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17.09.2021 | Aus- und Weiterbildung | Infografik | Onlineartikel

Schulen erhalten miese Noten für die Finanzbildung

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Die Sparbereitschaft bei jungen Menschen ist hoch, wie eine aktuelle Umfrage belegt. Doch die Jugendlichen und Berufseinsteiger haben große Wissenslücken bei Geldfragen. Ihnen fehlt vor allem Finanzbildung in den Schulen.

Schüler und junge Erwachsene sind eine wichtige Zielgruppe - allen voran in der Finanzbranche. Doch nur 58 Prozent der Deutschen im Alter von 18 bis 29 Jahren beschäftigt sich häufig oder zumindeste gelegentlich mit Finanzthemen. Besonders intensiv tun das junge Erwerbstätige (67 Prozent). Unter den Schülern befassen sich 58 Prozent dagegen nur selten oder fast nie mit Finanzen und Geld. Ihnen sind entsprechende Themen zu kompliziert (42 Prozent) oder sie haben kein Interesse daran (39 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Union Investment unter mehr als 2.000 jungen Deutschen im Juli 2021.

Finanzwissen junger Deutscher liegt bei einer drei bis vier

61 Prozent der Befragten schätzen ihr Know-how in Geldfragen lediglich als befriedigend oder ausreichend ein. Nur knapp jeder Fünfte (19 Prozent) glaubt, gut oder sehr gut informiert zu sein. Ebenso viele bewerten ihre Finanzbildung als mangelhaft oder ungenügend. Unter Schülern liegt dieser Anteil sogar bei 32 Prozent. 

Der Grund für die oft mangelhaften Kenntnisse in Geldangelegenheiten sind laut der Umfrageteilnehmer die Schulen. Der schulischen Wissensvermittlung geben die Befragten daher die Note 4,8 – also mangelhaft oder ungenügend. Gerade einmal sechs Prozent finden, dass im Klassenzinmmer gute oder gar sehr gute Leistungen erbracht werden. Etwas besser schneiden die eigenen Eltern ab. Sie werden von der Generation Z mit der Note 2,8 bewertet.

Schulen sollen Finanzbildung ausweiten

Dabei wünschen sich junge Menschen Finanzbildung vor allem in den Schulen (85 Prozent). 69 Prozent meinen, dass das notwendige Wissen in der Familie vermittelt werden sollte. Aber auch die Medien (36 Prozent), die Politik (34 Prozent) und Finanzdienstleister (33 Prozent) sollten den Befragten zufolge mehr Verantwortung für die ökonomische Bildung übernehmen.

"Dass einige Bundesländer in den vergangenen Jahren ihre Anstrengungen in diesem Themenfeld verstärkt haben, lässt sich an diesen Zahlen noch nicht erkennen", betont Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Wissenslücken bei VWL, Rendite oder Aktien

Die größten Defizite ermittelte die Umfrage bei den Themen Vermögenswirksame Leistungen (53 Prozent) und Rendite (52 Prozent). 46 Prozent der jungen Deutschen geben an, mehr über das Sparbuch zu wissen. Mit dem Begriff Zinsen können noch 35 Prozent etwas anfangen. Mit Aktien oder Investmentfonds kennen sich nur 28 Prozent beziehungsweise 23 Prozent der Befragten aus.

"Die Zahlen machen deutlich, wie schlecht sich junge Menschen hierzulande auf ihre finanziellen Angelegenheiten vorbereitet sehen", so Gay. Dabei falle auf, dass ausgerechnet die Kenntnisse zu dem Instrument, das jungen Berufstätigen den Einstieg in den langfristigen Vermögensaufbau ermöglichen soll, am schwächsten ausgeprägt sind. 

Ein Großteil junger Menschen spart

Obwohl ihnen nötiges Fachwissen fehlt, legen laut Umfrage dennoch 58 Prozent der jungen Verbraucher in Deutschland regelmäßig Geld auf die hohe Kante. 33 Prozent tun dies zumindest dann, wenn etwas übrig ist. Nur acht Prozent sparen überhaupt nicht. "Die Zahlen zeigen eine große Bereitschaft zum Sparen. Die These, wonach junge Menschen das Sparen verlernt haben, greift nicht. Dabei fällt auf, dass auch diejenigen sparen, die sich finanziell strecken müssen", so Gay.

61 Prozent der Umfrageteilnehmer halten Aktien, 59 Prozent Immobilien und immerhin 45 Prozent Investmentfonds für besonders gewinnbringende Anlageformen. Ihr Erspartes legen 42 Prozent der jungen Menschen dennoch lieber auf das Sparbuch. 33 Prozent sparen mit einem Investmentfonds. In der Gruppe junger Erwebstätiger liegt dieser Anteil bei immerhin 45 Prozent. Der Anteil der Aktienbesitzer liegt bei 18 Prozent. Kryptowährungen sind nur für neun Prozent interessant.


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