Immer weniger Beschäftigte haben einen Tarifvertag
- 21.03.2025
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Löhne, Sonderzahlungen, Mehrurlaub - in Tarifverträgen wird einiges zugunsten von Arbeitnehmern geregelt. Doch nicht in allen Betrieben gelten solche Vereinbarungen und die Zahl ist rückläufig.
Mit Tarifbindung verdienen Beschäftigte mehr und arbeiten weniger.
Stockfotos-MG / stock.adobe.com
Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet in einem Betrieb, in dem ein Branchen- oder Firmentarifvertrag gilt. Mit 49 Prozent aller Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb blieb die Tarifbindung im Jahr 2024 im Vergleich zu den Vorjahren konstant, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.
Allerdings war die Quote früher deutlich höher: Bis Mitte der 1990er Jahre wurden nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung etwa 85 Prozent aller Beschäftigten nach einem Tarifvertrag bezahlt, den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände ausgehandelt hatten. Dem WSI zufolge arbeiteten beispielsweise im Jahr 2000 noch mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland in tarifgebundenen Betrieben.
Tarifbindung in einigen Branchen deutlich unterdurchschnittlich
Je nach Branche gibt es auch in der jüngsten amtlichen Statistik deutliche Unterschiede: Die höchsten Tarifbindungsquoten stellen die Wiesbadener Statistiker erneut mit 100 Prozent im Öffentlichen Dienst, bei der Verteidigung und den Sozialversicherungen fest. Überdurchschnittlich ist der Wert auch in der Energieversorgung (84 Prozent), im Bereich Erziehung (80 Prozent) sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (72 Prozent).
Der Wirtschaftsbereich mit der geringsten Tarifbindung im Jahr 2024 war Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (elf Prozent). Vergleichsweise geringe Quoten gab es auch in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung (20 Prozent), Grundstücks- und Wohnungswesen (22 Prozent) sowie im Gastgewerbe (23 Prozent).
Im Vergleich der Bundesländer war der Statistik zufolge im vergangenen Jahr die Tarifbindung in Bremen (56 Prozent), im Saarland (54 Prozent) und in Nordrhein-Westfalen (51 Prozent) am höchsten. Die geringste Tarifbindung wies demnach das Land Sachsen (42 Prozent) aus, kurz hinter Berlin (44 Prozent), Thüringen (45 Prozent) und Schleswig-Holstein (46 Prozent).
"Schlechtere Arbeitsbedingungen ohne Tarifvertrag"
Dass in vielen Dienstleistungsbranchen wie Handel oder Gastgewerbe nur noch eine Minderheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Tarifvertrag profitieren, sieht WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten mit Sorge: "Ohne Tarifverträge verdienen die Beschäftigten deutlich weniger, arbeiten erheblich länger und haben insgesamt schlechtere Arbeitsbedingungen."
Eine im April 2024 veröffentlichte WSI-Studie kam zu dem Schluss, dass Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Betrieben im Mittel wöchentlich 53 Minuten länger arbeiten und trotzdem gut zehn Prozent weniger verdienen als Beschäftigte in Betrieben mit Tarifbindung. Von einer künftigen Bundesregierung fordert WSI-Forscher Schulten gesetzliche Regelungen für mehr Tarifbindung.