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14.03.2023 | Arbeitsrecht | Infografik | Online-Artikel

Die Arbeitszeiterfassung ist längst Realität

verfasst von: Andrea Amerland

2:30 Min. Lesedauer

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Die dramatische Trendwende bei der Arbeitszeiterfassung bleibt aus: Wie eine Studie von Januar zeigt, akzeptieren Beschäftigte in Deutschland deren Dokumentation und die meisten Arbeitgeber setzen das Stechuhrurteil bereits in die Praxis um - wenn auch zum Teil noch in Zettelwirtschaft.

Zettels Albtraum, so kann die Arbeitszeiterfassung in Deutschland beschrieben werden. Denn bereits 89 Prozent der 1.000 von Arlington Research im Auftrag von Tisoware befragten Beschäftigten im deutschen Mittelstand dokumentieren ihre Einsatzzeiten bereits. Allerdings dominieren dabei noch analoge Methoden wie Papier und Stift (25 Prozent), die Stechuhr (24 Prozent) oder die gute alte Excel-Tabelle (zwölf Prozent). Ein zentrales Zeiterfassungssystem nutzen lediglich 18 Prozent, ein browserbasiertes Tool 16 Prozent und eine mobile App nur elf Prozent. 

BAG-Urteil schreibt Arbeitszeiterfassung vor

Auch wenn es bei den Methoden in einer von Homeoffice und mobiler Arbeit geprägten Arbeitswelt durchaus Verbesserungsbedarf gibt, kann also von einem bürokratischen Monster oder einer großen Trendwende nicht die Rede sein, die düstere Stimmen skizzierten, als das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt im September 2022 ein richtungweisendes Urteil fällte.

Das BAG entschied, dass für Arbeitgebende eine generelle Pflicht zur systematischen Arbeitszeiterfassung besteht. Auch wenn Unternehmen und Beschäftigte wohl noch bis Frühjahr auf die gesetzliche Ausgestaltung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales warten müssen, sind kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) auf diesem Gebiet gut gerüstet. Der von Unternehmerverbänden  beschworene Kulturbruch von flexiblen Arbeitszeiten und -orten sowie der dokumentationsfreien Vertrauensarbeitszeit hin zu einem Kontrollwahn bleibt zumindest im Mittelstand aus. 

Pausen und -Arbeitszeiten werden teilweise penibel erfasst

Bereits jetzt erfassen viele Beschäftigte Pausen- und Arbeitszeiten laut Umfrage sehr detailgenau:

  • Mehr als die Hälfte (56 Prozent) hält Dienstanfang und -ende fest,
  • ein Drittel (30 Prozent) dokumentiert die Mittagspause,
  • jeder Fünfte (21 Prozent) gibt zudem die ausgeübte Tätigkeit wieder,
  • 18 Prozent machen Projekt- oder Bereichsangaben und erfassen den Arbeitsort, also, ob in Präsenz im Büro oder im Homeoffice,
  • Raucher-, Toiletten- oder Kaffeepausen weisen zwölf Prozent der Befragten aus.

Beschäftigte profitieren von Überstundendokumentation

Insgesamt bewerten Beschäftigte die Pflicht, ihre Stunden und Überstunden, sauber festzuhalten, als positiv. Die vollständige Arbeitszeiterfassung sei sowohl für die Unternehmen (56 Prozent) als auch für Arbeitnehmenden (54 Prozent) vorteilhaft, ergibt die Tisoware-Studie. 69 Prozent der Befragten gefällt nämlich, dass ihre geleisteten Überstunden durch die Dokumentation sichtbar werden und im Zweifelsfall nicht einfach unter den Tisch fallen. 

Obwohl der Umfrage zufolge die meisten Unternehmen durch das sogenannte Stechuhrteil des BAG keinesfalls überrollt werden, sehen sie dennoch die dringende Notwendigkeit, ihr jetziges System zur Arbeitszeiterfassung zu verbessern, geben 38 Prozent der Umfrageteilnehmer an. Angesichts der analogen Zettelwirtschaft, die derzeit noch vorwiegend praktiziert wird, ist das sicherlich sinnvoll.

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