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24.08.2021 | Artensterben | Im Fokus | Online-Artikel

Politik will Rückgang der Artenvielfalt stoppen

verfasst von: Frank Urbansky

4:30 Min. Lesedauer
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Das Bundesumweltministerium will in den nächsten Jahren Projekte finanzieren, die deutschlandweit den Rückgang der Artenvielfalt vor allem bei Insekten stoppen sollen.

Die Vielfalt bei Tieren und Pflanzen nimmt seit vielen Jahren ab. "Durchschnittlich rund 25 Prozent der Arten in bewerteten Tier- und Pflanzen-Gruppen sind bedroht, was darauf hindeutet, dass bereits rund 1 Million Arten vom Aussterben bedroht sind, viele innerhalb von Jahrzehnten, sofern keine Maßnahmen ergriffen werden, um die Intensität der Treiber für den Verlust der biologischen Vielfalt zu verringern. Ohne solche Maßnahmen wird sich die weltweite Aussterberate der Arten weiter beschleunigen, die – gemittelt – bereits mindestens zehn- bis hundertmal höher ist als in den letzten 10 Millionen Jahren", zieht Springer-Autor E. W. Udo Küppers in seinem Buchkapitel Kampf oder Untergang! Ein kritischer Blick auf unseren Planeten, die Gesellschaft, die Personen und die Dinge auf Seite 512 eine düstere Bilanz.

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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Kampf oder Untergang!

Ein kritischer Blick auf unseren Planeten, die Gesellschaft, die Personen und die Dinge

Der Titel dieses Kapitels ist herausfordernd! In „Kampf oder Untergang!“ geht es um nicht weniger als die Überlebensfähigkeit unserer Gesellschaften auf der Erde und die Feinde, die zahlenmäßig geringen aber machtvollen „Herren der Menschheit“ …

Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wollen nun zehn neue Naturschutzprojekte in ganz Deutschland im Bundesprogramm Biologische Vielfalt fördern. Vor zehn Jahren startete dieses bis heute finanzstärkste Naturschutz-Förderprogramm des Bundes. Die Bandbreite der neuen Projekte für biologische Vielfalt reicht vom Aktionsplan für den Zwergschwan über wildbienengerechte Stadtplanung mithilfe künstlicher Intelligenz bis zum Großprojekt zur Wiederbelebung der Natur an der deutschen Ostseeküste. Ein Schwerpunkt ist der Insektenschutz.

Besserer Schutz für Bienen, Hummeln und Co.

"Gerade haben wir das Insektenschutzgesetz im Kabinett beschlossen, um Bienen, Hummeln und Co. künftig besser zu schützen. Mit unseren neuen Förderprojekten zeigen wir ganz konkret, wie man Insekten- und Naturschutz kreativ umsetzt", erklärt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Rund 120 Millionen Euro Bundesmittel sind seit dem Start des Bundesprogramms Biologische Vielfalt am 15. Februar 2011 in das Förderprogramm geflossen. 121 Projekte mit 314 Teilvorhaben in allen 16 Bundesländern kamen dem Schutz von Arten, Lebensräumen und Ökosystemleistungen bislang zugute.

Folgende zehn Projekte werden nun in das Programm aufgenommen und gefördert:

Im Projekt "MehrArtenRäume" der Stadt Solingen werden insektenfreundliche Lebensräume gestaltet, die gleichzeitig unterschiedliche Freiraumfunktionen übernehmen.

Für das Projekt "ProInsekt" konzipiert das Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg gemeinsam mit Partnern aus dem Verbund der norddeutschen naturkundlichen Museen und Sammlungen (NORe) eine Wanderausstellung. Sie soll die Insektenwelt vorstellen, Vorurteile abbauen und die Bevölkerung zum Schutz dieser von einem starken Artenrückgang betroffenen Tiergruppe anregen. Dazu dienen Originalpräparate, vergrößerte Modelle, Medienstationen mit 3D-Scans und 3D-Stackingfotos, Videos und Animationen.

