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Über dieses Buch

Der Band widmet sich dem Bereich Digitalisierung anhand unterschiedlicher Bezugspunkte zur Theorie und Praxis Politischer Bildung. Digitalisierung eröffnet den Bürger*innen einer demokratischen Gesellschaft neue Chancen für Partizipation und Informationsgewinn im eigenen Lebensbereich und bietet in diesem Kontext Potential für Demokratisierungsprozesse. Digitalisierung bedeutet gleichzeitig neue Herausforderungen für den demokratischen Alltag und die Politische Bildung. Die Beiträge fragen kritisch, wie sich Digitalisierung auf die Politische Bildung auswirkt und ob sie konstruktiv zugunsten der gesellschaftlichen Demokratisierung genutzt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Augmented Democracy in der Politischen Bildung – Neue Herausforderungen der Digitalisierung

Ohne Zusammenfassung
Lara Möller, Dirk Lange

Electric Voting Man. Ausblicke auf posthumanistische politische Bildungen in der augmented democracy

Zusammenfassung
Digitalisierung gilt als Bezeichnung für die umfassende (technologische) Transformation der Gegenwartsgesellschaft. Dieser Prozess wird aber nur unzureichend erfasst, wenn er überwiegend als Merkmal der Informationsverarbeitung und -vermittlung diskutiert wird. Neuere Beiträge thematisieren Digitalisierung deshalb als gesellschaftliches Strukturprinzip. Die digitale Transformation muss in ihren Folgen für die politische Bildung von Subjektivität demnach deutlich radikaler gelesen werden als es auf der Grundlage klassischer Unterscheidungen möglich ist: nicht als ein dem Menschen äußerlicher, technisch-medialer Prozess, sondern als Veränderung der Existenzweise. Im Beitrag werden mögliche Konsequenzen für eine posthumanistische politische Bildung skizziert.
Werner Friedrichs

Macht im digitalen Raum. Politische Bildung im digitalen Zeitalter

Zusammenfassung
Unser aller Alltag ist in der Zwischenzeit stark von den Dienstleistungen und Plattformen der Technologiekonzerne durchdrungen. In der politischen Kommunikation sind Twitter, Facebook, Instagram und Konsorten nicht mehr wegzudenken. Die veränderten Bedingungen, unter denen politische Kommunikation stattfindet, haben nicht zu einer Machtnivellierung, sondern vielmehr zu einer -verschiebung geführt. Politische Kommunikation ist für uns unentbehrlich, um unsere politischen Meinungen zu bilden, unsere Positionen zu artikulieren und politische Fragen zu diskutieren. Daraus ergeben sich zwei zentrale Fragen für die Politische Bildung: Welche Fähigkeiten benötigen autonome und medienkundige Bürger*innen? Und wie erlernen wir diese Fähigkeiten? Dieser Beitrag skizziert eine mögliche Antwort darauf.
Manuel S. Hubacher

Digitalization, What Is It Good For?

Zwischenstand einer Interventionsstudie über ein digitalisiertes Planspiel der europapolitischen Bildung
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird der Unterschied zwischen dem analogen europapolitischen Planspiel Fokus Balkan und seiner neuen, digitalisierten Version Fokus Balkan Online herausgearbeitet. Dabei wird besonderer Wert auf die Bewertungen der Planspiele durch die Teilnehmenden, sowie die Wirkung der Planspiele auf die Teilnehmenden gelegt. Immer im Fokus steht die übergeordnete Frage „Digitalization, What Is It Good For?“ im Hinblick auf Planspiele in der politischen Bildung.
Sven Ivens

Digitalisierung der politischen Bildung? Herausforderungen und Chancen bei der Implementierung von e-Learning in der Politischen Jugend- und Erwachsenenbildung

Zusammenfassung
Die Implementierung von e-Learning in der politischen Bildung stellt die Träger außerschulischer Jugend- und Erwachsenenbildung vor neue Herausforderungen. Am Beispiel einer Seminarkonzeption der Heimvolkshochschule Hustedt werden Chancen und Risiken von e-Learning diskutiert und grundlegende Überlegungen für die Implementierung von e-Learning-Angeboten ausgearbeitet. Im Sinne einer Demokratiebildung sollen die interaktiven, partizipativen und kollaborativen Möglichkeiten von online Tools genutzt werden, um eine größere Teilhabe und Selbstbestimmung der Teilnehmenden zu ermöglichen. Die gewonnene zeitliche und räumliche Flexibilität soll dabei eine bessere Vereinbarkeit politischer Bildung mit Sorgetätigkeiten und Beruf, und damit auch eine Verknüpfung von Bildungsprozessen mit dem Alltag, ermöglichen.
Birthe Kleber

Digital Citizenship Education in der Praxis – das Projekt Digital Resistance

Zusammenfassung
März 2020: Während Im Rahmen dieses Beitrags wird das Konzept digitaler Bürger*innenschaft beleuchtet und erörtert, welche Konzepte einer Digital Citizenship Education zugrunde liegen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Modell des Europarats gelegt und anhand der Umsetzung des transnationalen Projektes Digital Resistance in einer Klasse des Wiener Gymnasiums Geblergasse veranschaulicht, wie derartige Modelle in die Praxis umgesetzt werden können. Im Rahmen des Projektes setzten sich Schüler*innen der Sekundarstufe II über mehrere Monate hinweg intensiv mit dem Thema „Fake News“ auseinander. Einer Phase forschenden Lernens folgend, erstellten die Schüler*innen mediale Inhalte, die sie wiederum nutzten, um jüngere Schüler*innen für Falschmeldungen zu sensibilisieren.
Matthias Leichtfried, Johanna Urban

