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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Arbeit

Freiheit und Selbstentfremdung in soziologischer Sicht

Zusammenfassung
Wenn ich die beiden Worte Freiheit und Selbstentfremdung im Titel meines Berichts vereint habe, so will ich damit nicht sagen, daß ich die alte Problematik nochmals aus den Quellen zum Sprechen bringen will. Das scheint mir überflüssig. Die rein sachliche Problematik dürfte wohl weitgehend klar sein; sie bedarf keiner neuerlichen Aufwärmung. Wenn heute dafür noch immer ein gewisses Interesse zu bestehen scheint, so ist das wohl nur eine Folge des Nationalsozialismus unter vielen anderen, indem viele — insbesondere jüngere Leute1 — in Deutschland die Problematik des jungen Marx erst nach 1945 kennengelernt haben, während alle wesentlichen Diskussionen in Deutschland ziemlich genau fünfundzwanzig Jahre früher seit Anfang der zwanziger Jahre stattgefunden haben (Karl Korsch, von Georg Lukács bis Karl Löwith u.v.a.). Ich sagte in Deutschland, weil ich damit eine Einschränkung machen wollte; denn anderswo in der Welt ist diese Diskussion noch wesentlich älter. Sie rührt im Grunde aus dem Jahre 1898, dem fünfzigjährigen Jubiläum des „Kommunistischen Manifests“, also zu einer Zeit, als die „Jugendschriften“ von Marx noch gar nicht bekannt waren. Hier wiesen eine ganze Reihe von Marxisten und Antimarxisten eindeutig auf die unausgesprochenen, aber notwendig vorauszusetzenden philosophisch-metaphysischen Hintergründe von Marx hin, was dann nach der Publikation dieser Schriften glänzend bestätigt wurde. Hierher gehören vor allem die Interpretationen von Benedetto Croce, Georges Sorel u.a., insbesondere einiger namhafter italienischer Sozialisten und Anarchisten, während sich die deutschen Interpreten in der Revisionsdiskussion erschöpften (wie etwa Eduard Bernstein). Damals kommen auch die totalitären Züge von Marx zum erstenmal zur Geltung, ein Thema, das seit unseren Erfahrungen mit allen möglichen totalitären Regimen von den sozialistischen und kommunistischen Marxinterpreten geflissentlich und sorgsam umgangen wird.
René König

Beruf - Industrie - Sozialer Wandel in Enwicklungsländern. Vorbemerkung des Herausgebers

Zusammenfassung
Die Bände 8 und 9 des Handbuchs der empirischen Sozialforschung stehen miteinander in einem engen Zusammenhang. Ursprünglich war sogar geplant, sie in einem einzigen Band herauszugeben, was sich aber aus technischen Gründen als nicht empfehlenswert erwies, da ein solcher zu umfangreich geworden wäre. Andererseits wollte aber der Herausgeber den Zusammenhang gewahrt wissen, so daß zur Lösung einer gemeinsamen Vorbemerkung für beide Bände gegriffen wurde.
René König

Kulturelle Determinanten des Arbeitsstils

Zusammenfassung
Wenn auch der Begriff der Arbeit als (industrielle oder soziale) gestaltende Auseinandersetzung mit der Um- und Außenwelt sehr einfach definiert werden kann, so muß man sich doch darüber im klaren sein, daß selbst diese Definition bereits von bestimmten kulturellen Voraussetzungen abhängig ist, die nur in unseren fortgeschrittenen Industriegesellschaften selbstverständlich sind, so daß wir sie uns gemeinhin nicht zu Bewußtsein bringen. Man kann das leicht verständlich machen, wenn man bedenkt, daß Arbeit immer auf Verfahren, Werkzeuge und Maschinen zurückgreift, die ihrerseits von einem bestimmten Niveau des Erfindungspotentials in einer gegebenen Gesellschaft abhängig sind. Das Erfindungspotential ist wiederum umschrieben durch die komplexen Kulturvorstellungen dieser Gesellschaft, den Stand der Wissenschaften, den Grad an Diffusion wissenschaftlicher Einsichten unter mehr oder weniger Menschen und auch den Stand der arbeitsmäßigen Praxis, eben das, was ich als den Arbeitsstil bezeichnen möchte. So wird es unerläßlich, wenn man Arbeit soziologisch betrachten will, die kulturellen Determinanten des Arbeitsstils mit heranzuziehen.
René König

