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Arbeitswelten

Neue Perspektiven aus Räumen der Re/Produktion

  • 2026
  • Buch

Über dieses Buch

Arbeitswelten unterliegen einem beständigen Wandel. Die kontinuierliche Reorganisation kapitalistischer Produktionsprozesse hat signifikante Auswirkungen auf Formen, Bedeutungen und Räume von Arbeit. Dies betrifft insbesondere Arbeiter:innen und ihre Lebenswirklichkeiten. Neue Perspektiven aus Räumen der Re/Produktion zeigen, dass Arbeiter:innen nicht nur Betroffene sind. Sie handeln Krisen und Konflikte der Re/Produktion (aktiv) aus und spielen eine zentrale Rolle in der umkämpften Gestaltung globaler Produktionsprozesse, den damit einhergehenden Migrationsdynamiken, der fortschreitenden Digitalisierung und den sich wandelnden Arbeitsbedingungen. Das Verständnis dieser Prozesse und der Handlungsmacht von Arbeiter:innen ist essenziell für die Aushandlung einer sozial und ökologisch gerechten Zukunft.

Aufbauend auf der ursprünglich im angloamerikanischen Raum begründeten Labour Geography geht dieser Sammelband der Frage nach, wie und unter welchen Bedingungen Arbeiter:innen ihre Arbeits- und Lebenswelten mitgestalten und welchen Herausforderungen sie dabei begegnen.

Die Beiträge eröffnen neue subjektorientierte Perspektiven zur Analyse der vielfältigen Beziehungen zwischen Arbeit, Klasse, Geschlecht, Race, Kapital und Raum. Detaillierte Fallstudien zu sozialer Reproduktion, Migration, globaler Produktion und Logistik, Digitalisierung, sozial-ökologischen Kämpfen, Transformation und Werten sowie kritische Reflexionen zur Datenerhebung illustrieren aktuelle Ansätze zum Verständnis der Beziehungen zwischen Arbeit, Arbeiter:innen (-Handlungsmacht) und kapitalistischem Raum. Sie loten das Potenzial der Labour Geography zur Analyse dieser Prozesse aus, bringen Konzepte und Debatten in den deutschsprachigen Diskurs ein und fördern deren Weiterentwicklung. Damit leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Entschlüsselung der Komplexität aktueller Arbeitswelten und zu ihrer Gestaltung.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Einleitung

    1. Frontmatter

    2. 1. Arbeitswelten: Zwischen Geographien der Arbeit und Labour Geography

      Michaela Doutch, Anne Engelhardt, Tatiana López, Saumya Premchander, Miriam Wenner
      Der Fachbeitrag widmet sich der Labour Geography, einer Forschungsperspektive, die die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Raum und Macht im kapitalistischen Weltsystem untersucht. Im Mittelpunkt stehen Arbeiter:innen als zentrale Akteur:innen mit Handlungsmacht, die kapitalistische Landschaften mitgestalten. Der Text beleuchtet die Entwicklung der Labour Geography im deutschsprachigen Raum, die Pluralität der Perspektiven und Ansätze sowie die Bedeutung von Arbeiter:innen als raumproduzierende und raumverhandelnde Subjekte. Es werden vier zentrale Aspekte einer Labour Geography-Perspektive herausgearbeitet: die Auseinandersetzung mit Arbeiter:innen-Handlungsmacht, das Verständnis von Arbeit, die Konzeptualisierung von Raum und der gesellschaftspolitische Anspruch. Der Beitrag zeigt, wie Labour Geography zur Analyse aktueller Konflikte und Prozesse hinsichtlich der Verhältnisse zwischen Arbeit, Arbeiter:innen und Raum beiträgt. Zudem wird die Bedeutung von interdisziplinären Ansätzen und die Notwendigkeit einer kapitalismuskritischen Perspektive betont. Der Text bietet einen Überblick über aktuelle Forschungen und Potentiale der Labour Geography im deutschsprachigen Raum und regt zur Weiterentwicklung der Sub-Disziplin an.
    3. 2. Klasse, Raum, Arbeit: Labour Geography, Arbeiter:innen-Agency und kapitalistische (Re- )Produktionsweise – ein programmatischer Aufschlag

