Manager zweifeln an KI zur Leistungskontrolle
- 24.03.2026
- Arbeitsrecht
- Im Fokus
- Online-Artikel
Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.
Wählen Sie Textabschnitte aus um mit Künstlicher Intelligenz passenden Patente zu finden. powered by
Markieren Sie Textabschnitte, um KI-gestützt weitere passende Inhalte zu finden. powered by (Link öffnet in neuem Fenster)
Künstliche Intelligenz hat sich als Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung etabliert. Von automatisierten Routineaufgaben bis zur Analyse komplexer Datensätze. Doch mit den Chancen wachsen auch die Bedenken.
Von dem Tracken der Arbeitszeit bis zur Emotionskontrolle am Schreibtisch: KI kann Mitarbeitende rundum kontrollieren. Jetzt kommt es darauf an, wo ethische Bedenken der KI Grenzen setzen.
Pakin / Stock.adobe.com
Der Optimierung von Arbeitsabläufen durch Künstliche Intelligenz steht die Sorge vor einer KI-gestützten Überwachung gegenüber, die weit über traditionelle Leistungsmessung hinausgeht. Denn die Technik dafür ist da und sie gibt es her.
Von der KI aufgezeichnete und analysierte Verhaltensdaten legen offen, wie Beschäftigte ihre Aufgaben erledigen, wo sich ihre Defizite verbergen, wann Arbeitszeitbetrug stattgefunden hat, und auch: welche Potenziale entwickelt werden sollten, wie viel Leistungsveränderung voraussichtlich zu erwarten ist.
People-Management zwischen Effizienz und Ethik
Aktivitätstracking, Zeitüberwachung und Predictive Performance Management oder gar KI-Systeme zur Emotionserkennung anhand von Mimik und Stimmlage sind im Anmarsch, um Beschäftigte künftig im Arbeitsalltag zu begleiten - oder, je nach Sichtweise, zu beschatten.
Denn die Frage ist: Wo verläuft die feine Linie zwischen legitimer Analyse und unzulässigen Kontrollen? Und wie wohl ist Unternehmenslenkern, bei Einführung und Einsatz dieser Systeme? Schließlich tragen sie die Verantwortung für KI-Ethik und Mitarbeiterschutz.
Der Technologie- und Beratungsdienstleister Expleo fühlt seit Sommer 2025 monatlich je 200 Führungskräften in Deutschland, Frankreich und Großbritannien in Sachen KI auf den Puls und analysiert das allgemeine KI-Stimmungsbild.
Der Report zur dritten Erhebungswelle mit dem Titel "KI-Überwachung am Arbeitsplatz" zeigt: Führungskräfte begrüßen KI als Werkzeug zur Prozessoptimierung, zeigen aber erhebliche Vorbehalte gegenüber automatisierter Mitarbeiterüberwachung.
KI-Überwachung macht Manager skeptisch
Yusuf Erdoğan, Country Lead Digital & Technology bei Expleo Deutschland, bringt den Konflikt auf den Punkt. Bei allen Vorteilen könne KI auch "über das Ziel hinausschießen". Die Ergebnisse der Erhebung verdeutlichen das Spannungsfeld, in dem Unternehmen sich bewegen:
Sorge vor Überwachung: Fast vier von zehn Managern in Deutschland und Frankreich (jeweils 38 Prozent) fürchten, KI könne zur Überwachung der Belegschaft genutzt werden. In Großbritannien äußerten sich sogar 56 Prozent besorgt. Demgegenüber stehen in Deutschland 18 Prozent, die explizit keine Bedenken haben.
Allgemeines KI-Sentiment: Der Score für das Vertrauen und die Erwartung gegenüber KI ist in Deutschland mit einem Wert von 67 Punkten solide, liegt jedoch knapp unter dem europäischen Durchschnitt von 68 Punkten. Großbritannien, mit 72 Punkten Spitzenreiter, ist der KI gegenüber allen Befürchtungen zum Trotz besonders optimistisch gestimmt.
Positive Geschäftsauswirkungen: Entgegen aller Vorbehalte bewertet eine Mehrheit der deutschen Manager (68 Prozent) die Auswirkungen von KI auf das eigene Unternehmen positiv. Auch hier zeigt sich Großbritannien (76 Prozent) optimistischer.
Die vorsichtige Zuversicht der Deutschen
"Die Briten verbinden Begeisterung mit Wachsamkeit" interpretiert Yusuf Erdoğan die Ergebnisse. Im Vergleich dazu zeige sich in Deutschland ein Bild der bedachten Zuversicht. Die Sorge vor Überwachung ist präsent, doch die Grundstimmung positiv. Das wird von 67 Prozent der deutschen Führungskräfte bestätigt, die in KI-Systemen große Chancen erkennen.
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) dürfte nach Ansicht der Studienexperten die unterschiedlichen Einschätzungen deutscher und britischer Führungskräfte erklären. Mit ihr und dem strengen Betriebsverfassungsgesetz würden deutsche Unternehmen in Sachen KI-Überwachung in ein strenges regulatorisches Korsett geschnürt, das "den Schutz der Beschäftigten sicherstellt". Die teilweise Loslösung der Briten von EU-Standards nach dem Brexit dürfte sowohl deren Skepsis als auch Optimismus befeuert haben.
Im Endeffekt muss sich der Erfolg der KI-Revolution in europäischen Unternehmen künftig daran messen lassen, wie Entscheider technologischen Fortschritt mit einer integren Unternehmenskultur und klaren ethischen Richtlinien in Einklang bringen können. Handeln sie nachlässig oder unbesorgt, stehen der Schutz und das Vertrauen von Belegschaften auf dem Spiel.