Arbeitsteilung

Zusammenfassung
Die Arbeitsteilung ist ein zentrales Gliederungsprinzip der komplexen Gesellschaften, das nicht nur ökonomische, sondern gerade auch soziale Bedeutung hat und sogar zur Bestimmung struktureller Typen benutzt werden kann. Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs ist wahrscheinlich das größte Verdienst von Emile Durkheim (1858–1917) und seines klassischen Werkes über die Arbeitsteilung (1893). Er bemerkt zu Beginn des „Vorwortes“, sein Hauptanliegen bestehe darin, die Phänomene des sozialen Lebens mit den Methoden der positiven Wissenschaft zu behandeln. Damit soll die Behandlung der Arbeitsteilung sowohl der philosophischen Spekulation wie der ethischen Bewertung entzogen werden. Das Ziel ist eine strukturell-funktionale Analyse.
René König

Technik

Technische Entwicklung und soziale Struktur

Zusammenfassung
Man muß kein Vertreter des historischen Materialismus sein, um zu erkennen, daß eine enge Beziehung besteht zwischen der technischen Ausstattung einer Gesellschaft und ihrer Struktur. Eine Gesellschaft von Jägern und Sammlern, deren technische Ausrüstung denkbar gering ist, zeigt einen stark genossenschaftlichen Charakter, weil jeder einzelne mehr oder weniger imstande ist, alle zum Lebensunterhalt dieser Gesellschaft notwendigen wirtschaftlichen Funktionen auszuüben und jeder auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. So gibt es nur geringe soziale Unterschiede zwischen den Mitgliedern einer solchen Gesellschaft, auch ist die Macht nicht institutionalisiert. In dem Augenblick dagegen, wo etwa bestimmte Handwerke in einer Gesellschaft auftauchen, ändert sich sofort das Bild der Gesellschaft: Die ersten Handwerker haben eine Art von Monopolsituation, genießen daher ein besonderes Ansehen, womit dann auch sofort eine ausgeprägtere Schichtung in der Gesellschaft beginnt. Was für die primitiven Völker gilt, trifft in gleicher Weise für die fortgeschrittenen wirtschaftlichen Systeme zu. So kam auch Marx zu seiner berechtigten Aussage, daß eine Wassermühle den Feudalismus bedingt, die Dampfmühle eine Gesellschaft industrieller Kapitalisten.
René König

Technische Entwicklung, Gesellschaft und Beruf in der Gegenwart

Zusammenfassung
Der Einfluß der Technik auf Gesellschaft und Beruf entfaltet sich auf zwei gänzlich verschiedenen Ebenen; dadurch wird eine neutrale Bewertung der Situation ungemein erschwert:
Einerseits
versucht man, die meßbaren Auswirkungen der Technik auf Wirtschaft und Gesellschaft darzustellen (wobei meistens nicht klar genug wird, daß die Entwicklung der Technik i.a. unabhängig von der Wirtschaft verläuft). Immerhin ergeben sich von hier aus einige objektive Ansatzpunkte, die zeigen, daß etwa mit einer Veränderung der Verkehrstechnik sich wesentlich auch die Sozialstruktur verändert, weil eine Verdichtung der sozialen Beziehungen eintritt, die bei geringer Verkehrsdichte nicht zu finden ist. Gleichermaßen läßt sich zeigen, daß von der Technik bestimmte Einflüsse auf das Berufssystem ausgehen, weil praktisch viele Berufe — jeder auf seine Weise — von technischen Mitteln Gebrauch machen, so daß sie sich notwendigerweise mit dem Wandel der Technik ebenfalls wandeln müssen.
 
René König

Mittelschichten und Mittelstandsforschung

Die neuen Mittelklassen in Deutschland

Zusammenfassung
Um die Struktur einer komplexen Gesellschaft zu verstehen, können wir uns nicht auf eine Momentaufnahme des gegenwärtigen Zustands beschränken, denn wir würden riskieren, die tieferen Schichten dieser Gesellschaft aus den Augen zu verlieren. Wir müssen also um jeden Preis die Geschichte bis zum Ausgangspunkt der wichtigsten strukturellen Tendenzen zurückverfolgen, die wir in ihrem gegenwärtigen Zustand untersuchen wollen.
René König

