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13.03.2018 | Aus- und Weiterbildung | Im Fokus | Onlineartikel

Pauken für die Arbeitswelt 4.0

Autor:
Annette Speck

Jeder fünfte Arbeitnehmer wird bis zum Jahr 2025 von der Automatisierung betroffen sein, so eine BCG-Studie. Um Jobverluste und neue berufliche Anforderungen zu bewältigen, müssen Aus- und Weiterbildung gestärkt werden.

Erwerbstätige können sich auf einiges gefasst machen: 40 Prozent der beruflichen Tätigkeiten werden künftig wohl von Computern und Maschinen erledigt. Innerhalb der nächsten sieben Jahre werden Digitalisierung, Automatisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Stellen von 7,7 Millionen Menschen verändern, wobei mehr als 60 Prozent der Betroffenen Fachkräfte sind. Am stärksten sind die Auswirkungen auf die Fertigung. Aber auch Verwaltung, Verkehr und Logistik, Handel sowie einige Dienstleistungen werden starke Umwälzungen erleben. Diese Erkenntnisse liefert der Report "Schöne neue Arbeitswelt 4.0? Was wir tun müssen, damit uns die Arbeit nicht ausgeht" der Boston Consulting Group.

Die technologische Entwicklung bringt neben dem Wegfall von Jobs allerdings auch neue Formen von Beschäftigung, neue Anforderungen und neue Berufsbilder mit sich. Ein großer Teil der Beschäftigten wird daher andere und zusätzliche Kompetenzen benötigen, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. "Die Qualifizierung der Arbeitskräfte auf in Zukunft gefragte Kompetenzen ist die Brücke, die drohende Arbeitslosigkeit und steigenden Fachkräftebedarf zusammenbringt", sagt BCG-Partner Heinrich Rentmeister.

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Weiterbildung günstiger als Sozialkosten

Der Studie zufolge kostet die nötige Weiterbildung durchschnittlich zehn Milliarden Euro pro Jahr. Das sei deutlich günstiger als allein die möglichen Kosten zur Versorgung von 7,7 Millionen Arbeitslosen auf Hartz-IV-Niveau. Diese beliefen sich auf mehr als 70 Milliarden Euro pro Jahr. Die Studienautoren plädieren daher für ein System der vorausschauenden und gezielten Qualifizierung, das auch zweite und dritte Karrieren üblich werden lässt.

Erfolgsentscheidende Handlungsfelder laut BCG-Studie
Neues Kompetenzmanagement: Das bewährte duale System muss neben verhältnismäßig starren Berufsbildern auch die immer wieder neue Bündelung von Kompetenzen adressieren.
Belastbare Prognosen zu zukünftigen Bedarfen: Diese Prognosen müssen künftig vor allem in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Berufs-, Qualifizierungs- und Weiterbildungsorientierung richtunggebend sein.
Lebensbegleitende berufliche Beratung auch für Beschäftigte: Sie ist entscheidend, um rechtzeitig Orientierung für eine zielgerichtete Aus- und Weiterbildung im Hinblick auf zukünftig benötigte Kompetenzen zu geben.
Effizientes Ökosystem für Weiterbildung und Arbeit: Hierfür sind auch zentrale Standards und eine gemeinsame Sprache im Bereich Kompetenzen wesentlich.
Politische Gesamtstrategie inklusive Finanzierungsrahmen: Unter anderem können Weiterbildungskonten Anreize schaffen sowohl für unmittelbar von Veränderungen Betroffene als auch für regulär Beschäftigte und Fachkräfte.

Positive Digitalisierungseffekte im Gesundheitswesen

Zu ganz ähnlichen Schlüssen kommt auch eine Studie der IHK Berlin und des Darmstädter WifOR Instituts, die die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung insbesondere in der Hauptstadt beleuchtet. Derzufolge führte die Digitalisierung in Berlin schon im Jahr 2017 zu 26.000 (1,6 Prozent) Jobs weniger. Die Prognose für das Jahr 2030: minus 3,6 Prozent. Besonders betroffen sind Einzelhandel und Gastgewerbe. Positive Digitalisierungseffekte werden hingegen dem Gesundheitswesen, dem Informations- und dem Kommunikationssektor vorhergesagt. IHK-Präsidentin Beatrice Kramm hält die Digitalisierung daher keinesweg für einen Jobkiller. "Vielmehr schafft Digitalisierung neue Arbeitsplätze, aber es werden andere Arbeitsplätze sein. Wir müssen uns also dringend daran machen, die passenden bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen", sagt sie.

Voraussetzung hierfür ist allerdings, die "Auswirkungen von Industrie 4.0 auf das Anforderungsprofil der Arbeitnehmer und die Folgen im Rahmen der Aus- und Weiterbildung" genau zu kennen. Thomas Hermann et al. stellen in ihrem Fachbeitrag fest: "Bestimmte Fähigkeiten [...] wie Kreativität und Soft Skills sind in der heutigen Aus- und Weiterbildung nicht oder nur unzureichend berücksichtigt, was eine Anpassung der Ausbildungsinhalte, -methodik und -instrumente notwendig macht." (Seite 239/240). Ausbildungen müssten flexibler und hybrider gestaltet werden, schließlich seien alle Branchen und Qualifikationsschichten vom digitalen Wandel betroffen.

Flexible Lernformen statt starrer Ausbildung

Als künftig erforderliche Kernkompetenzen nennen die Autoren technisches Verständnis, Kreativität und Selbstorganisation. Diese gelte es, in der Aus- und Weiterbildung zu entwickeln und zu fördern. Immer relevanter wird zudem selbstgesteuertes Lernen, und zwar gleichermaßen in der Ausbildung wie bei Berufseinsteigern und langjährig Beschäftigten.

Es werden flexible Lehr- und Lernformen benötigt, um auf die schnellen Veränderungen der Anforderungen dynamisch reagieren zu können. Denn einerseits werden Ausbildungen mit einer hohen Spezialisierung benötigt, andererseits werden ein übergreifendes Wissen und Verständnis für die Gesamtzusammenhänge und Geschäftsprozesse im Unternehmen benötigt. Hierfür sind die starren Ausbildungssysteme für die Veränderungsgeschwindigkeit in unseren Unternehmen ungeeignet." Thomas Hermann et al., Seite 248

 

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