      Stefanie Hürtgen
      In diesem Kapitel wird die Labour Geography als kritische Theorie diskutiert, die sich mit der Analyse von Arbeiter:innen-Handeln in kapitalistischen Strukturen beschäftigt. Der Beitrag argumentiert dafür, dass die Labour Geography wieder stärker an kapitalismus- und klassentheoretische Betrachtungen angebunden werden muss, um als gesellschaftskritische wissenschaftliche Intervention zu fungieren. Dabei wird betont, dass das Klassenverhältnis als relationales zu verstehen ist, bei dem Kapital und Arbeit wechselseitig konstitutiv sind. Der Text entwickelt vier konzeptionelle Erweiterungen, die als notwendige Horizonterweiterungen der Labour Geography betrachtet werden. Erstens wird argumentiert, dass Arbeiter:innen als multiskalare Akteur:innen zu verstehen sind, die nicht nur lokal, sondern auch global agieren. Zweitens wird betont, dass der kapitalistische Arbeitsprozess in die Analyse einbezogen werden muss, um die multiskalaren Produktionszusammenhänge zu verstehen. Drittens wird die Widersprüchlichkeit von Arbeiter:innen-Handeln thematisiert, die sowohl restriktive als auch emanzipative Formen umfassen kann. Viertens wird der Klassenwiderspruch als inhaltlicher und sozialökologischer verstanden, der eine permanente Auseinandersetzung um den Charakter der verausgabten Arbeit darstellt. Der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass raumproduzierendes Arbeiter:innen-Handeln in seiner Widersprüchlichkeit betrachtet werden muss, um die Umkämpftheit von Raum zu verstehen.
  3. Soziale Reproduktion

    1. Frontmatter

    2. 3. „Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.“ Leben und Überleben in Deutschlands ländlicher Peripherie ̶ Wege zu einer raumsensiblen Reproduktionsforschung

      Tine Haubner
      Der Fachbeitrag untersucht die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen in ländlichen Peripherien Deutschlands, insbesondere die Auswirkungen von Peripherisierungsprozessen auf die untere Arbeiter:innenklasse. Es wird analysiert, wie diese Prozesse die Lebens- und Arbeitsbedingungen prägen und die Reproduktionsfähigkeit der Arbeiter:innen einschränken. Der Text beleuchtet vier zentrale Themenbereiche: Erstens, die strukturellen Ungleichheiten und die soziale Reproduktionskrise der unteren Arbeiter:innenklasse in ländlichen Armutsräumen. Zweitens, die methodischen Ansätze und die empirische Datengrundlage, die auf qualitativen Interviews und Fallstudien basieren. Drittens, die spezifischen Herausforderungen in den Bereichen Erwerbsarbeit, Bildung, Qualifikation und Gesundheit. Viertens, die informellen Reproduktionsstrategien und die Rolle des Sozialstaats in der Bewältigung dieser Krisen. Der Beitrag schließt mit der Feststellung, dass die strukturelle Verwundbarkeit der Arbeiter:innenklasse in ländlichen Peripherien eine aktive und kreative Bewältigung von Mangel und Armut erfordert, die jedoch durch die Angewiesenheit auf prekäre Unterstützungsstrukturen und die räumliche Ausweglosigkeit eingeschränkt wird. Die Analyse bietet wertvolle Einblicke in die sozialen Reproduktionskrisen und die strukturellen Grenzen der Handlungsfähigkeit der Arbeiter:innenklasse in diesen Regionen.
    3. 4. Der metabolische Riss in der sozialen Reproduktion: Räumliche Kämpfe um körperliche Unversehrtheit im portugiesischen und brasilianischen Hafensektor