Der Gestaltwandel des Mittelstandes

Zusammenfassung
Seit rund 70 Jahren ist in allen fortgeschrittenen Industriesystemen Europas und auch im insularen England eine heftige Diskussion im Gange über die Zukunft der sogenannten Mittelklassen in der Gesellschaft. Dabei ist es eigentümlich, daß früher dafür im deutschen Sprachbereich der Begriff des Mittelstandes im Singular verwendet wurde, während im Französischen, im Englischen und auch im Italienischen von Anfang an der Plural benutzt wurde, indem man von Mittelklassen sprach. Dieser Unterschied der Bezeichnung ist jedoch nicht ohne grundsätzliche Folgen, so daß auch im deutschen Sprachgebiet in der Frage der Mittelklassen sehr leicht - und zwar bis heute - zweierlei durcheinandergeht. Einmal die Frage nach dem ständischen Charakter der Mittelklassen, zweitens die eigenartige Problematik der Mittelklassen, ganz unangesehen dessen, ob sie einen Stand bilden. Die erste Fragestellung ist zuletzt noch in den dreißiger Jahren viel behandelt worden. Sie ist aber im Grunde eine müßige Fragestellung, da es seit der Französischen Revolution ganz grundsätzlich keine Stände mehr gibt. Aus diesem Grunde möchten wir hier nur den zweiten Aspekt dieser Frage aufnehmen; es gibt auch da noch genug interessante Probleme, die uns wesentlich näher stehen als die verstaubten ideologischen Redensarten von vermeintlichen Ständen, die schon lange verschwunden sind.
René König

Soziologie mittelständischer Berufe — Einleitung des Herausgebers

Zusammenfassung
Eine Einleitung zu einem Sammelband sollte nicht nur ein unverbindliches Vorwort, sondern gewissermaßen eine Art von Programm sein. In der Tat stellen die hier vereinten vier Untersuchungen3 zwar nicht gerade eine fügenlose Einheit dar, sie sind aber dennoch aus einer einheitlichen Konzeption erwachsen, die ihnen eine ganz bestimmte Funktion zuweist. Über diese wollen wir in unserer Einleitung kurz Rechenschaft ablegen.
René König

Der industrieähnliche Betrieb — Ein Problem der Mittelstandsforschung

Zusammenfassung
Wie die sprachliche Formulierung des Titels anzeigt, ist das uns vorschwebende Problem aus einer gewissen Verlegenheit erwachsen. Diese hängt zusammen mit einer langfristigen Wandlung bestimmter Betriebs formen, die bisher als für einen Teil des Mittelstandes besonders typisch erschienen, so daß man oft das Schicksal dieser Betriebsformen mit dem des Mittelstandes schlechthin identifizierte. Da wir diesen Fragen auf spezifisch soziologische Weise nachzugehen versuchen, ist für uns nicht sosehr die Wandlung der Betriebsstruktur und des betrieblichen Geschehens von Interesse, das von anderen Wissenschaften untersucht wird, sondern insbesondere die Veränderung des sozialen Status, der damit zusammenhängenden Selbst- und Fremdbewertung, sowie der daraus resultierenden neuartigen Zukunftserwartungen. Im vorliegenden Falle denken wir insbesondere an das Handwerk und seine Wandlungen, ein Problemkomplex, dem wir im Rahmen der Mittelstandsforschung schon des öfteren nachgegangen sind.
René König

Beruf

Beruf oder Job?

Zusammenfassung
Beruf oder Job? — Diese herausfordernde Frage hat neuerdings wieder einmal bei den Pädagogen und Kulturkritikern einige Erregung erzeugt, nachdem sie früher öfter diskutiert worden ist. Dabei ist es merkwürdig zu sehen, in welch starkem Ausmaß noch immer rein weltanschauliche Gesichtspunkte in die Diskussion geworfen werden, sowie es um die Arbeit des Menschen geht. An sich sollte man doch annehmen, daß diese Arbeit, die den Bürger der westlichen entwikkelten Industriezivilisationen in einem komplizierten Netz ungemein sachlicher und teilweise zuhöchst rationalisierter Verrichtungen hält, weltanschaulich eher neutral sein sollte. Irgendwie, so möchte ich sagen, scheint es aber dem Menschen unerträglich zu sein, in irgendeinem Zusammenhang Arbeit zu leisten, ohne daß ein Sinn damit verbunden wäre, der über die Arbeit hinausgeht. Dabei wird es regelmäßig ausdrücklich abgelehnt, diesen Sinn im Lohn zu erblicken, ich meine den klingenden Lohn, den die Arbeit abwirft. Im Gegenteil: Die Majorität der Menschen empfindet es als entwürdigend, einzig für Lohn zu arbeiten. Und wenn es eine scharfe Unterscheidung gibt zwischen Beruf und Job, so wird sie immer so dargestellt, daß der Job ausschließlich dem Verdienst nachgehe, während der Beruf jenseits dessen noch einen höheren Sinn haben soll.
René König

