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16.03.2018 | Arbeitsrecht | Infografik | Onlineartikel

Über das Gehalt spricht man nicht

Autor:
Andrea Amerland

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Aber das Lohngefälle zwischen Mann und Frau wächst, zeigt eine Studie. Die Politik hat zwar das Entgelttransparenzgesetz geschaffen, doch damit können Mitarbeiter offenbar wenig anfangen. 

Kompliziert und wenig schlagkräftig: Das waren die Reaktionen auf das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit, als es 2017 verabschiedet wurde. Das so genannte Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) ist seit Januar 2018 in Kraft und sieht vor, das Frauen erfragen können, was männliche Kollegen in einer vergleichbaren Position verdienen. Zudem soll nun jeder Arbeitnehmer Auskunft darüber erhalten, nach welchen Kriterien sein Gehalt bestimmt wird.

Einen rechtlichen Anspruch auf eine Lohnerhöhung erwerben Frauen durch das Auskunftsprocedere aber nicht. Sollte sich tatsächlich das berüchtigte Gender Pay Gap auftun, müssen sie juristische Schritte beschreiten und sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) berufen, um gegebenenfalls eine Anpassung auf das Lohnniveau eines männlichen Kollegen beziehungsweise einer Vergleichsgruppe durchzusetzen. 

Tabu-Thema Gehalt

In der Praxis zeigt sich, dass das Thema Vergütung trotz des Entgeltransparenzgesetzes in Unternehmen weiterhin ein Tabu-Thema ist. Wie das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young) in einer Online-Befragung unter rund 1.000 Fach- und Führungskräften in Unternehmen ab einer Größe von 200 Mitarbeitern ermittelt hat, kennen nur 45 Prozent der Befragten die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen. 

Während 52 Prozent der Männer von dem Gesetz Kenntnis haben, sind es bei den befragten Frauen lediglich 40 Prozent. Dabei gehen 52 Prozent der weiblichen Angestellten davon aus, dass Frauen in ihrem Arbeitsumfeld weniger verdienen als Männer. "Gerade die geringere Kenntnis der weiblichen Angestellten verwundert aufgrund der aktuellen Gleichberechtigungsdebatte, die auch die gerechtere Entlohnung von Frauen thematisiert", ordnet Henning Curti, Executive Director bei EY die Studienergebnisse ein.

Unternehmen sitzen EntgTranspG aus

Ein Grund dafür mag die Informationspolitik der Arbeitgeber sein. Denn rund 70 Prozent der Befragten haben von der gesetzlichen Regelung durch die Medien erfahren, aber nur 18 Prozent über die Kanäle der Internen Kommunikation. Unternehmen hüllen sich offenbar lieber in Schweigen, wenn es um das Thema Gehaltstransparenz geht. 

Allerdings würde ohnehin nur jeder Achte seinen Auskunftsanspruch geltend machen. Aus Angst vor negativen Konsequenzen scheut sich ein Drittel der Befragten davor, auf das Recht zu pochen. Insofern scheint das Entgelttransparenzgesetz aktuell sein Ziel, mehr Klarheit und Gerechtigkeit beim Gehalt zu schaffen, nicht zu erfüllen.  

Die Gehaltskluft zwischen den Geschlechtern wächst

Ganz im Gegenteil vergrößern sich die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau und Deutschland aktuell noch. Eine Studie durch die Initiative Finanz-Heldinnen der Comdirect Bank AG kommt zu dem Ergebnis, das weibliche Angestellte bis zu 22 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Bei den Sonderzahlungen bekommen Männer im Schnitt sogar 48 Prozent mehr. Zudem verfügen Frauen durchschnittlich über 38 Prozent weniger Vermögen als Männer. Die Daten für die Studie wurden durch Barkow Consulting erhoben. Es handelte sich dabei um Sekundärdaten, unter anderem vom Statistischen Bundesamt.

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