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Über dieses Buch

Der Band bietet einen Überblick über qualitative Auswertungsverfahren und -strategien im Fach Kommunikationswissenschaft. Die Beiträge beschäftigen sich mit der Auswertung unterschiedlichen Datenmaterials (z. B. Interviews, Gruppendiskussionen, audiovisuelle Daten), mit forschungspraktischen Herausforderungen in Quer- und Längsschnittstudien, mit unterschiedlichen Strategien der Datenauswertung (z. B. Typologien, Cluster, Vergleiche, Diskursanalysen, Netzwerkanalysen) sowie verschiedenen qualitativen Perspektiven; von eher induktiven Auswertungsstrategien über deduktive, theoriegeleitete Verfahren bis hin zu teilweise automatisierten Prozessen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Auswertung qualitativer Daten in der Kommunikationswissenschaft

Auswertungsmethoden, die speziell auf qualitative Daten ausgerichtet sind, differenzieren sich aus und werden ständig weiterentwickelt. Das Feld wächst und gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig wird es schwerer, sich einen Überblick zu verschaffen. Hieraus entsteht ein Bedarf an methodischer Reflexion und Einordnung. Systematische und vergleichende Überblicke zu Auswertungsverfahren qualitativer Daten sind in der Kommunikationswissenschaft jedoch nicht vorhanden. Im wachsenden Kanon der Methodenliteratur zu qualitativer Forschung werden Auswertungsverfahren oft nur am Rande behandelt. Kritisiert wird, dass Methodendiskussionen oft losgelöst von der Forschungspraxis geführt werden. Der vorliegende Sammelband widmet sich speziell den verschiedenen Auswertungsverfahren qualitativer Forschung in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft; die Beiträge beziehen sich auf Beispiele aus der Forschungspraxis. In diesem Kapitel wird die Struktur des Bandes dargestellt und die einzelnen Kapitel werden kurz vorgestellt.
Andreas M. Scheu

Methodologische Positionen

Frontmatter

Wenn sie wissen was sie tun … aber nicht unbedingt warum. Anmerkungen zu Methodik, Erkenntnisinteresse und Folgen für Ausbildung und Innovation

Methoden sind wichtig, werden aber nicht selten überschätzt. Noch wichtiger sind Fragestellung und Erkenntnisinteresse – zumindest, wenn die Methodendiskussion um ihrer selbst willen geführt wird. Bedauerlicher Weise steht die historisch ausgerichtete Teildisziplin in der Kommunikationswissenschaft inzwischen eher am Rand; das ist nicht zuletzt daraus ersichtlich, dass die Leitunterscheidung von Quellen und Literatur in unserer Disziplin nur noch wenig Beachtung findet. Dabei könnten die verschiedenen Verfahren historischer Triangulation, insbesondere der historischen Quellenkritik, würden sie in der Lehre stärker vermittelt, auch in Zeiten der Fake News und Lügenpresse-Vorwürfe Wichtiges zur Qualitätssicherung in der Kommunikationswissenschaft beitragen.
Rudolf Stöber

Zwischen „gone native“ und „eine von uns“: Reflexionen zu etischer und emischer Positionierung zum Forschungsfeld

Das Kapitel stellt die Unterscheidung zwischen einer emischen und etischen Positionierung zum Forschungsfeld vor und zeigt, wie im Verlauf des Forschungsprozesses Verschiebungen der Forscherposition auftreten können. Eine emische Position weist auf die starke Einbindung der Forscherin in das untersuchte Feld bzw. die enge Verbindung zum Untersuchungsgegenstand hin. Im Gegensatz dazu bedeutet eine etische Position, dass der Forscher eher außenstehend im Verhältnis zum Feld bzw. zum Forschungsgegenstand ist. Im Anschluss wird der Prozess der Datenauswertung in Hinblick auf das emisch-etisch-Kontinuum reflektiert. Im letzten Teil des Kapitels wird ein Fragenkatalog als Ansatz für eine Reflektion vorgestellt und zudem auf die Übertragbarkeit des ‚emisch-etisch‘-Kontinuums auf andere Aspekte des Forschungsprozesses eingegangen.
Christine Lohmeier

Welchen Mehrwert haben qualitative Typologien jenseits einer bloßen Klassifizierung? Zu Handlungsempfehlungen und theoriebildenden Kombinationen von Typologien