Das Digitale und das Politische

Alltags- und subjektorientierte Zugänge der Politischen Bildung
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird aus einer politikdidaktischen Perspektive der Zusammenhang von Digitalem und Politischem reflektiert und Einblick gegeben, warum dieses Verhältnis relevant für die Politische Bildungsarbeit ist. Dabei wird der Einfluss beider Bereiche auf die politische Kultur und die Vorstellungen von Lernenden in Bezug auf politische und gesellschaftliche Themen erläutert. Vor diesem Hintergrund wird der Bedarf für eine Politische Bildung, die sich mit den Lernenden und deren Verständnissen, Perspektiven sowie Handlungsoptionen befasst, herausgestrichen.
Lara Möller, Dirk Lange

Politische Bildung im digitalen Lab

Zusammenfassung
Im Beitrag werden entlang konzeptioneller Überlegungen zur Implementierung eines „Digital Social Science Lab“ Ansatzpunkte, Realisierungsmöglichkeiten sowie offene Fragestellungen zu digitaler Kollaboration in der politischen Bildung dargestellt. Die digitale und didaktische Infrastruktur des Labs bietet die Möglichkeit, Schüler*innen, Jugendliche und Erwachsene räumlich, zeitlich und vor allem inhaltlich miteinander in Beziehung zu setzen. Aus politischer Bildungsperspektive ist damit die Chance verbunden vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen („wicked problems“) Menschen kultur-, milieu- und altersübergreifend in einen Austausch zu bringen sowie problemlösende und abgrenzende Kommunikationsarchitekturen zwischen den Beteiligten empirisch zu erfassen. Offen ist noch die Frage, inwieweit der Einsatz digitaler Tools tatsächlich transformative kritische Lehr-Lern-Prozesse befördert oder erschwert.
Julia Grün-Neuhof, Andreas Klee

Zwischen Bundeskanzler-Simulator und Post-Brexit-Bouncer

Möglichkeiten der Kategorisierung des Politischen im digitalen Spiel
Zusammenfassung
Digitale Spiele sind in den letzten Jahren zum massenkulturellen Phänomen geworden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Sie prägen Lebenswelten und beeinflussen historisches und politisches Bewusstsein. Ausgehend von Chapmans Kategorisierung historischer Simulationsstile erarbeitet dieser Beitrag eine Klassifikation des Politischen im digitalen Spiel. Anhand der ludischen und regelmechanischen Eigenschaften lassen sich digitale Spiele einer der drei Dimensionen von Politik zuordnen, was wiederum Konsequenzen auf die Art der simulierten Politik hat. Die so charakterisierten ludisch-politischen Simulationsstile werden anschließend auf ihren Mehrwert für die Kompetenzen der politischen Bildung untersucht. Die Systematisierung soll im didaktischen Kontext helfen, Computerspiele für die politische Bildung zielgenauer auszuwählen und zu verwenden.
Alexander Preisinger

Ungleichheit als Herausforderung digitaler Partizipation von Schüler*innen

Zusammenfassung
Der Beitrag geht von der Frage aus, wie sich Phänomene sozialer Ungleichheit auf die Möglichkeiten von Schüler*innen auswirken, medial vermittelt an Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilzuhaben. Dazu werden die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie ICILS von 2013 und 2018 enlang mehrerer Zugangsdimensionen des digital divides dargestellt. Insbesondere für die Dimension der „Digitalen Kompetenzen” konnten die Autoren der Studie erhebliche herkunftsbezogene soziale Disparitäten zwischen den Schüler*innen und damit einen deutlichen Zusammenhang zwischen ihren computer- und informationsbezogenen Kompetenzen und ihrem sozialen Hintergrund aufzeigen. In einem letzten Schritt werden die Implikationen dieser Befunde für eine ‚digitale‘ Partizipation von Schüler*innen diskutiert und das Dilemma skizziert, das medial vermittelte schulische Beteiligungssettings in Hinblick auf die ungleichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, adäquat mit Medien und Medieninhalten umzugehen, herausfordert.
Tim Rogge

Digitales politisches Handeln von Kindern und Jugendlichen in Projekten der politischen Bildung?

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt des Beitrages steht der empirische Blick auf digitales politisches Handeln von Schüler*innen in Kontexten politischer Bildung. Dabei wird davon ausgegangen, dass politische Partizipation ein zentrales Ziel politischer Bildung ist und dass politisches Handeln junger Menschen vermehrt in digitalen Arenen stattfindet. Im Beitrag wird politische Partizipation als Ziel politischer Bildung begründet und ein Modellprojekt der politischen Bildung beschrieben, in dem junge Menschen pädagogisch und didaktisch begleitet Gelegenheiten zum politischen Handeln bekamen. Neben der Thematisierung von Hoffnungen und Problemen, die mit digitaler politischer Partizipation verbunden werden, wird der empirisch beforschte Umgang von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Partizipationsmöglichkeiten in Kontexten eigenen politischen Handelns in dem Modellprojekt politischer Bildung beschrieben. Abschließend werden Handlungsempfehlungen für eine politische Bildung gegeben, die politische Partizipation in ihr Zentrum stellt.
Alexander Wohnig
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