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26.09.2019 | Aus- und Weiterbildung | Infografik | Onlineartikel

Unternehmen vernachlässigen berufliche Weiterbildung

Autor:
Andrea Amerland

Eigentlich ist es Aufgabe des Arbeitgebers, durch Weiterbildung die Erwerbsfähigkeit seiner Mitarbeiter zu erhalten. Doch in der Praxis sind bei diesem Thema die Beschäftigten offenbar auf sich allein gestellt.

Rund jeder zweite Arbeitnehmer (55 Prozent) in Deutschland konnte im vergangenen Jahr seine Qualifikationen durch berufliche Weiterbildung erweitern. Soweit die guten Nachrichten, die sich aus einer Umfrage ergeben, für die das Beratungsunternehmen Gallup im Februar und März 1.000 deutsche Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt hat. 

Allerdings gibt es auch weniger Positives zu vermelden. Denn obwohl es im Interesse des Arbeitgebers liegen sollte, die Fähigkeiten der Mitarbeiter durch Fortbildungen zu erweitern, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Beschäftigte offenbar berufliche Weiterbildungen einfordern. So kommt die Gallup-Umfrage zu dem Ergebnis, dass vier von zehn Beschäftigten, sich selbst um ein Seminar oder ein anderes Weiterbildungsformat bemühen mussten. In den anderen Fällen sorgte der Arbeitgeber dafür.     

Qualifikationsmaßnahmen nicht selbstverständlich

Doch 41 Prozent der Beschäftigten bekamen im vergangenen Jahr überhaupt keine Gelegenheit, ihre beruflichen Qualifikationen zu erweitern, weil das Unternehmen keine Fortbildungen angeboten hat. Laut Umfrage hatte etwa jeder Siebte keine Zeit, um an Schulungen teilzunehmen.

Obwohl viele Arbeitgeber das Thema Weiterbildung ganz offensichtlich vernachlässigen, fühlen sich aber rund zwei Drittel der Befragten vom Arbeitgeber dabei unterstützt, ihre berufliche Fertigkeiten zu verbessern. Nur etwa jeder Sechste sieht das hingegen nicht so.

Arbeitnehmer mit hohem Weiterbildungsbedarf

Der Weiterbildungsbericht der Bundesregierung zeichnet ein etwas positiveres Bild als die Ergebnisse der Gallup-Umfrage. Demnach haben rund drei Viertel der Unternehmen Weiterbildungsangebote im Betrieb organisiert und beauftragt. Allerdings kommt der Weiterbildungsbericht zu dem Ergebnis, dass in den vergangenen Jahren der Anteil der Aktivitäten leicht gestiegen ist, die von den Beschäftigten selbst organisiert beziehungsweise vorangetrieben werden.

Allerdings bilden sich gerade die Menschen weniger fort, deren Jobs voraussichtlich durch Technik oder Maschinen geleistet werden können. Das haben Wissenschaftler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelt. Während aus dieser Arbeitnehmergruppe 27 Prozent Weiterbildungskurse besucht haben, waren es unter den Arbeitnehmern, deren Jobs weniger gefährdet sind (weniger Routineaufgaben, mehr soziale Aktion, mehr Kreativität) mit 41 Prozent deutlich mehr. Für die Untersuchung hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Daten des Nationalen Bildungspanels von 2011 bis 2012 analysiert. 

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