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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

2. Einleitung: Burnout im Journalismus

Zusammenfassung
Vor 22 Jahren nannte der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger eine Erscheinung, die er bei MitarbeiterInnen alternativer Drogeneinrichtungen und nicht zuletzt auch bei sich selbst beobachtete, „Burnout“. Er traf mit dieser Bezeichnung offensichtlich den Kern eines Problems und erntete von allen Betroffenen spontane Zustimmung (vgl. Freudenberger 1980: 15). Meistens hatten sich diese Betroffenen für ihre Arbeit stark engagiert und waren nach ausbleibenden Erfolgen desillusioniert, klagten über chronische Müdigkeit und Erschöpfung, litten unter reduzierter Leistungsfähigkeit und Motivationsverlust und erlebten eine allgemeine Verflachung ihres sozialen und geistigen Lebens (vgl. Kleiber 1993: 3).
Michael Bodin

3. Burnout, Stress und Arbeits(un)zufriedenheit

Zusammenfassung
Der Begriff Burnout erlebt seit Ende der 70er Jahre in den USA und spätestens seit Mitte der 80er Jahre auch in Deutschland Hochkonjunktur. Das aus der Technikersprache stammende Wort scheint eine offensichtlich äußerst zutreffende Metapher für das Gefühl vieler Menschen zu sein, die erschöpft und müde sind, sich leer fühlen, keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sehen oder sich „ausgebrannt fühlen“. Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger brachte 1974 als erster den Begriff in die wissenschaftliche Diskussion ein (vgl. Burisch 1994: 4; Kleiber 1993: 3; Maslach & Schaufeli 1993: 2). Freudenberger arbeitete in den 60er Jahren am Projekt der ehrenamtlich betriebenen freien Kliniken mit und erlebte während dieser Arbeit selbst eine Burnout-Entwicklung. Das motivierte ihn, das Phänomen bei Patienten und Klinikpersonal genauer zu untersuchen. Er fand „gewisse Muster“ von Erschöpfung und Desillusionierung. Seine Beobachtungen beschrieb er als „Burnout“, ein Begriff, der bis dahin für die Folgen chronischen Drogenmissbrauchs verwendet wurde. Als er den Betroffenen gegenüber von Burnout sprach, stieß er auf sofortige Identifikation (Freudenberger 1980: 14 f.). Burisch bemerkt: „Burnout [scheint] als bildhafte Vokabel etwas in der Luft liegendes auszudrücken“ (Burisch 1994: 5).
Michael Bodin

4. Journalismus und Burnout

Zusammenfassung
Nach Befunden von Schönbach et al. sind westdeutsche JournalistInnen jung, professionell und haben Spaß an der Arbeit (vgl. Schönbach et al. 1993: 10 f.). In ihrem Beitrag zur Sozialenquête über die JournalistInnen in Deutschland kommen Schönbach et al. zu dem Ergebnis, dass die Arbeitszufriedenheit von JournalistInnen außerordentlich hoch sei (vgl. Mahle 1993). Diese Befindlichkeit registrieren Kommunikatorstudien seit Jahrzehnten (vgl. Zusammenfassungen von Neverla 1979 und Böckelmann 1993).
Michael Bodin

5. Anlage einer Studie zu Burnout und Stress bei Journalisten

Zusammenfassung
Die im folgenden aufgeführten Forschungsfragen und Hypothesen gehen im wesentlichen auf die anfangs erläuterten Burnout-Theorien zurück. Es soll geprüft werden, ob die als burnouttypisch beschriebenen Symptome und Ursachenkomplexe auch für JournalistInnen zutreffend sind. Einbezogen werden dabei auch die genannten für den Journalismus spezifischen Hinweise auf Burnout. Angesichts des relativ kleinen und nicht repräsentativen Samples haben die aufgestellten Hypothesen vor allem forschungsleitende Funktion.
Michael Bodin

