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10.01.2022 | Arbeitswissenschaft | Im Fokus | Onlineartikel

Don't like Mondays? Das kuriert den Montagsblues

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
5:30 Min. Lesedauer

Was verursacht die schlechte Laune am Montagmorgen und warum schießt die Arbeitsenergie gegen Freitag in die Höhe? Wissenschaftler der Universität Leipzig haben den Mythos Montagsblues unter die Lupe genommen. Mit überraschenden Ergebnissen - auch für Führungskräfte.

Das Wochenende ist vorbei und noch vor dem ersten Klingeln des Weckers früh am Montagmorgen hat sich die gute Laune von vielen Arbeitnehmenden bereits in den Keller verkrümelt. Subjektiv empfunden ist der Montag der mieseste Tag der gesamten Woche. Und der Druck, nun möglichst frisch ans Werk gehen zu müssen, verleiht dem Montagsblues den letzten hinterhältigen Tritt. 

Aber ist der Montag wirklich so schlecht wie sein Ruf, oder hält er nur dem Vergleich mit dem Wochenende nicht stand? Wie lässt sich erholt, motiviert und energiegeladen in die neue Arbeitswoche starten? Und wie verändern sich Vitalität und Müdigkeit im Wochenverlauf? Diesen Fragen ist der Arbeitspsychologe Oliver Weigelt mit seinem Team von Institut für Psychologie an der Universität Leipzig nachgegangen.

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Ausgeschlafen gegen den Montagsblues

Insgesamt 2.187 Beobachtungen über die Veränderung von Arbeitsvitalität und Schlafqualität, erhoben an 87 Arbeitnehmenden über einen Zeitraum von zwölf Tagen, bilden die Forschungsgrundlage für die Studie Continuity in transition: Combining recovery and day-of-week perspectives to understand changes in employee energy across the 7-day week. Die Probanden wurden morgens, mittags und abends über den aktuellen Zustand ihrer Energiereserven sowie dem Gefühl von Anstrengung und Müdigkeit befragt. Die so entstandenen Daten integrierten die Wissenschaftler in vorhandene Perspektiven der Arbeitsforschung zu den Wochentagen. 

Ihre Analyse ergibt, dass sich die Energie von Arbeitnehmenden über das Wochenende auf einem hohen Level bewegt, am Montag einbricht, sich bis Donnerstag in einer Übergangsphase bewegt und zum Freitag hin wieder ansteigt. Veränderungen vor und nach dem Wochenende hängen aber weniger mit der Arbeitsanstrengung zusammen als angenommen, sondern werden durch den gefühlten Kontrast zwischen Arbeitswoche und Wochenende wahrgenommen. 

Schuld am Montagsblues sind also gelungene Erfahrungen und Erholungsphasen am Samstag und Sonntag. Was hilft? Vorfreude auf die Arbeit und ein guter Schlaf, besonders in der Nacht zum Montag, schreiben die Wissenschaftler: "Unsere Ergebnisse unterstreichen die zentrale Rolle des zweitägigen Wochenendes als wichtige Gelegenheit für eine Atempause". 

Ergebnisse und Empfehlungen der Studie:

  • Vorfreude auf die Arbeit bremst den Vitalitätsverlust zum Montag hin aus.
  • Eine Sensibilisierung der Mitarbeiter für Wachstums- und Lernpotenziale ihrer Aufgaben könnte den Übergang zur Arbeitswoche erleichtern.
  • Der Energieschub von Donnerstag auf Freitag ließe sich bei der Planung von Aufgaben berücksichtigen.
  • Damit sich mehr Arbeitstage wie Freitag anfühlen, könnten Unternehmen ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Arbeitszeiten und Aufgabenpräferenzen besser abzustimmen. 
  • Veränderte Erholungserfahrungen wirken sich nicht auf die Arbeitsenergie aus, erzeugen aber eine Verbesserung der Schlafqualität.
  • Die verbesserte Schlafqualität zum Wochenende deutet womöglich darauf hin, dass die Arbeitspläne unter der Woche nicht mit den biologischen Präferenzen für Schlafzeiten übereinstimmen.
  • Eine bessere Passung zwischen individuellem Chronotyp und Arbeitsplänen könnte die Schlafqualität während der gesamten Woche verbessern.

Was die innere Uhr mit dem Montagsblues zu tun hat

Chronobiologie ist einfach gesagt, die Lehre von der inneren Uhr. Die besitzen zwar alle Menschen, aber sie tickt bei jedem Menschen im individuellen Takt. Der Volksmund kennt Lerchen (Frühaufsteher) und Eulen (Nachtmenschen). Dazwischen leben die Intermediärtypen. Aber selbst zwei Eulen können völlig verschiedene innere Abläufe bevorzugen, wie Springer-Autor Michael Wieden erklärt. Gesellschaftlich erlernte oder künstlich vorgegebene äußere Rhythmen fragen allerdings nicht nach den genetisch angelegten inneren Rhythmen. 