Der Beruf als Indiz sozialer Integration

Zusammenfassung
Dieser Bericht geht von einigen Voraussetzungen aus, die wir besser von Anfang an deutlich aussprechen, damit die folgenden mehr spezifischen Ausführungen zum eigentlichen Thema richtig eingeordnet werden können.
René König

Über den Funktionswandel der Schule in der modernen Industriegesellschaft

Zusammenfassung
Ein Blick über Tageszeitungen, allgemeine und wissenschaftliche Zeitschriften kann einen lehren, daß die Frage des Funktionswandels der Schule in der modernen industriellen Gesellschaft eine neue und dringliche Aktualität gewonnen hat. Ich möchte aber gleich zu Anfang bemerken, daß dieser Titel, wenn er sachlich völlig adäquat sein sollte, um eine Kleinigkeit verändert werden müßte. Die Probleme, denen sich die Schule von heute gegenübersieht, können nämlich keinesfalls durch den Konflikt oder die Beziehung zwischen Schule und industrieller Gesellschaft hinreichend umschrieben werden. Ich leugne keineswegs, daß diese Probleme wichtig sind; ich möchte nur meinen, daß sie antiquiert sind. Sie gehören ganz und gar ins 19. Jahrhundert, teilweise sogar ans Ende des 18. Jahrhunderts, wo die Fragen der Anpassung des jungen Menschen an neue Produktionstechniken und überhaupt an eine entwickelte Gewerbewirtschaft durchaus diskutiert wurden, was dann kontinuierlich hinüberführte in die Auseinandersetzung der Schule mit der eigentlichen Industriegesellschaft, wie sie seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts von England ausgehend immer mehr in den Vordergrund rückte.
René König

Einzelne Berufe

Ideologie und Wirklichkeit der ärztlichen Rolle — Anmerkungen eines Soziologen zur Problematik des ärztlichen Berufs

Zusammenfassung
Dieser Bericht steht unter der Voraussetzung, daß es so etwas wie Medizin-Soziologie in ihren beiden Formen als sociology of medicine und sociology in medicine tatsächlich gibt, und verweist für deren Begründung auf die bestehende Literatur. Seine Aufgabe liegt nicht so sehr in dem Aufweis, wie Medizin-Soziologie „möglich“ ist, sondern in der Darstellung eines theoretischen Bezugsrahmens, innerhalb dessen das Thema — der ärztliche Beruf heute — empirisch erforscht werden sollte. So bleibt dieser Bericht wesentlich Postulat; als solches bemüht er sich aber dennoch, wenigstens die Dimensionen der Wirklichkeit aufzuschließen, innerhalb deren die gestellte Forschungsaufgabe angesiedelt werden sollte.
René König

Vom Beruf des Künstlers

Zusammenfassung
Im folgenden soll in erster Linie vom Beruf die Rede sein und nicht so sehr von der Kunst oder vom Künstler. Das heißt, wir wollen nicht etwa analysieren, welches die Tätigkeitsmerkmale des Künstlers in bezug auf Kunst sind, sondern ihn einzig in der Hinsicht betrachten, in der er als Künstler einen Beruf ausübt. Dies kann genauso geschehen, wie wir den Arztberuf analysieren können, ohne uns für das Wesen des Arztes oder der Medizin zu interessieren. Mit anderen Worten: Die vorliegenden Ausfuhrungen haben weder mit Ästhetik noch mit allgemeiner Kunstwissenschaft, sondern ausschließlich mit Soziologie zu tun.
René König

