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24.03.2020 | Arbeitswissenschaft | Im Fokus | Onlineartikel

Arbeit in der Produktion 4.0

Autor:
Christoph Berger
4 Min. Lesedauer

Arbeit 4.0 ist mit Hoffnungen und Ängsten verbunden. Das Thema ist zudem unter verschiedensten Gesichtspunkten zu betrachten und in seiner Gesamtheit äußerst komplex. Trotzdem ist die Arbeit 4.0 im Kommen.

Im Juli 2019 veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) als Reaktion auf Berichte und Diskussionen zum Wegfall von Arbeitsplätzen aufgrund der Digitalisierung die Ergebnisse der Studie "Strukturwandel am Arbeitsmarkt seit den 70er Jahren". Die beiden IAB-Forscher Hermann Gartner und Heiko Stüber kommen darin zu dem Ergebnis, dass das Beschäftigungsniveau in Deutschland aufgrund der Digitalisierung unterm Strich nicht sinken wird. Allerdings, so die Prognose, wird es zu großen Umbrüchen kommen. Durch die Digitalisierung würden rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue entstehen.

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Welcher Art diese neuen Stellen sein können beziehungsweise welche Aufgaben zunehmen könnten, wird direkt zu Beginn des Kapitels "Erweiterte Horizonte – Ein technischer Blick in die Zukunft der Arbeit" im Springer-Fachbuch "Zukunft der Arbeit – Eine praxisnahe Betrachtung" beschrieben. Darin schreiben die Autoren: "Der Mensch stellt auch in der Produktion und Logistik von morgen einen entscheidenden Faktor dar. Aus der immer weiter wachsenden Datenmenge in Unternehmensprozessen müssen jene Informationen extrahiert werden, welche den Mitarbeiter bei seiner Arbeit unterstützen können und nicht zu Überforderung führen." So sei beispielsweise im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt SmARPro (Smart Assistance for Humans in Production Systems) ein System entwickelt worden, das über einheitliche und standardisierte Schnittstellen Daten aller umgebenden Systeme erfasse und diese in der SmARPro-Plattform zu kontextsensitiven Informationen aufbereite. Diese werden dem Mitarbeiter über Wearables wie beispielsweise Datenbrillen, Smart Watches, Smartphones oder Tablets angezeigt. In der Springer-Fachzeitschrift "e & i Elektrotechnik und Informationstechnik" geht es um "Intelligente Roboter in Interaktion mit Menschen" (Ausgabe 7/2019).

Das Thema "Arbeit 4.0" ist komplex

Wie Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeit in der Produktion verändert, zeigt ein Beispiel aus der Automobilindustrie. Bei BMW wertet KI in der laufenden Produktion Bilder eines Bauteils aus und gleicht sie in Millisekunden mit hunderten anderen Bildern der gleichen Sequenz ab. So ermittelt die künstliche Intelligenz in Echtzeit Abweichungen von der Norm und prüft, ob beispielsweise alle vorgesehenen Teile verbaut oder an der richtigen Stelle montiert sind. Diese Vorgehensweise ist nicht nur für die Qualitätssicherung hilfreich, Mitarbeiter werden so auch von monotonen und wiederkehrenden Aufgaben entlastet.

Deutlich wird an diesem Beispiel, dass das Thema Arbeit 4.0 nicht nur aus technologischer Sicht und den damit verbundenen Veränderungen zu betrachten ist, auch wenn nicht zu übersehen ist, "dass die Digitalisierung und das Disruptive des heutigen technischen Fortschritts der Motor für dynamische Umbrüche in der Arbeitswelt sind", wie die Autoren des Kapitels "Gute Arbeit 4.0 – Was könnte 'gute Arbeit' unter Bedingungen des Arbeitens 4.0 bedeuten?" im Springer-Fachbuch "Zukünftige Arbeitswelten" schreiben. Laut ihnen sind aber auch die organisatorischen, individuellen und sozialpolitisch Ebenen zu betrachten. So geht es um ganzheitliche und systemische Konzepte für eine zukunftsfähige Arbeitsgestaltung, um eine vollständig gestaltete Arbeit, die die Entwicklung der Persönlichkeit der Individuen unterstützt und um elektronische Beteiligungsformen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Zeit der Gestaltung

Auch die Politik hat sich mit dem Thema Arbeit 4.0 beschäftigt und bereits 2016 das "Weißbuch Arbeiten 4.0" veröffentlicht. Hier wird ebenfalls die Komplexität des Themas schnell deutlich. Neben der Digitalisierung werden darin die Globalisierung, die Demografie und das Arbeitskräfteangebot der Zukunft sowie der kulturelle Wandel als die relevanten Treiber hin zur Arbeit 4.0 aufgezählt. Es werden die Spannungsfelder beschrieben und die Gestaltungsaufgaben – beispielsweise in Bezug auf Arbeitszeiten, den Beschäftigtendatenschutz oder den Arbeitsschutz. Das BMBF hat zudem die Internetseite produktion-dienstleistung-arbeit.de für die Forschungsförderung für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen eingerichtet.

Deutlich wird bei aller Forschung, bei all den Projekten und Technologien aber auch, dass noch nicht abgemacht ist, wie genau die Zukunft der Arbeit aussehen wird. Vieles ist ungewiss, wir leben in einer Zeit, in der die Menschen die Zukunft gestalten können. Oder, wie es Jürgen Kühl im Kapitel "Zukünftige Arbeitswelten – Zusammenfassung, Ausblick und Kommentierung" schreibt: "Jede Zukunft ist aber Verhandlungssache, eine Gestaltungsaufgabe der Politik. Die Menschen wollen wissen, wo es langgeht mit ihrer Arbeit."

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