      Anne Engelhardt
      In diesem Kapitel wird untersucht, wie neoliberale kapitalistische Praktiken wie Flexibilisierung und Verdichtung von Arbeit die Körper von Hafenarbeitern in Lissabon (Portugal) und Santos (Brasilien) beeinflussen. Der Fokus liegt auf der Analyse der Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Unversehrtheit und die sozialen Reproduktionsbedingungen der Arbeiter. Der Beitrag entwickelt einen theoretisch-konzeptionellen Analyserahmen, der den arbeitenden Körper als Maßstabsebene ins Zentrum der Analyse von Konflikten und Kämpfen rückt. Es wird argumentiert, dass der Metabolismus der sozialen Reproduktion des arbeitenden Körpers als Teil einer kritischen Analyse um Arbeitskämpfe, Handlungsmacht und Raum mitberücksichtigt werden muss. Die Studie zeigt, dass mangelnde Investitionen in die Instandhaltung von Werkzeugen und Maschinen die Arbeitenden an den Häfen in Portugal gefährden, teilweise tödlich. Die Entfernung zwischen dem Arbeitsplatz und den reproduktiven Räumen hat ebenfalls Einfluss auf die Erschöpfung, den Stress und die hohe Zahl von Unfällen am brasilianischen Hafen Santos. Die qualitativ-empirische Studie belegt die implizite und offene (körperliche) Gewalt, der Arbeitende durch bestimmte räumliche Konflikte am Arbeitsplatz Hafen ausgesetzt sind. Prekäre Ausbeutung beruht damit nicht nur auf niedrigen Löhnen und befristeten Verträgen, sondern auch auf mangelnder Wartung und Zugang zu Reproduktionsbedingungen, die die Integrität, Gesundheit und Sicherheit der Arbeitenden ständig bedrohen. Die Studie zeigt, dass die zeitlichen und räumlichen Kämpfe um die Grenzen zwischen Produktion und Reproduktion wie ein Tauziehen wirken, das im Kern den Metabolismus des arbeitenden Körpers potentiell bedroht. Solange das Seil jedoch nicht durchgeschnitten werden kann, kann der Druck und die Spannung rund um dieses Hin und Her auch zu ernsthaften Widerstandsbewegungen führen, die die Grenzen der Produktions- und Reproduktionsweise immer wieder herausfordern.
    4. 5. Planung für alltägliche Geographien der Re/Produktion – Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit in suburbanen Wohngebieten

      Henriette Bertram
      In diesem Fachbeitrag wird die Planung von neuen Stadtrandquartieren unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit untersucht. Der Autor analysiert, ob und inwiefern feministische Forderungen in aktuellen Planungsprozessen berücksichtigt werden und welche Lebensmodelle den Planungen zugrunde liegen. Besonders im Fokus steht das Beispiel Hamburg-Oberbillwerder, ein großes Stadterweiterungsprojekt in Hamburg. Der Beitrag zeigt, dass einige der ursprünglichen feministischen Forderungen heute als Elemente anspruchsvoller und alltagstauglicher Planung umgesetzt werden, jedoch oft ohne direkten Bezug zur feministischen Kritik oder Geschlechtergerechtigkeit. Die meisten Maßnahmen bleiben auf der Ebene kurzfristiger Alltagsverbesserungen, während strukturelle Veränderungen der vergeschlechtlichten Arbeitsteilung kaum thematisiert werden. Der Autor betont die Notwendigkeit einer stärkeren Integration von Sorge- und Erwerbsarbeit in die Planung, um eine tatsächliche Transformation zu erreichen. Die Analyse zeigt, dass Planung durchaus den Anspruch haben kann, gesellschaftliche Strukturen zu verändern, jedoch müssen dafür breitere Allianzen mit anderen Akteuren und eine stärkere Priorisierung des Themas geschaffen werden.
  4. Migration und Prekariatät

    1. Frontmatter

    2. 6. Transnationale Sorgeketten als arbeits- und sozialgeographische Kategorie. Indische Krankenpflegekräfte in Deutschland