Der Ingenieur und seine Stellung in der Gesellschaft

Zusammenfassung
Die Stellung eines Berufes in der Gesellschaft entscheidet sich nicht nur auf Grund seiner objektiven und materiellen Leistungen, sondern genauso auch auf Grund mehr subjektiver Faktoren, die etwas über die Meinungen der Gesellschaft über diesen Beruf aussagen. Es läßt sich ferner feststellen, daß der objektive und der subjektive Aspekt eines Berufes keineswegs zusammenfallen müssen. So können etwa bestimmte Berufe zentral wichtige Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen, ihr Ansehen ist aber dennoch unverhältnismäßig gering; umgekehrt gibt es Berufe, deren materiell objektivierbare Leistung scheinbar minimal ist, die aber ein außerordentlich hohes Ansehen genießen. Dabei soll nicht von der Hand gewiesen werden, daß mit der Lebensdauer eines Berufes allmählich eine immer größere Kongruenz zwischen den beiden Aspekten erreicht werden kann. Es sagt dies aber nicht das geringste aus, wie lange Zeit es im einzelnen Falle wirklich braucht, bis ein bestimmter Beruf das seiner Leistung adäquate Ansehen in einer Gesellschaft gewinnt.
René König

Vom Beruf des Intellektuellen

Zusammenfassung
Seit der französische Kritiker Julien Benda im Jahre 1927 sein violentes Pamphlet gegen die Intellektuellen aller Art gerichtet hat, ist der Streit um die Stellung der Intellektuellen in der Gesellschaft nicht abgerissen. Man könnte sogar sagen, daß dieser Streit eine lange Vorgeschichte hat, die bis in die Zeit der Renaissance und die vorreformatorischen Strömungen Europas zurückgeht. Immer wieder war die Rede von „Schreiberlingen“, die ihre Aufgabe verraten hätten. „Verrat der Schreiberlinge“ wäre dann auch die angemessene Übersetzung des Buches von Benda La trahison des clercs, wobei Benda ebenfalls der Ansicht war, daß dieser Verrat seine lange Vorgeschichte habe und sich überdies von Epoche zu Epoche wiederhole.
René König

Die Berufsmöglichkeiten des Soziologen

Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung zerfallt in drei Teile. Im ersten Teil werden wir versuchen, den allgemein theoretischen Rahmen zu umreißen, in den das Problem eingeordnet werden muß; im zweiten werden wir die Ergebnisse einer eigens zur Behandlung dieser Probleme in Köln durchgeführten Erhebung vorführen, in die wir andere Materialien einfügen werden, die uns liebenswürdigerweise von Kollegen zur Verfügung gestellt wurden. Der dritte kürzeste — Teil soll schließlich der Andeutung einiger Schlußfolgerungen dienen, die sich aus der Kombination der theoretischen Gesichtspunkte mit den Ergebnissen der Erhebung zu ergeben scheinen. Im übrigen wird Gelegenheit sein, diese Fragen in der folgenden Diskussion zu vertiefen.
René König

Betrieb

Die Unternehmung in der öffentlichen Meinung und der Gesellschaft — “Public Relations”

Zusammenfassung
Es ist und bleibt ein heikles Unterfangen, wenn ein ausgesprochener Theoretiker es unternimmt, Männern der Praxis Aufklärung zu geben über ihr eigentliches Aktionsgebiet. Seine Aufgabe kann es ja niemals sein, selber in die Praxis einzugreifen; vielmehr wird er immer eine gewisse Distanz zu den Techniken der unmittelbaren Handlung bewahren müssen. Allerdings möchte ich sogleich bemerken, daß dies bei der Wissenschaft, die ich vertrete, etwas anders ist: denn die Soziologie ist von Haus aus eine Wissenschaft, die aus der unmittelbaren Praxis entspringt, selbst wenn es ihr gelegentlich schwer fällt, ihren Gegenstand eindeutig zu bestimmen. Ist dies aber nicht einer der Grundzüge aller Praxis, daß sie immer schwankend und vieldeutig bleibt, und daß man sich hüten muß, ihr mit allzu starren Begriffen und Schematismen zu begegnen?
René König

Einige grundsätzliche Bemerkungen über die Mikroanalyse in der Betriebssoziologie*