Die Folge ist: Der Mensch arbeitet gegen seine individuelle Uhr. Schleichend verlaufende Krankheiten wie Burnout, Depression oder Koronare Erkrankungen sind schlimmstenfalls die Folge. Die noch junge Wissenschaft Chronobiologie könnte nach Ansicht von Springer-Autor Wieden, die Schlüssel liefern, "um den Arbeitsfaktor 'Mensch' wesentlich effizienter arbeiten und gleichzeitig den Gesellschaftsfaktor 'Mensch' wesentlich gesünder wachsen zu lassen" (Seite 44). Kernthemen der Chronobiologie bezogen auf Leistungsphasen des Menschen sind zusammengefasst (ebd.):

  • Unterschiedliche Leistungsphasen bei unterschiedlichen Chronotypen.
  • Junge Menschen haben andere Leistungskurven als ältere.
  • Der Chronotyp ist genetisch bedingt, und kann nicht umgestellt oder gar erlernt werden.
  • Arbeiten gegen den eigenen Chronotyp führt zu Leistungseinbußen und negativen gesundheitlichen Langzeitfolgen.

Neue Arbeitszeiten gegen den Montagsblues

Sicherlich sind Unternehmen nicht vordergründig für den guten Schlaf ihrer Mitarbeitenden verantwortlich. In seinem Buchkapitel Echte Work-Life-Balance findet Michael Wieden aber, "dass die aktuellen Arbeitsbedingungen oft Ursache für ein erhöhtes Schlafbedürfnis sind, welches nicht nur nicht bezahlt wird, sondern zudem die Phasen des Nichtarbeitens, oder, klassisch bezeichnet 'der Freizeit', verkürzt" (Seite 52). Was ist zu verbessern? 

Gesundes Führen zielt auf psychischer Ebene auf die Ausgeglichenheit und das Wohlbefinden von Mitarbeitenden. Wesentliche Elemente zur Bedürfnisbefriedigung und  Lustgewinnung von Mitarbeitenden durch Führungskräfte nennt Springer-Autorin Felicia Vollkammer (ab Seite 207):

Worum es geht:

Was Führungskräfte anbieten können:

Körperliches Wohlbefinden von Mitarbeitenden

  • ein attraktives Sportangebot (eigenes Fitnessstudio, Laufgruppe, vergünstigter Zugang zu gewerblichen Fitnessstudios) oder freie Zeitfenster, um Sport zu treiben
  • ein attraktives Essensangebot, in Kooperation mit der Kantine eines Nachbarunternehmens, gut ausgestattete Küche zum Selberkochen, stets gefüllte Obstschalen)
  • angemessene Ruhepole verknüpft mit konstanten Arbeitszeiten (sofern möglich), um den Biorhythmus der Mitarbeiter nicht aus der Bahn zu werfen
  • Ruhepole mit „Powernapping-Gelegenheiten“ (Studien zeigen, wie das die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhöhen kann)

Lustgewinn von Mitarbeitenden

  • Aufgaben nach Neigungen und Vorlieben verteilen, es muss nicht immer objektiv oder quantitativ gerecht sein, die subjektive Wahrnehmung ist entscheidend,  dem einen machen bestimmte Aufgaben eben mehr Spaß als dem anderen
  • sich als "Alltagshelfer" für Mitarbeiter zeigen, sodass diese in schwierigen Situationen stets das Gefühl haben, einen kompetenten und hilfsbereiten Ansprechpartner an ihrer Seite zu wissen
  • positive Stimmung am Arbeitsplatz verbreiten – das motiviert, steckt an und macht Freude am Arbeiten

So ist jeder Tag ein Freitag

Der Übergang vom Wochenende zur Arbeitswoche könnte übrigens nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeiter beeinflussen, sondern auch Leistungsverläufe vorprogrammieren, nämlich produktives oder kontraproduktives Arbeitsverhalten, schreiben die Leipziger Wissenschaftler im Fazit ihrer Studie. 

Dabei, so legen sie nahe, gibt es eine recht einfache Möglichkeit, den Montag und jeden anderen Tag der Woche zum Freitag zu machen: It might be that certain work routines associated with days of the week like working only until noon on Fridays are drivers of the “Thank God it's Friday” effect. Organizations might support employees in better aligning their schedules with their actual preference (Demerouti et al., 2015) to make most workdays feel like Friday.

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