      Christa Wichterich
      Der Fachbeitrag untersucht die Migration von indischen Pflegekräften nach Deutschland und analysiert die Autonomie der Migration sowie die Mechanismen der systemischen Abwertung von migrantischer Pflegearbeit. Der Text beginnt mit einer Einführung in die historische und politische Entwicklung der Migration von Pflegekräften aus Kerala, Indien, und stellt die theoretischen Rahmenbedingungen dar, die die empirische Forschung leiten. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Arbeits- und Lebensbedingungen von indischen Pflegekräften in Deutschland, wobei die Perspektiven und Erfahrungen der Pflegekräfte selbst im Vordergrund stehen. Der Beitrag untersucht auch die Rolle von Global Care Chains und die Auswirkungen der Migration auf die Herkunfts- und Zielländer. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Autonomie der Migration und der Handlungsfähigkeit der Pflegekräfte. Der Text schließt mit einer Diskussion der Ergebnisse und deren Implikationen für die Politik und Praxis im Bereich der Migration und Pflegearbeit. Der Fachbeitrag bietet eine umfassende Analyse der Migration von indischen Pflegekräften nach Deutschland und liefert wertvolle Einblicke in die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Gruppe. Die empirische Forschung basiert auf qualitativen biographischen Interviews mit Pflegekräften und bietet eine detaillierte Perspektive auf ihre Erfahrungen und Herausforderungen. Der Text ist eine wertvolle Ressource für Fachleute im Bereich der Migration, Arbeitsgeographie und Sozialwissenschaften, die sich für die Migration von Pflegekräften und die Auswirkungen auf die Herkunfts- und Zielländer interessieren.
    3. 7. Prekäre Arbeit und widerständige Agency im Kontext lang anhaltender Vertreibung

      Benjamin Etzold
      Das Kapitel untersucht die prekären Arbeitsverhältnisse von Geflüchteten in langanhaltenden Vertreibungssituationen und zeigt, wie staatliche Eingriffe und restriktive Politiken ihre Handlungsmacht einschränken. Es beleuchtet die Auswirkungen dieser Politiken auf ihre Lebenssicherung und analysiert die spezifischen Arbeitsmarktpositionen und -verhältnisse von Geflüchteten. Der Text diskutiert die Konzepte der Labour Market Segmentation und Constrained Agency und veranschaulicht, wie diese die Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven von Geflüchteten prägen. Anhand von Fallbeispielen aus Afrika, Asien und Europa wird aufgezeigt, wie Geflüchtete trotz rechtlicher und sozialer Hürden Strategien entwickeln, um ihre Lebenssicherung zu gewährleisten. Das Fazit betont die Notwendigkeit, die Handlungsspielräume von Geflüchteten zu erweitern und ihre Anstrengungen zur Selbsthilfe zu unterstützen.
  5. Globale Produktions- und Logistiknetzwerke

    1. Frontmatter

    2. 8. Netzwerke der Solidarität und des Vertrauens: Neue Ansätze der gewerkschaftlichen Vernetzung und Organisierung in globalen Automobilwertschöpfungsketten

      Hendrik Simon
      Der Fachbeitrag untersucht die globalen Machtasymmetrien zwischen Kapital und Arbeit in der Automobilindustrie und zeigt auf, wie gewerkschaftliche Vernetzung und Solidarität diese Asymmetrien abmildern können. Es wird die Internationale Netzwerkinitiative (NWI) der IG Metall als Beispiel für transnationale Vernetzung analysiert, die darauf abzielt, dauerhafte Netzwerke zwischen Arbeiter:innenvertretungen in verschiedenen Ländern zu schaffen. Der Text beleuchtet die Herausforderungen und Potenziale solcher Initiativen, insbesondere die Bedeutung von Vertrauen und interkultureller Sensibilität für den Aufbau transnationaler Solidarität. Ein zentraler Fall ist das deutsch-südafrikanische Netzwerk im Automobilzulieferer Lear, das erfolgreich Vertrauen und Solidarität zwischen Arbeiter:innenvertretungen aufgebaut hat. Der Beitrag schließt mit der Erkenntnis, dass transnationale Vernetzung und Solidarität entscheidend sind, um globalen Machtasymmetrien entgegenzuwirken, und betont die Notwendigkeit von Geduld, Ausdauer und Frustrationstoleranz in solchen Projekten.
    3. 9. Umkämpfte Logistifizierung: Konflikte und Machtressourcen im Logistikcluster der Region Leipzig