Der Beitrag fragt am Beispiel eines Forschungsprojektes zum Verkauf von Straßenzeitungen im Spannungsfeld zwischen Erwerbsarbeit und Empowerment, welchen Mehrwert qualitative Typologien jenseits einer Klassifizierung empirischer Einzelfälle haben können. Nach einer knappen Diskussion von Max Webers Konzepten der Idealtypenbildung und des erklärenden Verstehens unterbreiten wir zwei Vorschläge, wie sich weitergehende Schlussfolgerungen aus Typologien ziehen lassen. Der erste, univariat-teleologische Vorschlag zielt auf eine Ableitung von Handlungsempfehlungen aus Typologien. Der zweite, multivariat-theoriebildende Vorschlag kombiniert Typologien miteinander, um auf diese Weise die weitere Theoriebildung empirisch zu ‚grundieren‘. Abschließend werden die Reichweite beider Vorschläge sowie Ähnlichkeiten und Unterschiede etwa zur Grounded Theory diskutiert.
Bertram Scheufele, Carla Schieb

Auswertung von Interviews

Frontmatter

Prozessorientierte Auswertung von qualitativen Interviews mit Atlas.ti und der Grounded Theory

In folgenden Beitrag wird der Codierprozess mit der Grounded Theory am Beispiel einer qualitativen Studie zur Internetnutzung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom veranschaulicht. Dabei wird auf die einzelnen Codierschritte des offenen, axialen und selektiven Codierens an Hand von Textauszügen aus den Leitfadeninterviews eingegangen. Darüber hinaus wird erläutert, wie die Codierarbeiten mit dem qualitativen Datenauswertungsprogramm Atlas.ti vorgenommen wurden und es gibt grundsätzliche Hinweise für das Codieren mit Atlas.ti.
Nadja Zaynel

Medienalltag verstehen. Auswertungsstrategien der Grounded Theory und der Heuristischen Sozialforschung für multi-methodische Analysen der Medienkommunikation in alltäglichen Lebenswelten

Der Beitrag stellt die Auswertungsstrategien der Grounded Theory und der Heuristischen Sozialforschung ins Zentrum. Diese Methoden berücksichtigen bei der Analyse der Medienkommunikation ausdrücklich räumliche, zeitliche, situative und soziale Konstellationen. Für deren Fragestellungen bieten beide Verfahren und die Adaption ihrer Auswertungsmethoden die Möglichkeit der Dynamik und Vielschichtigkeit des Forschungsgegenstands Rechnung zu tragen und Medienalltag umfassend(er) zu verstehen. Beide Ansätze werden zunächst vorgestellt und im nächsten Schritt anhand ihrer Positionen und Praxis bezüglich methodologischer Grundsätze, Sampling und Kodier- bzw. Kategorisierungsverfahren gegenübergestellt. Der Einsatz als Auswertungsverfahren wird anhand zweier konkreter empirischer Studien erläutert. Im Beitrag werden neben vielfältigen Gemeinsamkeiten (z. B. Credo Offenheit, Bedeutung Dokumentation) auch Unterschiede (z. B. Umgang mit theoretischem Vorwissen) deutlich gemacht und diskutiert.
Christine Linke, Isabel Schlote

Blickpunkt Netzwerk. Die Auswertung qualitativer Netzwerkanalysen

Der Beitrag erläutert den Auswertungsschritt in einer auf Leitfadeninterviews gestützten Netzwerkanalyse und zeigt, wie mit einer qualitativen Untersuchung vor allem die Bedeutung von Beziehungen für die Akteure, die Kontexte eines Netzwerks und die Dynamiken innerhalb der Beziehungen herausgearbeitet werden können. Anwendungsbeispiel ist das deutsche Jugendmedienschutz-System. Ausgehend von zentralen Begriffen der Sozialen Netzwerkanalyse wird ein auf die Akteur-Struktur-Dynamiken (Uwe Schimank) gestütztes Kategoriensystem entwickelt, das sechs Auswertungsschritte angeleitet hat. Das vorgestellte Verfahren ermöglicht es, über das handelnde Zusammenwirken sowohl Netzwerkstrukturen als auch Akteursmerkmale in die Analyse einzubeziehen und das Netzwerk aus Selbst- und Fremdperspektiven zu beleuchten.
Senta Pfaff-Rüdiger, Maria Löblich

Auswertung von Gruppendiskussionen

Frontmatter

Die Gruppe als Untersuchungseinheit. Anforderungen an die Auswertung von Gruppendiskussionen als Methode zur Erfassung von Medienrezeption in Realgruppen

