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29.03.2019 | Aus- und Weiterbildung | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Lernen mit Augmented Reality motiviert

Autor:
Manuel Nitzsche
4:30 Min. Lesedauer

Augmented Reality (AR) verbindet die virtuelle mit der realen Welt. In der Spieleentwicklung und bei Werbungtreibende ist die neue Technologie bereits angekommen. Doch wie beeinflusst AR Weiterbildungsangebote?

Was für manche der "Tatort" ist, sind für andere "Die Simpsons": ein Muss in der Fernsehwoche. Besonders viel Spaß macht es, wenn die Simpsons-Macher sich mit neuen Technik-Trends auseinandersetzen. Und dabei sind sie stets am Puls der Zeit: 2014, noch vor der Markteinführung von Google Glass, bekommt Familienvater Homer in der Folge Specs and the City von seinem Arbeitgeber die Augmented Reality-Brille "Oogle Goggles" geschenkt – und sorgt damit für Chaos.

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Augmented und Virtual Reality: Stand der Technik, Nutzenpotenziale und Einsatzgebiete

Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Menschen mit tragbarer Hardware zur Darstellung von digitalen Inhalten bis hin zu virtuellen Welten, jedoch erst neueste Entwicklungen machen diese Technologien im praktischen Einsatz nutzbar. 


Augmented Reality: Verbindung von virtuellen und realen Objekten

Doch nicht nur die Popkultur ist von AR, also erweiterte Realität, beeinflusst. Auch erfolgreiche Spiele wie Pokemon Go oder Ingress machen sich das Prinzip zunutze. Und der Bildungsbereich zieht nach. Virtual Reality (VR)-Umgebungen wurden bereits in den 1990ern zum Training von Piloten genutzt. Hierbei wird der Nutzer mit allen Sinnen in eine künstliche, virtuelle Umgebung versetzt. Das ist kostengünstig, aber auch unrealistisch. In AR-Umgebungen existieren hingen reale und virtuelle Objekte nebeneinander im selben Raum. Doch was sind die Stärken von AR im Bildungsbereich und was gilt es zu beachten?

AR - über Datenbrille, Webcam oder Smartphone

Der große Vorteil von AR-Angeboten liegt auf der Hand. AR bringt virtuelle Informationen in die physische Umgebung eines Nutzers und erlaubt diesem, in Echtzeit mit seinem gesamten Körper mit den virtuellen Informationen zu interagieren. Dies kann technisch auf drei Arten geschehen: über eine spezielle Datenbrille wie die "Oogle Goggles" in der Simpsons-Folge, über eine an Bildschirm oder Projektor angeschlossene Webcam wie bei der Xbox Kinect oder der Nintendo Wii oder ganz einfach über das Smartphone.

AR macht Abstraktes konkret

Aus pädagogischer Sicht bringen AR-Angebote vor allem drei Vorteile mit sich. Zunächst verbessern AR-Anwendungen im Vergleich zu einzelnen Medien wie Text, Videos oder Desktop-Anwendungen das inhaltliche Verständnis – vor allem, wenn es um räumliche Daten geht. Anstatt nur die Baupläne für einen Flugzeugmotor zu betrachten, können Studierende durch die Turbine spazieren und sich die Einzelteile in Ruhe und von allen Seiten betrachten. Und auch in anderen Anwendungsfällen wie kleinsten chemischen Strukturen oder riesigen astronomischen Systemen erlaubt AR es den Lernenden, ansonsten Abstraktes konkret zu erfahren.

AR macht Wiederholungen einfach

Wiederholung ist der Schlüssel zum erfolgreichen tenchnologiegestützten Lernen – auch und besonders bei physischen Aufgaben. Nicht umsonst müssen angehende Mediziner Eingriffe wieder und wieder üben, bevor sie sie tatsächlich an Patienten durchführen dürfen. Augmented-Reality-Anwendungen erlauben es, konkrete Arbeitsabläufe fortlaufend zu wiederholen und den Fortschritt zu dokumentieren. 

Während Mediziner wohl kaum ohne Datenbrille und -handschuh üben können, könnten beispielsweise angehende Mechaniker das Auffinden wichtiger Bauteile ganz einfach per Smartphone trainieren – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Diese Autonomie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum personalisierten Lernen. Auch Feedback ist möglich: Über ein modernes Learning Management System (LMS) können Lehrende Zugriff auf die Ergebnisse erhalten, den Lernenden Feedback liefern und den individuellen Lernpfad anpassen.

AR macht einfach Spaß

Der dritte Vorteil von AR-Angeboten: Sie erhöhen die Motivation der Lernenden. In Umfragen berichten Nutzer von AR-Angeboten im Bildungsbereich, dass sie zufriedener sind, mehr Spaß haben und eher zu Wiederholungen bereit sind. Dies liegt einerseits am spielerischen Lernen, das auch in traditionellen Gamification-Anwendungen die Motivation steigert. Aber auch über den spielerischen Aspekt hinaus bietet AR klare Vorteile. Die Einbeziehung aller Sinne und die Interaktion mit den Inhalten und anderen Nutzern (ob Lehrende oder Lernende) über Sprache und Bewegung verringert die kognitive Belastung und verbessert die Konzentration.

Augen auf bei der Umsetzung

Die Vorteile von AR-Angeboten für den Bildungsbereich lassen sich jedoch nur bei sorgfältiger Umsetzung realisieren. Besonders bei technisch aufwändigen Lösungen wie Datenbrille und -handschuh haben Nutzer häufig Anfangsschwierigkeiten. Technische Lösungen über vertraute Endgeräte wie das Smartphone erfreuen sich hingegen großer Beliebtheit. Studien zeigen, dass rund 60 Prozent der AR-Angebote im Bildungsbereich auf Smartphones basieren. 

Damit Nutzer mit unterschiedlichen Endgeräten und verschiedenen Betriebssystemen eine nahtlose Lernerfahrung haben, bietet sich die Integration von AR-Anwendungen in ein cloudbasiertes, skalierbares LMS an. Dies erlaubt den Anbietern auch, Updates der AR-Anwendung problemlos für alle Nutzer gleichzeitig zur Verfügung zu stellen. So gelingt die für Augmented-Reality-Angebote zentrale Interaktion

Auch Sicherheitsaspekte sind nicht zu vernachlässigen. Bei Nutzung außerhalb geschützter Räume kann es durch die Konzentration auf die virtuellen Inhalte durch den Tunnelblick zu ernst zu nehmenden Unfällen kommen. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Unfälle bei Pokemon Go-Spielern in den USA werden von Forschern der Purdue University auf bis zu 7 Milliarden US-Dollar geschätzt. 

Fazit: Augmented Reality erlaubt es Anbietern von Bildungsangeboten, bekannte Inhalte in neuer Form darzustellen. Aus Bildern werden Animationen, aus 2D wird 3D, statische Inhalte werden interaktiv. Damit können Nutzer sich Wissen leichter erschließen, und die natürliche Interaktion mit den Inhalten, Lehrenden und anderen Lernenden steigert den Bildungserfolg.

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