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01.08.2016 | Wissenschaftliche Beiträge | Ausgabe 2/2016

Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 2/2016

Arbeitsplatzgestaltung bei Überwachungstätigkeiten – Grundlagen für zukünftiges Handeln durch Vigilanzforschung

Zeitschrift:
Zeitschrift für Arbeitswissenschaft > Ausgabe 2/2016
Autoren:
Rico Ganßauge, Annette Hoppe

Zusammenfassung

Verstärkter internationaler Wettbewerbsdruck treibt eine Umgestaltung von industrieller Produktion und Dienstleistungen in Hochlohnländern wie Deutschland voran. Es entstehen neue technische Möglichkeiten durch dezentrale Steuerung, hochgradige Vernetzung und den verstärkten Einsatz von Robotik und Automatisierung. Dies wird häufig unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ zusammengefasst (Spath et al. 2013). Im Zuge dessen werden sich Tätigkeitsinhalte verändern. Bei hoher Automatisierung können erhebliche Anteile entstehen, in denen ein Bediener die Technik überwacht. Dies kann zu herabgesetzter Vigilanz als unerwünschter Folge dieser Belastung führen (DIN EN ISO 10075-1: 2015, S. 8). Um diesen Effekten entgegenzuwirken, können Gestaltungsmaßnahmen sowohl auf Arbeitsinhalte als auch auf die Arbeitsumgebung angewendet werden. Einen möglichen Ansatz bildet die Gestaltung der Beleuchtungsbedingungen. Dazu wurde ein Laborexperiment konzipiert, welches eine simulierte Überwachungsaufgabe tagsüber unter unterschiedlicher Beleuchtungscharakteristik durchführte. Vielversprechend erschien der Einsatz von kurzwelligem Licht (λ = 380–580 nm), da hierzu Vorerkenntnisse eine mögliche positive Wirkung nahelegten. Die Ergebnisse des Laborexperiments zur Wirkung dieser Bedingungen auf die Vigilanz des Menschen werden dargestellt und daraus abgeleitete Gestaltungsempfehlungen für Arbeitsinhalt und -umgebung aufgezeigt. Eine ausführliche Darstellung der Untersuchung und der abgeleiteten Erkenntnisse findet sich bei Ganßauge (2016).
Praktische Relevanz Die Tätigkeit in einer hoch automatisierten Umgebung wird häufig in Leitwarten ausgeführt. Oft sind diese auch tagsüber künstlich beleuchtet. Ein Tageslichtbezug soll angestrebt werden, stellt jedoch nicht die Hauptbeleuchtungsquelle dar (DIN EN 12464-1: 2011). Folgen dieser Tätigkeit kann eine herabgesetzte Vigilanz bis hin zu Fehlhandlungen und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Anlagenbetriebes sein (Reason 1994). In der arbeitsgestalterischen Praxis bieten sich die Gestaltung der Arbeitsumgebung und die Veränderung der Tätigkeit selbst als Ansatzpunkte für Gestaltungsmaßnahmen an. Aus den im Experiment gewonnenen Erkenntnissen wurden Leitfragen zur Begleitung von Automatisierungsprojekten erstellt und Hinweise für die Beleuchtungsgestaltung abgeleitet. Damit kann die menschgerechte Gestaltung bei Überwachungstätigkeiten in Leitwarten unterstützt werden.

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