      Hans-Christian Stephan
      Der Fachbeitrag untersucht die Machtkonstellationen und Konflikte im Logistikcluster der Region Leipzig, mit Fokus auf den Frachtflughafen Leipzig-Halle. Es werden die Machtressourcen von Gewerkschaften und Anwohnerinitiativen analysiert, die versuchen, ihre Interessen in diesem Cluster durchzusetzen. Der Beitrag beleuchtet die Herausforderungen, denen diese Gruppen begegnen, und zeigt auf, wie das Logistikkapital seine Ansprüche durchsetzt. Dabei werden drei zentrale Aspekte betrachtet: die politökonomischen Rahmenbedingungen, die Hürden beim Aufbau von Organisationsmacht und die Mobilität des Logistikkapitals. Der Autor identifiziert fünf Hürden, die Gewerkschaften und Anwohnerinitiativen überwinden müssen, um ihre Interessen effektiv zu vertreten. Diese umfassen die Kooperation zwischen Gewerkschaften und Management, die Auswirkungen staatlicher Repression auf Proteste, die Schwierigkeiten bei der Mobilisierung von Menschen, die Auswirkungen der Beweglichkeit der Hubs auf die Handlungsoptionen und die Notwendigkeit von Bündnissen zwischen verschiedenen Akteuren. Der Beitrag zeigt, wie der Machtressourcenansatz und seine Erweiterung über den Metabolismus als Werkzeug genutzt werden können, um Machtressourcen von verschiedenen, politisch teilweise konträren Akteuren zu analysieren. Die Fallstudien und Interviews bieten ein tiefes Verständnis der lokalen Dynamiken und Herausforderungen in der Region Leipzig.
    4. 10. Social upgrading of migrant workers in global production networks: findings from the semiconductor industry in Taiwan

      Ting-Chien Chen, Daniel Schiller
      Der Fachbeitrag untersucht die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten von Migrantenarbeitern in globalen Produktionsnetzwerken, mit einem besonderen Fokus auf die Halbleiterindustrie in Taiwan. Die Studie analysiert, wie institutionelle Faktoren wie Seniorität, Arbeitserfahrung und die Länge des Aufenthalts im Gastland die Arbeitszufriedenheit und die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten der Migranten beeinflussen. Durch eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Forschung werden die Arbeitsbedingungen und die Zufriedenheit der Migranten in verschiedenen Phasen ihrer Migration untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass institutionelle Faktoren wie die Dauer des Aufenthalts und die Arbeitserfahrung in Taiwan die Zufriedenheit der Migranten mit verschiedenen Aspekten ihrer Arbeitsbedingungen beeinflussen. Die Studie hebt auch die Herausforderungen hervor, denen Migranten aufgrund der regulatorischen Beschränkungen des Migrationsregimes in Taiwan gegenüberstehen. Abschließend betont die Studie die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung der sozialen Aufstiegsmöglichkeiten, die sowohl wirtschaftliche als auch soziale Aspekte berücksichtigt, um die Arbeitsbedingungen und die Zufriedenheit von Migrantenarbeitern zu verbessern.
  6. Digitalisierung

    1. Frontmatter

    2. 11. Arbeitsgeographien der Plattformökonomie. Raumzeitliche Dynamiken algorithmischen Managements am Beispiel der Plattformen Amazon Flex und Appen

