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"Generation Z will kein Work Life Blending"

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Interviewt wurde:
Christian Scholz

ist Professor für Organisation und Arbeitslehre an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Die Trennung von Privat- und Berufsleben wird ein Revival feiern. Davon ist Chistian Scholz, Professor für Organisation und Arbeitslehre an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, überzeugt. Mit Springer Professional sprach er über den Einfluss von Start-ups auf die etablierte Finanzwelt und die "Wohnzimmerisierung" von Arbeitsplätzen.

Springer Professional: Haben Start-ups einen Einfluss auf die Art und Weise, wie in der Finanzbranche gearbeitet wird?

Christian Scholz: Banken und Versicherungen haben Mitte der 90er Jahre den Einstieg in die Entwicklung zur virtuellen Organisation völlig verschlafen. Leider denken sie auch nicht ansatzweise darüber nach, warum sie in ihrer Einschätzung zwar so total sicher waren, aber auch so total falsch lagen. Jetzt entdeckt man eine zur absoluten Verblüffung einsetzende Digitalisierung. Sie könnte Arbeitsprozesse ebenso betreffen wie Führungsmodelle und vieles andere. Die Idee, Produkte mal schnell und agil zu entwickeln und halbfertig auf den Markt zu werfen – das mag bei Kofferanhängern und Teetassen funktionieren, nicht aber bei Bank- und Versicherungsprodukten. Was mich perplex macht, ist das Déjà-vu: Wieder sind sich alle sicher, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten.

Ist die immer flexibler werdende Arbeitswelt wirklich das, was die Mehrheit der Arbeitnehmer auch in Zukunft will?

Natürlich nicht. Immer mehr Menschen verstehen, dass das hoch gelobte Work Life Blending nicht mehr ist als eine Mogelpackung. Es geht immer weniger um Flexibilisierung für die Mitarbeiter, als um Flexibilisierung durch die Mitarbeiter und für die Digitalisierung. Gerade die Generation Z der ab 1990 Geborenen, die ich intensiv erforsche, will in diesem Spiel auf Work on demand nicht mitmachen. Sicherlich kann man Kita-Zeiten und die maximale Arbeitszeit pro Tag ausweiten. Das hat aber nichts mit Familienfreundlichkeit zu tun und auch nichts mit Lebensqualität. Gerade Banken und Versicherungen stehen unter einem so extremen Druck, dass sie Work Life Blending in einer fast schon menschenverachtenden Form maximieren und jegliche Diskussion darüber im Keim ersticken wollen.

Was macht den Arbeitsplatz der Zukunft bei Versicherungen und ihren Maklern aus – speziell im Außendienst?

Genau hier zeigt sich eine falsche Denke. Es gibt keine Hinweise, dass generell Arbeitnehmer die rund-um-die-Uhr-Flexibilität wollen. Legt man aber jetzt geregelte Arbeitszeiten mit dem Wunsch der Mitarbeiter nach Work Life Separation zusammen, so hat der Außendienstler lediglich noch ein schmales Zeitfenster zwischen 16 und 18 Uhr zur Verfügung. Gleichzeitig wollen aber auch Außendienstler geregelte Arbeitszeiten. Wie das Spiel ausgeht, das weiß ich nicht. Was vermutlich kommen wird ist eine optimale Beratung per Internet statt der persönlichen Besuche zu Hause.

Gemütliche Sofas, knallbunte Farben – wird das Design von Arbeitsplätzen immer Wohnzimmer-ähnlicher?

Mitarbeiter wollen sich wohlfühlen, zu Hause ebenso wie am Arbeitsplatz. Allerdings klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was Mitarbeiter wollen und dem, was die angeblichen Vordenker der neuen Office-Architektur auf allen Konferenzen predigen und bei Unternehmen wie Lufthansa, Siemens, Daimler oder Microsoft einführen. Denken wir nur an das erzwungene Desksharing: Wer fühlt sich wohl, wenn er jeden Morgen die Reise nach Jerusalem antreten und einen freien Schreibtisch suchen muss? Ein anderes Stichwort ist das erzwungene Activity Based Working. Zum Telefonat ein freies "Telefonhäuschen" suchen, für ein Gespräch mit Kollegen in die "Bushaltestelle" gehen  das hat überhaupt nichts mit Wohlfühlen, Sicherheit und Struktur zu tun. Da ändern auch die bunte Couch, das Bällebad und das Spielzimmer nichts. Natürlich mag die Generation Z Computerspiele. Aber die Playstation ist etwas für zuhause. Sie schätzen die Work Life Separation. Deswegen will die Generation Z auch nicht ins unternehmenseigene Fitness-Center, sondern ins Fitness-Center um die Ecke mit ihren privaten Freunden.

Wird es künftig DEN "Arbeitsplatz" noch geben?

Natürlich nicht. Wer sich anschaut, was das Gros deutscher Innenarchitekten an Fantasielosigkeit fabriziert, dann denkt man, es gebe nur einen einzigen Gold-Standard, allenfalls mit marginalen Unterschieden in der Farbe der Telefonhäuschen und der prozentualen Verteilung der Standard-Elemente aus dem Standard-Muster vom Activity Based Working.

Wie könnte der Arbeitsplatz in Zukunft aussehen?

Das hängt stark von Produkt, Strategie und Kultur des Unternehmens ab. Für Mitarbeiter, die weniger als dreimal pro Woche im Büro arbeiten, bieten sich in der Tat Desksharing-Modelle an – die aber auch ohne Großraum funktionieren. Für alle anderen gibt es Teambüros mit zwei bis vier Personen. Diese müssen aber schon lange nicht mehr so aussehen wie in den Karikaturen der alten Arbeitswelt. Und schließlich muss es die faszinierenden, kreativitätsfördernden Elemente aus dem Activity Based Working geben, die in bestimmten Arbeitsphasen – und nur dann – Arbeit leichter, interessanter, produktiver und kreativer machen. Diese Elemente müssen aber allen Mitarbeitern offen stehen, denn Agilität und Dynamik gilt als Ziel für sämtliche Bereiche.

Lesen Sie zum Thema auch die Titelgeschichte in der September-Ausgabe des Bankmagazins. 

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