zur Erneuerung und Erfüllung ihres Mandats auf den Weg gebracht. Dazu zählen auch Bemühungen, ihre konkreten und maßgeblichen Tätigkeiten für menschenwürdige Arbeit als Teil friedensförderlicher Maßnahmen in den konfliktiven und gewaltträchtigen Situationen in verschiedenen Weltregionen zu verankern und zu stärken. Die IAO knüpft an die Motive zu ihrer Gründung vor 100 Jahren an und die Einsichten, die 1944 in Philadelphia noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Grundsätze und Verpflichtung zum Handeln formuliert worden waren.
Eva Senghaas-Knobloch
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