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11.03.2019 | Aus- und Weiterbildung | Im Fokus | Onlineartikel

Weiterbildung ist kein Karrierebooster

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Kurse, Trainings und Lehrgänge sichern Mitarbeitern den beruflichen Status quo, die Karriere beflügelt informelles Lernen allerdings nicht, wie eine Studie jetzt erklärt. Warum Weiterbildung trotzdem sein muss.

Gut jeder zweite Erwerbstätige (55 Prozent) zwischen 18 und 65 Jahren nimmt dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zufolge jährlich an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teil. Im BIBB-Report 2/2018 ist weiterhin zu erfahren, dass von Arbeitgebern vornehmlich non-formales Lernen (78 Prozent) oder die Teilnahme an Tagungen (75 Prozent) sowie arbeitsnahe Qualifizierung (71 Prozent) gefördert wird. Die Beteiligung des Arbeitgebers an formalen Bildungsangeboten belief sich im Befragungszeitraum auf 23 Prozent. Betrieblich geförderte Weiterbildung verfolgt vornehmlich betriebliche Ziele. Mitarbeiterbezogene Ziele, wie bessere Aufstiegschancen durch qualifizierte anerkannte Abschlüsse aus formalen Angeboten spielen eine untergeordnete Rolle. 

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Professionalisierung im Berufsleben

Vom Lernenden zum Handelnden

Mit steigender Komplexität und Unsicherheit wird im Wirtschaftsleben die Forderung nach Professionalisierung im Sinne der Erreichung hoher Leistungsstandards lauter. Dieses Kapitel gibt Anregungen, welche Methoden der Professionsentwicklung sich auf die berufliche Weiterbildung übertragen lassen.

Nach der Ausbildung nicht ausgelernt

An diesen Zustand dockt die Erhebung "Weiterbilden und Weiterkommen? Non-formale berufliche Weiterbildung und Arbeitsmarktmobilität in Deutschland" von Martin Ehlert vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Christian Ebner vom Karlsruher Institut für Technologie an. Ihr Fazit: "Das Credo 'Aufstieg durch Bildung' muss relativiert werden." Die Grundlage dafür lieferten Daten aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS) der Jahre 2009 bis 2016. Daraus errechneten die Forscher, wie Weiterbildung auf die Karriere wirkt. Non-formale Weiterbildung hilft Beschäftigten demnach:

  • Kenntnisse an die Anforderungen im Betrieb anzupassen,
  • beschäftigungsfähig zu bleiben,
  • den Arbeitsplatz zu sichern,
  • den beruflichen Abstieg zu verhindern.

Karriereplanung, so schreiben die Wissenschaftler, lässt sich mit Weiterbildungen allerdings nicht betreiben. Und das verargumentieren sie so: "Aus Sicht der Betriebe ist das eine logische Strategie: Wenn Beschäftigte geschult werden, um ihre aktuelle Aufgabe besser zu verrichten, ergibt es keinen Sinn, sie auf andere Stellen zu setzen." Arbeitsmarktpolitisch mache es also wenig Sinn, gering bezahlten Arbeitnehmern zu mehr non-formaler Weiterbildung zu raten. Zur Förderung niedrig-qualifizierter Beschäftigter seien innerbetriebliche Prozesse zu verbessern. Beispiele dafür sind inklusive Weiterbildungs- und Karriereplanung für geringer qualifizierte Kräfte oder formale Abschlüsse durch Teilqualifikationen am Arbeitsplatz nachholen sowie aufstocken zu lassen. 

Wie Professionalität gesteigert wird

Springer-Autor Knut Diekmann stellt in seinem Buchkapitel über Innovative Personalpolitik über die betriebliche Weiterbildung in Deutschland fest, dass die Konzentration auf Zielgruppen mit der "höchsten Bildungsrendite", wie sie etwa im mittleren und höheren Management, zu finden sind, zur Vernachlässigung von Mitarbeitern mit dem geringsten Qualifikationsstand führt. "Auf Mikro- oder betrieblicher Ebene muss der innovativen Personalpolitik größeres Gewicht beigemessen und somit ihre Professionalität gesteigert werden" (Seite 708). Bei der Qualifikationsentwicklung von Erwerbstätigen schlägt er Strategieentwicklung auf verschiedenen Ebenen vor (Seite 708):

  • Die "grundständige Ausbildung im Hinblick auf die moderne betriebliche Arbeitsweise" muss verbessert werden.
  • Die formalen Bildungsinfrastrukturen müssen flexibler und passgenauer auf die Angebote ausgerichtet sein.
  • Selbstgesteuertes und lebenslanges Lernen ist zu fördern.
  • besondere Leistungen wie Weiterbildung, Karriereplanung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind zu entwickeln.

Wissen, was und wissen, wie

Arbeitsmarkt, Ausbildung und Weiterbildung stehen für Springer-Autor Heiner Minssen in enger Wechselwirkung zueinander. Qualifikationen allein reichten auf dem modernen Arbeitsmarkt nicht mehr aus. Sie müssen durch Kompetenzen erweitert werden. Kompetenzen andererseits basieren zwar auf Qualifikationen, "aber sie erschöpfen sich nicht darin" (Seite 138). Damit gibt er den oben genannten Studienergebnissen recht, die den Kompetenzerhalt als wichtigste Aufgabe von Weiterbildung sehen. In einer Arbeitswelt mit sich ständig verändernden Umwelten und Prozessen ist es also erstes Ziel von Weiterbildung, das formal erworben Know-that durch "selbstständiges, reflexives und evaluatives" (Seite 138) Know-how zu erweitern. Dies sind Kenntnisse und Fähigkeiten, die sich eng entlang der Perspektive der Mitarbeitenden und ihrer Aufgabenbereiche ausrichten.

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