Im "Zwergschwan"-Projekt entwickelt das Michael-Otto-Institut im NABU ein bundesweites Schutzkonzept für die bedrohte Zugvogelart in Deutschland. Rund die Hälfte der in Nordwesteuropa beheimateten Zwergschwäne rastet in Deutschland auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete.

"Mach's möglich" lautet der Titel des Vorhabens, das vom Nell-Breuning-Haus gemeinsam mit der Katholischen Hochschule NRW im Bistum Aachen durchgeführt wird. Das Projektteam will eine geeignete Form der Naturpädagogik modellhaft entwickeln.

Das Projekt "Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste" in der Westvorpommerschen Boddenlandschaft und der Rostocker Heide, einem Hotspot der Biodiversität in Mecklenburg-Vorpommern, will die biologische Vielfalt durch die Entwicklung eines übergreifenden Biotopverbundsystems sichern. Durch eine starke Übernutzung der Landschaft ist die für Deutschland einzigartige biologische Vielfalt im Hotspot allerdings stark gefährdet.

Das Julius Kühn-Institut (JKI), die Technische Universität Ilmenau (TUI) und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) entwickeln im gemeinsamen Vorhaben "BeesUp" ein intelligentes KI-gestütztes Planungswerkzeug zur wildbienengerechten Flächengestaltung und Städteplanung. Über 560 heimischen Wildbienenarten gibt es. Das Tool soll für 300 Wildbienenarten Parameter der Flächennutzung und des Standorts mit den artspezifischen Ansprüchen von Wildbienen und von den spezifischen Pollen- und Nektarpflanzen verknüpfen. Zudem wird eine ebenfalls digitale App zur halbautomatischen Wildbienenbestimmung anhand von Fotos entwickelt.

Artenkenntnis soll verbessert werden

Für mehr Artenkenntnis setzt sich auch die NABU|naturgucker-Akademie ein. Im Projekt soll die Zahl und die Fachkenntnis von naturinteressierten Menschen durch qualifizierte, ausschließlich digitale Ausbildungsangebote erhöht werden. Dafür baut die gemeinnützige Gesellschaft naturgucker.de eine rein virtuelle Akademie mit digitalen Kursen, Webseminaren, Foren und Apps auf.

Im biologiedidaktischen Projekt "Hummeln helfen!" setzen sich Schulen im Rhein-Main-Gebiet für den Schutz von Hummeln und anderen Wildbienen ein. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz macht Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen fit für eigenes Engagement. Sie untersuchen ihr Schulgelände, ziehen Erkenntnisse aus ihren Beobachtungen und entwickeln geeignete Maßnahmen, um über Insektenvielfalt aufzuklären und den Schutz von Insekten zu fördern.

Mit "Next Exit Biodiversity" greift ECOMOVE International den Trend von Escape-Room-Spielen auf und entwickelt ein innovatives Spielekonzept, mit dem Schüler der Sekundarstufen I und II für den Schutz der Natur und den Erhalt der biologischen Vielfalt sensibilisiert werden sollen. Thematisch wird sich das Spiel mit der Biodiversität und den Auswirkungen ihres Rückgangs im Alltag befassen.

Mit "Insektenschutz an Bahnhöfen" befasst sich das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) und untersucht den Einfluss verschiedener aktuell zugelassener Beleuchtungssysteme an Bahnhöfen auf die Insektenvielfalt.
Genau solche Projekte sind nötig, will man das Artensterben aufhalten. "Biologische Vielfalt und die meisten Ökosystem(dienst)leistungen sind technisch nicht substituierbar, daher müssen sie im Sinne Nachhaltiger Entwicklung erhalten werden […]; dies impliziert eine umfassende ethische Verpflichtung zu ihrer Erhaltung", beschreiben die Springer-Spektrum-Autoren Bernd Herrmann, Bernhard Glaeser und Thomas Potthast in ihrem Buchkapitel Ethisch-humanökologische Grundlagen auf Seite 36 die Notwendigkeit für den Schutz der Artenvielfalt.

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