6. Ergebnisse: Burnout und Stress bei Journalisten

Zusammenfassung
Zur Darstellung der Ergebnisse werden vier statistische Größen verwendet. Prozentwerte geben an, wie groß der Anteil der Befragten (bezogen auf 100) ist, die sich für eine bestimmte Antwortvorgabe entschieden haben. Bei kleineren Samples ist es sinnvoll, zusätzlich zu den Prozentwerten auch die Zahl der Nennungen anzugeben, da diese die Bedeutung der Prozentangabe relativiert. Mit Prozentangaben lässt sich das Antwortverhalten bei mehrstufigen Skalen aber nur lückenhaft darstellen. Häufig werden Antwortvorgaben wie „nie“ und „selten” oder „oft“ und „sehr oft” zu einer Kategorie zusammengefasst. So lassen sich grobe Trends erkennen. Mittelwerte hingegen geben das Antwortverhalten über die gesamte Bandbreite der Skala wieder und umfassen alle antwortenden Fälle. Bei einer fünfstufigen Skala kann der Mittelwert theoretisch Werte von 1 bis 5 annehmen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass in die Mittelwertberechnung nur jene Fälle einbezogen werden, die die Antwortvorgaben auch beantworteten. Bei der Interpretation der Mittelwerte ist also die Zahl der antwortenden Befragten „n“ zu berücksichtigen. Bei der grafischen Darstellung der Antworten zu mehreren Variablen werden fehlende Angaben fallweise ausgeschlossen: Ein Befragter, der beispielsweise eine der 16 Antwortvorgaben zur Stress belastung nicht beantwortet, wird bei der Gesamtdarstellung nicht berücksichtigt.
Michael Bodin

7. Wege aus der Krise

Zusammenfassung
Für ein so komplexes Problem wie Burnout, das sich zudem bei jedem Individuum und in unterschiedlichen Arbeitsumwelten jeweils etwas anders zeigt, kann es keine Patentrezepte geben. In der Literatur wird eine unüberschaubare Fülle von „Umwegen und Auswegen“ (Burisch 1994: 211 ff.) genannt, von denen hier nur ein kleiner Teil wiedergegeben werden kann. Ein unmittelbarer Erfolg lässt sich für kaum einen der Lösungsvorschläge nachweisen. Das hängt damit zusammen, dass die Lösungen sich je nach den persönlichen Dispositionen und der konkreten Arbeitssituation unterschiedlich auswirken können. Eine Erweiterung der Handlungsspielräume kann die persönliche Autonomie fördern und dadurch Burnout vorbeugen; sie kann aber auch überfordern und zusätzlichen Stress erzeugen.
Michael Bodin

8. Resümee und Ausblick

Zusammenfassung
Burnout wurde bislang überwiegend in den sogenannten Sozialberufen, also bei Ärztlnnen, Psychologlnnen, Sozialarbeiterinnen und KrankenpflegerInnen untersucht. Einige ihrer Charakteristika, die Arbeit mit Menschen, unregelmäßige und lange Arbeitszeiten, eine idealistische Arbeitseinstellung und damit verbundene Selbstüberforderung der Beschäftigten und große psychische Belastungen werden als Risikofaktoren für Burnout beschrieben. Theoretisch spricht vieles dafür, auch JournalistInnen als eine solche Risikogruppe anzusehen. Dies ist die Ausgangshypothese der vorliegenden Studie. Hohe idealistische — im Sinne von pädagogischen — Berufsauffassungen gibt es unter heutigen JournalistInnen zwar kaum noch, die Auffassung aber, dass der Beruf eine Lebensaufgabe sei, die nicht in einen 8-Stunden-Tag passt, ist vielfach noch anzutreffen. Die Stressbelastungen sind bei JournalistInnen noch wenig erforscht, doch wird in den wenigen Untersuchungen deutlich, dass Zeitdruck, unregelmäßige und lange Arbeitszeiten die hauptsächlichen Stressfaktoren bilden. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass dieser Stress bedenklich oft mit Alkohol und Medikamenten kompensiert wird.
Michael Bodin

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