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11.05.2020 | Aus- und Weiterbildung | Im Fokus | Onlineartikel

Mit Working Out Loud Neues lernen

Autor:
Anna-Lena Kuhlmann
4 Min. Lesedauer

Wer in Zeiten von Kontaktverbot und Homeoffice mit seiner Bucket-Liste liebäugelt, könnte die Working-Out-Loud-Methode ausprobieren. Hierfür sind eigentlich nur einige Freunde und eine Stunde Zeit pro Woche nötig.

Nicht wenige nutzen die Zeit von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, von Homeoffice und Quarantäne für die lange angestrebte Selbstoptimierung. Regelmäßiges Sporttreiben, gesunde Ernährung, das Ausmisten und Sortieren der Ablage – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Warum also die Zeit nicht auch dafür nutzen, etwas Neues zu lernen? Helfen kann hierbei die Methode "Working Out Loud" (WOL). Basierend auf dem Grundgedanken "Wissen teilen anstatt Wissen ist Macht" ist das Ziel der Methode, eigenes Wissen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen, damit andere davon profitieren können.

Empfehlung der Redaktion

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Working Out Loud – Die menschliche Seite der digitalen Transformation

Welchen Herausforderungen müssen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sich neben neuen Technologien im Rahmen der digitalen Transformation heute und in Zukunft stellen? Es geht um Ängste bzw. Unsicherheiten, mangelnde digitale Kompetenz, Siloverhalten in der Kommunikation sowie die generelle fehlende Motivation für Veränderungen.

Das zentrale Element: Der WOL-Zirkel

Wesentlicher Bestandteil der Methode sind die selbstorganisierten WOL-Zirkel. Hierbei findet sich eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten einmal pro Woche für eine Stunde über einen Zeitraum von zwölf Wochen zusammen, um gemeinsam an den jeweils individuellen Zielen zu arbeiten. Das Ziel ist selbst gesteckt und so individuell wie die Teilnehmer: Das Erlernen von Schach, die Verbesserung der eigenen Präsentationsfähigkeiten oder aber das Aneignen einer Fremdsprache – all das und vieles mehr ist möglich. Die Mitglieder des Zirkels unterstützen sich bei der Erreichung ihrer Ziele gegenseitig, indem sie mit und von den anderen Teilnehmern lernen. Der Lernfortschritt basiert auf dem Prinzip der kleinen Schritte und regelmäßigem Feedback. Dabei lernt jeder Teilnehmer in seinem eigenen Tempo. Es gibt keinen Test und keine Auswertung zur Lerngeschwindigkeit oder zum Lernerfolg.

Die Circle Guides als Anleitung

Der WOL-Zirkel trifft sich in jeder Woche für jeweils genau eine Stunde – in Corona-Zeiten natürlich virtuell, sonst auch gerne im Präsenzmeeting. Jedes Treffen des WOL-Zirkels besteht im Kern aus zwei bis drei Einzel- oder Gruppenübungen und der entsprechenden Diskussion im Team. Hierfür gibt es konkrete Ablaufpläne mit Übungen, Fragen zur Reflexion und Diskussion sowie Impulstexten, die sogenannten Circle Guides. Alle Circle Guides können auch in deutscher Sprache auf der Website www.workingoutloud.com kostenfrei abgerufen werden. Ziel der Übungen und Diskussionen ist es, Verbindungen zu knüpfen und Zugang zu Fachwissen und Ideen zu bekommen, die den Teilnehmern dabei helfen, ihre individuellen Ziele zu erreichen.

Ablauf der WOL-Zirkel

In der Regel beginnt das Treffen des WOL-Zirkels mit einer einfachen Reflexionsfrage, dem Check-in, um allen Teilnehmern das Ankommen zu erleichtern. In den anschließenden Einzel- und Gruppenübungen arbeiten die Teilnehmer an ihrem Ziel. Eine Übung in der dritten Woche ist es zum Beispiel, sich verbindliche Termine einzutragen, in denen die einzelnen Gruppenmitglieder außerhalb der Treffen an ihrem persönlichen Ziel arbeiten. Im Anschluss an die Übung teilen die Mitglieder ihre Ergebnisse mit der Gruppe. Die Teilnehmer können die Resultate kritisch hinterfragen und sie mit eigenen, bereits gesammelten Erfahrungen abgleichen. Zum Abschluss des Treffens planen die Teilnehmer ihre nächste Zusammenkunft und notieren sich, welche Aktivitäten sie bis zum nächsten Treffen umsetzen wollen. Die Circle Guides liefern auch Optionen, wenn das Lerntempo reduziert werden soll oder ein Teilnehmer in einer Woche etwas mehr machen möchte.

Fünf Prinzipien als Grundlage der Working-Out-Loud-Methode

Gemeinsame Basis für den Zirkel sind die fünf Prinzipien der WOL-Methode - Beziehungen, Großzügigkeit, sichtbare Arbeit, zielgerichtetes Entdecken und wachstumsorientiertes Denken:

Im Mittelpunkt von WOL stehen Beziehungen, die jeden Teilnehmer dabei unterstützen, seine Ziele zu erreichen, eine neue Fertigkeit zu erlernen oder ein neues Thema zu erforschen. Im Unterschied zum Networking investieren die Teilnehmer durch das Sichtbarmachen der eigenen Arbeit und der gesammelten Erfahrungen ohne die Erwartungshaltung, direkt und in gleichem Maße etwas zurückzubekommen. Dabei liegt der Fokus auf der Erreichung des eigenen Ziels, ohne sich neuen Erfahrungen und Impulsen zu verschließen.

Win-Win-Situation von WOL

Von WOL kann man zur Zeit also doppelt profitieren: Zum einen sichert der WOL-Zirkel zumindest einen verlässlichen sozialen Kontakt in der Woche - wenn auch nur virtuell, zum anderen lässt sich gegebenenfalls nach zwölf Wochen ein Punkt von der persönlichen Bucket-Liste abhaken. Und was im privaten Rahmen gut funktioniert, kann ohne Weiteres auf das berufliche Umfeld ausgeweitet werden. Gerade für Unternehmen, die eine agile Transformation anstreben und dabei den Schwerpunkt weniger auf die Methoden, sondern auf das agile Mindset legen, eignet sich die Methode. Denn: Die Grundsätze hinter Working Out Loud finden sich indirekt auch in den agilen Prinzipien wieder.

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