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16.09.2016 | Architektur | Im Fokus | Onlineartikel

Le Corbusier-Bauten sind in Welterbeliste

Autor:
Christoph Berger
2:30 Min. Lesedauer

Bereits im Juli 2016 hat das Welterbekomitee 17 architekturgeschichtlich besonders bedeutsame und gut erhaltene Bauwerke sowie städtebauliche Ensembles von Le Corbusier in die Welterbeliste eingeschrieben. Darunter befinden sich auch zwei Gebäude aus der Stuttgarter Weissenhofsiedlung.

Mit dem dritten Antrag kam der Erfolg. Schon 2003 hatte eine Arbeitsgruppe unter französischer Leitung den transnationalen Antrag vorbereitet, das architektonische Werk von Le Corbusier in die Welterbeliste aufzunehmen. Doch erst diesen Sommer, am 17. Juli 2016, hat das Welterbekomitee bei seiner 40. Sitzung in Istanbul 17 architekturgeschichtlich besonders bedeutsame und gut erhaltene Bauwerke sowie städtebauliche Ensembles des französisch-schweizerischen Architekten, Städteplaners und Theoretikers Le Corbusier in die Welterbeliste eingeschrieben.

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Die Funktionelle Stadt hieß der 4. Kongress der CIAM im Jahr 1933. Die Großstadt war zum Thema der Architektur geworden. 1928 hatten sich Architekten der Moderne aus ganz Europa zusammengeschlossen und nannten ihre Vereinigung „Internationale Kongres


Unter diesen 17 Bauwerken befinden sich auch zwei Häuser aus der Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Bei dem einen Haus handelt es sich um einen Stahlbetonskelettbau und mit Bimsbeton-Hohlblocksteinen ausgefachtes Einfamilienhaus. Das zweite Haus beruht ebenfalls auf einer solchen Konstruktion, ist aber ein zweigeschossiges Doppelhaus mit zwei spiegelbildlich angeordneten Wohnungen.

Programmatische Lösungen für Kleinwohnungen

"Die Weissenhofsiedlung hatte Mies van der Rohe im Auftrag des Werkbundes geplant; sie sollte 1928 ein Spektrum programmatischer Lösungen für Kleinwohnungen aus der Autorenschaft 'prominenter Architekten Europas' zeigen", schreibt Thilo Hilpert im Buchkapitel "1920-1936 Die Funktionelle Stadt" des Springer-Fachbuchs "Century of Modernity". Nach ihm war das Neue an der Weissenhofsiedlung nicht nur der Internationalismus, sondern auch der offensichtliche Individualismus des architektonischen Gefüges. Im Unterschied zu anderen in dieser Zeit in Deutschland entstandenen Siedlungsbauten hatte Mies den Entwürfen der einzelnen Architekten wie beispielsweise Oud, Gropius, Le Corbusier, Stam, Taut, Scharoun unter anderem ein Eigenrecht gelassen, das die einzelnen Bauten in ungewöhnlicher Weise gegenüber der Gesamtplanung hervortreten ließ. So sei die Gesamtplanung durch die Einzelbauten raum-plastisch geradezu konterkariert worden.

Ideen für die Vielfalt beim Bauen

Zum Skelettbau schreibt Jörg Kurt Grütter im Kapitel "Raum" des Springer-Fachbuchs "Grundlagen der Architektur-Wahrnehmung": "August Perret verwendete 1904 beim Haus Rue Franklin in Paris zum ersten Mal im Wohnungsbau ein Betonskelett. Le Corbusier, der in seinem Büro in Paris gearbeitet hat, propagierte die Ideen 1914 mit seinem Domino‐Haus und verband damit vor allem den 'plan‐libre', die freie Grundrissgestaltung."

Zur Ernennung der beiden Häuser in die Weltkulturerbeliste der Unesco sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg, unter anderem: "Die beiden Gebäude sind ein Vorbild für moderne Wohnweise und Ästhetik." Und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn: "Es ist großartig für Stuttgart, dass die Le Corbusier-Häuser der Weissenhofsiedlung endlich in den Rang eines Weltkulturerbes gehoben wurden. Le Corbusiers Impuls, günstige Wohnungen mit innovativen Grundrissen und neuen Materialien zu bauen, ist noch immer wegweisend und muss daher Ansporn für unsere Architekten und Stadtplaner sein." Auch heute hätten wir es beim Bauen mit einer Vielfalt an Lebensentwürfen und Lebensformen zu tun. Le Corbusier habe schon vor knapp 100 Jahren Ideen entwickelt, wie diese Vielfalt beim Bauen umgesetzt werden könne.

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Raum

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Grundlagen der Architektur-Wahrnehmung

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Denkmalpflege

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