Die Gruppendiskussion ist eine der wenigen Methoden (neben Beobachtung, Netzwerkanalyse), die es erlaubt, soziale Prozesse in ihrem Ablauf zu dokumentieren. Soziale Prozesse sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Rezeptionssituationen und daher ein grundlegender Faktor von individuellen und kollektiven Rezeptionseffekten. Um zu rekonstruieren, wie soziale Interaktionsprozesse diese Effekte teils hervorbringen, teils prägen, müssen sie in der Auswertung von Gruppendiskussionen erhalten bleiben. Eine Analyse, die sich allein an Inhalten oder individuellen Aussagen orientiert, verliert die besondere Leistungsfähigkeit und die spezifische Datenstruktur aus den Augen, die die Gruppendiskussion kennzeichnen. Im Beitrag wird zunächst der Begriff der Gruppe definiert und die Bedeutung von Gruppen für die alltägliche Mediennutzung beschrieben. Im nächsten Schritt wird das Potenzial des Gruppendiskussionsverfahrens zur Erfassung von Gruppenprozessen dargelegt, die daraus resultierenden Anforderungen an die Auswertung expliziert und anhand von praktischen Beispielen demonstriert.
Gabriele Mehling

Interpretation im Rahmen der Dokumentarischen Methode: Potenziale für die Kommunikationswissenschaft

Die Dokumentarische Methode nach Ralf Bohnsack stellt einen methodologischen Begründungszusammenhang dar zwischen Grundlagentheorien großer Reichweite einerseits und konkreten methodischen Ableitungen der qualitativen Datenerhebung und -interpretation andererseits. Für ihre grundlagentheoretische Verortung hat sich der Begriff der „Praxeologischen Wissenssoziologie“ etabliert, da sie sich auf die praxeologische Erkenntnis- und Handlungstheorie Pierre Bourdieus, in deren Zentrum das Konzept des Habitus steht, und die Wissenssoziologie Karl Mannheims bezieht. Die Dokumentarische Methode bietet vielfältiges Potential für kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen, da sie sich gleichermaßen auf die Untersuchung von Medienrezeptionsprozessen, die Analyse von Medienprodukten, die Kommunikator- und Professionsforschung bis hin zu Organisationsstudien eignet und dabei auch Triangulationen unter einem einheitlichen methodologischen Dach ermöglicht. Konstitutiv für die Dokumentarische Methode ist die Leitunterscheidung von explizitem und implizitem Wissen. Dabei erweist sie sich als besonders sensitiv für vorsprachliche, atheoretische und visuelle Bedeutungsgehalte. Der Beitrag illustriert exemplarisch die Arbeitsschritte der Dateninterpretation im Rahmen der Dokumentarischen Methode anhand eines Beispiels aus der Bildrezeptionsforschung.
Burkard Michel

Auswertung von Beobachtungsdaten

Frontmatter

Viel gesehen – nichts beobachtet. Techniken der Analyse von Beobachtungsmaterial

Die Beobachtung als fester Bestandteil des kommunikationswissenschaftlichen Methodenspektrums bietet vielseitiges Potenzial für die Untersuchung von Verhalten in unterschiedlichen, für kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen relevanten Bereichen. Bisher gibt es jedoch noch wenig Literatur, die sich ausführlich mit der Auswertung von Beobachtungsmaterial befasst. Der vorliegende Text zeigt, inwieweit sich die Beobachtung als Auswertungsverfahren eignet und wie Beobachtungsmaterial ausgewertet werden kann. Der Beitrag gibt dafür zunächst einen Überblick über die in der Kommunikationswissenschaft zentralen Arbeiten, beschreibt dann, wie in der Beobachtungssituation welche Art von Beobachtungsdaten dokumentiert werden und formuliert anschließend Auswertungstechniken für die Analyse von Beobachtungsmaterial. Vorgestellt werden Bild- bzw. Videoanalyse von visuellem Beobachtungsmaterial sowie die Techniken Kartierung, Irritation, Wiederholung und Beobachtungsfolien für die Analyse von verschriftlichten Beobachtungsdaten.
Annekatrin Bock

Auswertung von audiovisuellen Daten

Frontmatter

Die Methode der wissenssoziologischen Videointerpretation

In dem Beitrag wird erst die These erläutert, dass Videos immer auch kommunikative Handlungen sind, die als solche auch immer in den Blick genommen werden müssen. Anschließend wird die Methode der wissenssoziologischen Videointerpretation mit der grundsätzlichen Unterscheidung von Handlung vor der Kamera und Kamerahandlung vorgestellt. Abschließend wird das Problem der angemessenen Transkription von Videodaten diskutiert.
Jo Reichertz