Zusammenfassung
Ohne behaupten zu wollen, daß die makrosoziologische Betrachtungsweise durch Mikroanalyse überflüssig gemacht oder jemals verdrängt werden könnte, muß doch zugestanden werden, daß sich die Notwendigkeit eines systematischen und methodischen Ausbaus der Mikrosoziologie in den letzten zwanzig Jahren1 auch in Europa zunehmend bemerkbar gemacht und durchgesetzt hat. Hierbei verstehen wir unter Mikrosoziologie die empirische Untersuchung bestimmter sozialer Grundprozesse, gewissermaßen der elementaren Formen zwischenmenschlichen Geschehens, die in ihrer infinitesimalen Wiederholung den wesentlichen Gehalt des sozialen Geschehens ausmachen. Leider kann jedoch nicht gesagt werden, daß dies in allen Teildisziplinen der Soziologie gleichmäßig der Fall gewesen wäre. So stehen, insbesondere in Deutschland, einer einigermaßen befriedigenden Situation in der Familiensoziologie noch immer völlig unbefriedigende Verhältnisse in der Industrie- und Betriebssoziologie gegenüber. Selbstverständlich ist die gesamtgesellschaftliche Verflechtung des Betriebes, die eine makrosoziologische Betrachtung geradezu herausfordert, ein Tatbestand, den keiner übersehen kann und an dem auch keiner vorbeikommt (nicht einmal der Betrieb selber oder - besser - das Management, das mit der wachsenden Pflege der “Public Relations” ein unbewußtes Eingeständnis der Existenz dieser Verflechtung gegeben hat). Aber alle damit verbundenen Probleme müssen doch in der Luft hängen bleiben, solange wir noch über keine betriebssoziologische Mikroanalyse verfugen, die uns in konkreter Forschung über die zahllosen Probleme des tatsächlichen menschlichsozialen Verhaltens im Betrieb greifbare und zuverlässige Auskünfte gibt.
René König

Die informellen Gruppen im Industriebetrieb

Zusammenfassung
Einer adäquaten Darstellung des Problems der sogenannten informellen Gruppen im Betrieb stehen noch immer Schwierigkeiten im Wege, die teils in den zufälligen Nebenumständen der Entstehung dieser Theorie, teils aber in verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen begründet sind. Darum wird es erforderlich, der Behandlung der sachlichen Ergebnisse eine kritische Erörterung vorauszuschicken. Diese ist übrigens heute auch relativ leicht durchführbar, nachdem wir einen ziemlichen Abstand zu den ersten Veröffentlichungen gewonnen haben, in denen die Theorie der informellen Gruppen im Industriebetrieb entwickelt wurde. Wie es so häufig im Entwicklungsprozeß soziologischer Theorien zu geschehen pflegt, sind die dramatischen Akzente der ersten Entdeckungsperiode verschwunden und haben einer nüchterneren Betrachtung Platz gemacht, die entsprechend eine viel neutralere Bewertung der einschlägigen Probleme erlaubt, so daß heute nur noch geringe Kontroversen bestehen1. Im übrigen hat sich gezeigt, daß ähnliche Probleme wie in der Betriebs Soziologie auch in anderen Sonderzweigen der Soziologie aufgetreten sind, z.B. in der Lehre vom Prozeß der Bürokratisierung2, und daß eine allgemeine soziologische Organisationslehre im Entstehen ist3, die es vielleicht bald erlauben wird, den Gegensatz zwischen formellen und informellen Gruppen im Betrieb in einen umfassenderen theoretischen Zusammenhang zu integrieren.
René König

Bemerkungen eines Soziologen zur Frage der Arbeitsmoral

Zusammenfassung
Seit einigen Jahren häufen sich in der Bundesrepublik die Klagen über ein vermeintlich allgemeines Absinken der Arbeitsmoral. Wir bringen zum Beleg zwei beliebig herausgegriffene Zeitungsausschnitte:
„Im
Zusammenhang mit der hohen Fluktuation bei Arbeitern und Angestellten im Gebiet von Düsseldorf stellt die Industrie- und Handelskammer fest, daß die psychologischen Rückwirkungen des bestehenden Nachfrageüberhanges auf die Dauer volkswirtschaftlich bedenklicher sind als die unmittelbaren technischen Folgen des Mangels. Gemeint sind jene Tendenzen, die aus der Position falsch verstandener Stärke zu übertriebenen Forderungen und zu nachlassender Arbeitsdisziplin führen und sowohl die Zusammenarbeit zwischen den Betriebsleitungen und den Belegschaften als auch das gegenseitige Verständnis der Betriebsangehörigen beeinträchtigen können. Nach den Feststellungen der Düsseldorfer Kammer häufen sich die Klagen über eine nachlassende Arbeitsmoral, die nach ihrer Meinung schon in den ersten Anfängen zum Nachdenken anregen sollten.“1
 
René König

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