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29.03.2018 | Aufladung | Nachricht | Onlineartikel

Das goldene Zeitalter des Turboladers kommt erst noch

Autor:
Andreas Burkert

Mitsubishi Turbocharger and Engine Europe erwartet auf Jahre hinaus ein starkes Wachstum. Treiber sind der elektrische Antriebsstrang, synthetische Kraftstoffe und eine mögliche Euro-7-Norm. 

Vor diesem Hintergrund eröffnet Mitsubishi Turbocharger and Engine Europe MTEE deshalb in Almere ein zweites Prüfzentrum. Die strengen Vorgaben künftiger Abgasgesetze muss Bas Bonnier nicht fürchten. Im Gegenteil: Um die Anforderungen hinsichtlich CO2 und Stickoxide zu erfüllen sind die "Motorenentwickler auf Turboladersysteme angewiesen. Und das wird den Markt für Turbolader kräftig ankurbeln", ist sich Bonnier sicher. Mit dieser Prognose ist der General Manager Turbocharger Operations von Mitsubishi Heavy Industries im Übrigen nicht alleine. Auch die Analysten von Transparency Market Research (TMR) erwarten, dass der weltweite Markt für Turbolader für Kraftfahrzeuge in einem prognostizierten Zeitraum von 2016 bis 2024 um 10,1 Prozent wachsen wird, gemessen am Umsatz. Das sind knapp 20,35 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Allerdings ist das Geschäft kein "Selbstläufer", so Bonnier.

Wie schnell sich die Rahmenbedingungen für das laufende Geschäft ändern können, offenbart die Diskussion rund um den Dieselmotor. "Der Markt hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verändert", so Bonnier. Zwar wäre Unternehmensangaben zufolge der Anteil für Turbolader für Dieselaggregate bis 2024 auf knapp 25 Prozent gesunken. Durch das Aufdecken manipulierter Abgaswerte beim Diesel dürfte der Rückgang nun wesentlich früher eintreten. Für Mitsubishi Turbocharger and Engine Europe MTEE sei das allerdings kein Problem. "Unsere Stärke ist das Geschäft mit aufgeladenen Ottomotoren. Und dort erwarten wir enormes Wachstum. Vor allem in China", erzählt der MTEE-Chef der MTZ während eines Redaktionsbesuchs in Almere.

Der Markt mit Turbolader boomt

Bis zu 65 Millionen Fahrzeuge werden seiner Vorhersage nach 2024 weltweit mit einem Turbolader auf den Markt kommen. Knapp 75 Prozent davon werden in einem Ottomotor verbaut. Mit 60 Prozent wird dabei China der größte Absatzmarkt sein, Europa steigert sich bei dahin auf etwas mehr als 21 Prozent. Bonnier zeigt sich daher sehr zuversichtlich. "Ich erwarte, dass wenige Jahre später nahezu jedes Automobil mit einem Turbolader ausgestattet wird". Bei einem Marktanteil von derzeit rund 20 Prozent in Europa und einer Produktionskapazität von 3,8 Millionen Einheiten im Jahr, wird auch MTEE vom bevorstehenden Turbo-Boom profitieren.

Treiber dieser Entwicklung ist zum einen die Kombination aus Downsizing und Downspeeding, um Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen zu verringern – bei gleichzeitig gesteigerten Fahrleistungen. Zum anderen glaubt Bonnier, dass eine mögliche Euro-7-Norm zwingend einen Turbolader erfordert. Viel Arbeit für sein Team. Immerhin erwarten die Motorenentwickler von ihm, dass der Turbolader auf die jeweilige Motorengeneration hinsichtlich der "Leistungsdynamik wie auch der Emissionen und Immissionen" abgestimmt wird. Und noch etwas fordert die Ingenieure am R&D-Standort in Almere heraus. 

Die Elektrifizierung ist eine Chance für den Turbolader

Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs wird die Diversifizierung sehr stark vorantreiben und damit das Geschäft nicht einfacher machen. Ein Sechszylinder mit Zylinderabschaltung und Hybrid-Antrieb etwa stellt nämlich gänzlich andere Anforderungen an das Dynamikverhalten und die Regelung eines Turboladers als ein Plug-in-Hybrid. Und Ottomotoren, die im energieeffizienten Miller-Cycle laufen, erfordern beispielsweise Turbolader mit variabler Geometrie (VTG). Ein Prinzip, das zwar seit langem bekannt und im Dieselmotor gesetzt ist, dessen Weiterentwicklung für den Ottomotor aber erst vor Kurzem gelang.

Neben der Materialbeanspruchung durch die hohen Temperaturen beim Ottomotor mussten "wir auch die Kosten für den VTG-Lader in Griff bekommen", erzählt Bonnier und weist dann noch darauf hin, dass selbst für Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb MTEE einen "Kompressor" entwickelt hat. Und selbst das Problem synthetische Kraftstoffe, die beim Verbrennen unter anderem aggressivere Gase freisetzen, hält er für lösbar. Die Komponenten wie auch das Gesamtsystem Motor-Turbolader werden dafür rund um die Uhr auf den Prüfständen getestet. Noch in diesem Jahr wird am Standort Almere ein zweites Testzentrum in Betrieb genommen, die Testkapazität damit verdoppelt. Dann stehen den Ingenieuren insgesamt doppelt so viele Komponeten-Prüfstände und Motorenprüfstände zur Verfügung. 

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