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06.02.2024 | Auslandsgeschäft | Im Fokus | Online-Artikel

Mittelstand investiert kaum im Ausland

verfasst von: Sylvia Meier

3:30 Min. Lesedauer

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Auslandsinvestitionen eröffnen Unternehmen neue Chancen und Absatzmärkte. Dennoch hält sich der deutsche Mittelstand mit solchen Aktivitäten zurück, belegt eine Analyse von KfW Research. KMU stemmen lieber Projekte in der Heimat.

In den vergangenen Jahren haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland stark verändert. Insbesondere die Energiekrise und der Fachkräftemange setzen den Betrieben zu und machen sich auf der Kostenseite bemerkbar. Hier könnte der Blick über die nationalen Grenzen hinweg eine mögliche Alternative bieten. Allerdings tut es nur ein geringer Teil der Mittelständler den Großunternehmen gleich und versucht, mit Auslandsinvestitionen unter anderem von neuen Absatzmärkten oder besseren Einkaufsoptionen zu profitieren. 

Für KMU behalten Inlandsgeschäft im Fokus

Wie KfW Research in einer Ende Dezember veröffentlichten Analyse auf der Basis des KfW-Mittelstandspanels 2023 ermittelte, machen Inlandsgeschäfte immer noch den Hauptteil der Geschäftstätigkeit von KMU aus. Die Zahlen für den Zeitraum von 2019 bis 2022 legen offen, dass während der Corona-Pandemie nur 1,7 Prozent der mittelständischen Firmen Kapital für Auslandsinvestitionen in die Hand genommen haben. Und wer sich für einen solchen Schritt entschieden hat, bevorzugte vor allem Märkte in Europa. Deutlich abgenommen hat hingegen China als Investitionsstandort für den Mittelstand.

Aber auch perspektivisch scheinen Auslandsgeschäfte nicht in den Fokus strategischer Entscheidungen mittelständischer Unternehmen zu rücken. Für die Zukunft planen der Erhebung zufolge lediglich 3,8 Prozent der KMU Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Eine Ausnahme gilt für Betriebe mit einem Jahresumsatz ab 50 Millionen Euro und mehr als 50 Beschäftigten sowie für das Verarbeitende Gewerbe, wie die nachstehende Grafik belegt: 

Fünf Gründe sprechen für mehr Auslandsgeschäft

Dabei ermittelten die KfW-Experten gute Gründe, die mittelständische Unternehmen dazu motivieren können, in den kommenden Jahren im Ausland Neugeschäft zu finanzieren. Hierzu gehören 

  1. die Erschließung neuer Absatzmärkte (66 Prozent), 
  2. die Verringerung der Steuerlast (38 Prozent), 
  3. eine geringere Regulierung im Ausland (35 Prozent),
  4. die Reduzierung der Arbeits-/Lohnkosten (29 Prozent) sowie
  5. eine bessere Verfügbarkeit von Fachkräften im Ausland (28 Prozent).

Dabei weisen die Ökonomen in ihrer Untersuchung auch auf die Kritik an Auslandsinvestitionen hin, die durch den Abfluss von Kapital eine abnehmende Attraktivität des Standorts Deutschland befürchtet, was das Wachstum und den Wohlstand mindere. "Vieles spricht gegen eine solche Sichtweise: Ein ganz wesentliches Motiv für Auslandsinvestitionen - sowohl im Mittelstand als auch bei Großunternehmen - ist die Erschließung neuer Absatzmärkte", kontern die KfW-Analysten. 

Auslandsinvestitionen ersetzen nicht Inlandsaktivitäten

Durch die Errichtung neuer Vertriebsstandorte oder Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen können deutsche Unternehmen Wachstumspotenziale im Ausland besser ausschöpfen:.

Steht die Senkung der Arbeits- oder Energiekosten im Vordergrund, können durch eine teilweise Verlagerung der Produktion komparative Vorteile genutzt werden. Die Auslagerung arbeits- oder energieintensiver Prozesse in Länder mit geringeren Löhnen, Strom- oder Gaspreisen stärken die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und können damit auch zur Beschäftigungssicherung in Deutschland beitragen. In den meisten Fällen ersetzen Investitionen im Ausland nicht Investitionen im Inland, sondern ergänzen diese", heißt es zur Begründung.

Rund 92 Prozent der Großunternehmen mit Auslandsinvestitionen sind der KfW  zufolge dieser Auffassung. Diese treffen Investitionsentscheidungen selten auf Grundlage einzelner Standortfaktoren wie Strom- oder Gaspreise, "sondern berücksichtigen immer die Gesamtheit der Rahmenbedingungen". Denn Auslandsaktivitäten sind in der Regel mit großem Aufwand verbunden. Mögliche finanzielle wie rechtliche Folgen, Währungsrisiken und vieles mehr müssen gründlich abgewogen werden. 

Sorgen um Standort Deutschland ernst nehmen

Dennoch nehmen die Experten die Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland aufgrund der Verlagerung von Geschäften ins Ausland ernst. Als Risiken für die künftige Wettbewerbsfähigkeit hat der KfW-Internationalisierungsbericht 2023 unter anderem die Bürokratie, Steuern und Abgaben sowie Umwelt- und Klimaschutzbestimmungen identifiziert. Dass auch beim Thema Qualifizierung und Fachkräfte dringender Handlungsbedarf besteht, unterstreichen laut der Volkswirte die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie. 

"Die komparativen Vorteile Deutschlands - hoch qualifizierte Arbeitskräfte, gute und vor allem verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, eine hohe Forschungsaktivität und effiziente Produktionstechnologien - sind für die Zukunft alles andere als gesetzt", heißt es weiter. Sie zu erhalten erfordere gute Ideen und wirksame Konzepte, vor allem aber auch politischen Willen und Umsetzungsstärke.

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