      Moritz Altenried, Mira Wallis, Daniel Jarczyk
      Der Fachbeitrag beleuchtet die räumlichen und zeitlichen Dynamiken der Plattformökonomie anhand der Beispiele Amazon Flex und Appen. Es wird untersucht, wie algorithmisches Management die Arbeitsgeographien und -zeiten von Plattformarbeitern prägt und welche Auswirkungen dies auf ihre Lebensrealitäten hat. Der Text analysiert die verschiedenen Formen der Plattformarbeit, darunter ortsgebundene und ortsungebundene Arbeit, und zeigt auf, wie digitale Technologien die Organisation und Kontrolle von Arbeit aus der Distanz ermöglichen. Zudem werden die zeitlichen Dimensionen der Plattformarbeit, wie die Aneignung unbezahlter Arbeitszeit, die Fragmentierung der Arbeitszeit und die Verdichtung durch Stücklöhne, detailliert untersucht. Abschließend wird diskutiert, wie Plattformarbeit die gesellschaftliche Arbeitsteilung neu ordnet und welche Rolle Migration und Mobilität in diesem Kontext spielen. Der Beitrag bietet einen umfassenden Überblick über die komplexen Geographien der Plattformökonomie und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt.
    3. 12. Machtvolle Rhythmen: Digitale Arbeitsvermittlungsplattformen und ihr Einfluss auf Zeit-Räume der Re/Produktion

      Isabella Stingl, Marisol Keller
      Dieser Fachbeitrag untersucht, wie digitale Arbeitsvermittlungsplattformen die zeitlich-räumlichen Rhythmen der Re/Produktion von Plattformarbeiter:innen beeinflussen. Durch autoethnographische Forschung werden die Auswirkungen von Plattformarbeit auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter:innen analysiert. Der Beitrag zeigt, wie Plattformarbeit die Grenzen zwischen produktiver und reproduktiver Arbeit verwischt und zu prekären Arbeitsverhältnissen führt. Es wird untersucht, wie Plattformarbeit die Rhythmen der Re/Produktion stört und neue Zeit-Räume der Erholung schafft. Die Analyse basiert auf feministischen und intersektionalen Ansätzen, die die Machtverhältnisse und Ungleichheiten in der Plattformökonomie herausarbeiten. Der Beitrag diskutiert die Versprechen der Plattformökonomie im Hinblick auf die Krise der sozialen Reproduktion und zeigt, dass Plattformen keine systemverändernde Lösung darstellen. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, die Sphäre der sozialen Reproduktion in Debatten über Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie zu berücksichtigen.
    4. 13. Zwischen Berliner Kiez und Instagram: Arbeitsgeographische Strukturierung von unsichtbarer, zukunftsgerichteter und emotionaler Arbeit im digitalen Raum

      Alica Repenning
      Dieser Fachbeitrag untersucht die digitale Arbeit von Modeunternehmer:innen auf Instagram und identifiziert drei zentrale Dimensionen: unsichtbare, zukunftsgerichtete und emotionale Arbeit. Die Studie zeigt, wie die Plattform die Arbeitsprozesse strukturiert und welche Herausforderungen und Abhängigkeiten daraus entstehen. Die unsichtbare Arbeit umfasst die täglichen, oft unbewussten Interaktionen auf der Plattform, die als Freizeitaktivität wahrgenommen werden, aber tatsächlich arbeitsintensiv sind. Die zukunftsgerichtete Arbeit bezieht sich auf die Hoffnung auf zukünftige Einnahmen und die Notwendigkeit, kontinuierlich Inhalte zu erstellen, um sichtbar zu bleiben. Die emotionale Arbeit betrifft die persönliche Selbstdarstellung und die Inszenierung von Emotionen, um das Publikum anzusprechen. Die Analyse zeigt, dass die Plattform Instagram nicht neutral ist, sondern von monetären Anreizen gesteuert wird, die für die Designer:innen oft unsichtbar bleiben. Die Studie unterstreicht die Bedeutung arbeitsgeographischer Perspektiven und die kritische Betrachtung des Plattformkapitalismus bei der Untersuchung von Arbeit im digitalen Raum.
    5. 14. The home as a workplace: Domestic technology and skill in the digital era

      Lizzie Richardson
      Der Fachbeitrag untersucht die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitsorganisation. Dabei wird insbesondere die zunehmende Beliebtheit des Homeoffice und die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen analysiert. Der Text zeigt auf, wie die Digitalisierung die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben unschärfer macht und welche Auswirkungen dies auf die Arbeitsorganisation hat. Dabei werden auch die Auswirkungen auf die Arbeitspsychologie und die Organisationsentwicklung untersucht. Der Text kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt nachhaltig verändert und dass Unternehmen und Arbeitnehmer sich auf diese Veränderungen einstellen müssen, um erfolgreich zu bleiben. Der Fachbeitrag bietet eine umfassende und fundierte Analyse der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitsorganisation.
  7. Arbeit, Transformation und Werte

    1. Frontmatter

    2. 15. Wertvolles Arbeiten – moralisches Wirtschaften? Möglichkeiten und Grenzen von transformativem Handeln

      Miriam Wenner, Sinje Grenzdörffer
      Das Kapitel untersucht die Bedeutung moralischer Werte für transformatives Handeln in der Arbeitswelt, insbesondere in von Arbeiter:innen geführten Unternehmen (AGU). Es wird analysiert, wie Werte wie Solidarität, Demokratie und Nachhaltigkeit die Arbeits- und Wirtschaftsstrukturen beeinflussen und welche Herausforderungen und Potenziale sich daraus ergeben. Die Fallstudie zeigt, dass AGU als Möglichkeitsräume für eine wertebasierte Transformation dienen, jedoch durch kapitalistische und legale Strukturen eingeschränkt werden. Die Studie betont die Bedeutung von Wertekonflikten und die Notwendigkeit einer ständigen Aushandlung von Werten in der Arbeitswelt. Abschließend wird diskutiert, wie AGU trotz bestehender Strukturen transformative Praktiken vorantreiben können und welche Rolle moralische Werte dabei spielen.
    3. 16. Konfliktfelder und Wertigkeiten von Arbeit in einer Landkommune

      Feline Tecklenburg, Roman Kiefer
      In diesem Fachbeitrag wird die Rolle von Arbeit in einer politischen Landkommune als Projekt der sozial-ökologischen Transformation untersucht. Der Beitrag analysiert die Konflikte und Widersprüche, die sich aus der Bewertung und Verteilung von Arbeitspraktiken ergeben. Dabei werden die Konzepte der transformativen Labour Agency, Place-Making und symbolische Ordnung herangezogen, um die internen Strukturen und Machtverhältnisse zu verstehen. Die Studie zeigt, dass trotz egalitärer Werte und kollektiver Besitzformen traditionelle Geschlechterrollen und hierarchische Strukturen in der Arbeitsteilung weiterhin bestehen. Die Analyse offenbart, dass die transformativen Potenziale der Kommune durch diese Widersprüche herausgefordert werden. Der Beitrag schließt mit einem Fazit zu den Chancen und Risiken einer Veränderung von Arbeitspraktiken vor dem Hintergrund der sozial-ökologischen Transformation.
    4. 17. Green Skills als Labour Agency für Nachhaltigkeitstransformationen

      Martina Fuchs
      Der Fachbeitrag untersucht die Rolle von Green Skills als Nachhaltigkeitskompetenzen in der Berufsbildung und Arbeitswelt. Es wird aufgezeigt, wie Green Skills als Gestaltungskompetenz mit emanzipatorischen Potenzialen verstanden werden können und welche Bedeutung sie für die sozial-ökologische Transformation haben. Der Text analysiert die Implementierung von Green Skills in verschiedenen Ländern und Branchen und identifiziert dabei sowohl Erfolgsfaktoren als auch Herausforderungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Gestaltungskompetenz für die nachhaltige Entwicklung und die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Vermittlung von Green Skills in der Berufsbildung. Abschließend werden Forschungsdesiderate im Bereich der Labour Geography aufgezeigt, insbesondere die Notwendigkeit, die Wirksamkeit von Green Skills auf sozial-ökologische Transformationen zu untersuchen.
    5. 18. Zur Kritik der planetarischen Dienstleistungsökonomie: Natur, Reproduktion und Arbeit in mehr-als-menschlichen Geographien

      Vicky Kluzik
      Der Fachbeitrag analysiert die Inwertsetzung von Natur in der planetarischen Dienstleistungsökonomie und deren Auswirkungen auf Mensch-Natur-Verhältnisse. Es werden die Konzepte der Kommodifizierung und Finanzialisierung von Natur kritisiert, die zu einer Depolitisierung des Mensch-Natur-Verhältnisses führen. Der Beitrag diskutiert die Wissens- und Diskursgeschichte ökonomischen und ökologischen Denkens, marxistisch-politökonomische Debatten um Wertform sowie konkrete Praktiken zur Bewertung ökologischer Funktionen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Inwertsetzung von Natur im Kontext von feministischen Ansätzen und mehr-als-menschlichen Geographien. Dabei wird ein post-anthropozentrischer Arbeitsbegriff entwickelt, der die strukturellen Ähnlichkeiten der Abwertung reproduktiver menschlicher und nicht-menschlicher Arbeit aufzeigt. Der Beitrag schließt mit der Forderung nach einer demokratischeren Gestaltung globaler gesellschaftlicher Naturverhältnisse und der Notwendigkeit, Natur als Co-Laborer zu betrachten.
  8. Doing Labour Geography

    1. Frontmatter

    2. 19. Starting and Staying with Labour: Herausforderungen und Potenziale einer moderierten feministisch-partizipativen Aktionsforschung im Bekleidungssektor Kambodschas

      Michaela Doutch
      In diesem Fachbeitrag wird ein moderierter feministisch-partizipativer Aktionsforschungsansatz vorgestellt, der Arbeiter:innen als Schlüsselakteur:innen mit Handlungsmacht in den Mittelpunkt stellt. Die Lebenswirklichkeiten und -kämpfe von Arbeiter:innen in der Bekleidungsindustrie Kambodschas werden kritisch reflektiert und Strategien der (Selbst-)Vernetzung und Organisation diskutiert. Der Beitrag zeigt, wie eine (selbst)reflektierende und kritische Zusammenarbeit mit Arbeiter:innen konkret methodisch-empirisch aussehen kann. Dabei werden die Herausforderungen und Potenziale eines solchen Forschungsprozesses in der Praxis diskutiert. Ein zentrales Element ist der Next-Node-Ansatz, der ein Zusammenbringen von Arbeiter:innen entlang der Wertschöpfungskette am nächstliegenden Knotenpunkt vorsieht. Dieser Ansatz dient als methodisches Tool für eine Untersuchung von komplexen Globalen Re/Produktionsnetzwerken aus einer Labour Geography-Perspektive mit strategisch-perspektivischer Implikation. Der Beitrag zeigt, dass mit Arbeiter:innen zusammen, auf ihren Wirklichkeiten und Kämpfen aufbauend, ein gemeinsames Reflektieren und Diskutieren – auch strategisch-perspektivisch – möglich sein kann. Damit werden neue, alternative Ansätze zur Veränderung und Verbesserung von Lebenswirklichkeiten von Arbeiter:innen mit (pro)aktiver Beteiligung von diesen als Schlüsselakteur:innen mit Handlungsmacht theoretisch denkbar und praktisch verfolgbar.
Titel
Arbeitswelten
Herausgegeben von
Michaela Doutch
Anne Engelhardt
Tatiana López
Saumya Premchander
Miriam Wenner
Copyright-Jahr
2026
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-70955-9
Print ISBN
978-3-662-70954-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-70955-9

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