Die Diskursanalyse als Verfahren einer sozialwissenschaftlichen Filmanalyse

Der Beitrag zeigt, wie Foucaults diskurstheoretische Überlegungen für die Untersuchung von Spielfilmen und die Analyse der darin enthaltenen Konstruktionen sozialer Wirklichkeit herangezogen werden können. Ausgehend von der Annahme, dass Filme gesellschaftliche Machtverhältnisse zum Ausdruck bringen und somit auch die filmischen Realitätsangebote das Ergebnis der Auseinandersetzung um legitime Bedeutungen sind, verknüpft das hier vorgestellte Programm die geisteswissenschaftliche Filmanalyse mit dem von Foucault stammenden Konzept zur Untersuchung der diskursiven Formationsregeln von Texten. Plädiert wird damit für ein Vorgehen, das das wechselseitige Bedingungsverhältnis von Filminhalt und gesellschaftlichen Strukturen konsequent zu Ende denkt. Es wird ein theoretischer und methodischer Zugriff entwickelt, der den Prozess der Auswertung und Interpretation audiovisuellen Forschungsmaterials aus dem Bereich fiktionaler Unterhaltungsmedien strukturiert und nachvollziehbar macht (insbesondere mittels einer kategoriengeleiteten Analyse von Filmprotokollen). Dieser Zugriff wird schließlich am Beispiel des deutschen Spielfilms Kriegerin (Wnendt 2012) veranschaulicht. Auf diesem Weg soll das Medium Film für sozialwissenschaftliche Perspektiven und systematische Untersuchungsdesigns zugänglich gemacht werden.
Thomas Wiedemann

Auswertung von komplexem Datenmaterial

Frontmatter

Medienethnografische Porträts als Auswertungsinstrument: Techniken der kontextsensiblen Rezeptionsanalyse

Das medienethnografische Porträt ist eine Technik zur gegenstandsadäquaten Analyse von ethnografisch orientierten Interviews. Bisher gibt es sowohl empirisch als auch methodologisch kaum Vorbilder oder Anleitungen, wie eine ‚dichte Beschreibung‘ umzusetzen ist. Beim medienethnografischen Porträt handelt es sich um eine strukturierte, umfassende Beschreibung des Falls, die erste Interpretationen unter Rückbezug auf den theoretischen Hintergrund enthält. Auf Basis solcher fallorientierter Porträts können im nächsten Schritt vergleichende Analysen aller Fälle erfolgen. Das Verfahren basiert auf den Prinzipien ethnografischen Forschens, denn es ermöglicht eine kontextorientierte Auswertung und arbeitet Strukturen und Zusammenhänge der Mediennutzung heraus. Der Beitrag nimmt zunächst eine methodologische Einordnung und einen Vergleich dieser Auswertungstechnik mit anderen Verfahren vor, sodann wird das Vorgehen forschungspraktisch anhand von Haushaltsstudien mit Paarinterviews exemplarisch erläutert.
Jutta Röser, Kathrin Friederike Müller, Stephan Niemand, Corinna Peil, Ulrike Roth

Auswertungsstrategien für qualitative Langzeitdaten: Das Beispiel einer Langzeitstudie zur Rolle von Medien in der Sozialisation Heranwachsender

Obwohl sich langfristige Kommunikationsprozesse nur mittels Längsschnittstudien aussagekräftig erfassen lassen, spielen sie sowohl in der quantitativen als auch der qualitativen Rezeptions- und Wirkungsforschung bisher nur eine marginale Rolle. Der Beitrag stellt am Beispiel einer qualitativen Panelstudie zur Rolle von Medien in der Sozialisation sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher (2005 bis 2017) Auswertungsstrategien vor, die es erlauben, das über mehr als zehn Jahre gewonnene Datenmaterial transparent und intersubjektiv nachvollziehbar zu analysieren und die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen.
Ingrid Paus-Hasebrink, Philip Sinner, Fabian Prochazka, Jasmin Kulterer

Verbale und visuelle Medienframes im Verfahrensrahmen der Grounded Theory analysieren. Methodologische Grundlagen, Methoden und Forschungspraxis deduktiven und induktiven Kodierens multimodaler Dokumente

Der Beitrag hat drei Ziele: Erstens diskutiert er die methodologischen Grundlagen eines an der Grounded Theory orientierten Auswertungsverfahrens zum Rekonstruieren von verbalen und visuellen Medienframes. Dazu versteht er Grounded Theory als Verfahrensrahmen, leitet daraus Kodier- und Konzeptualisierungsschritte ab und bezieht sie auf Dokumentenkorpora als Datentypen. Dann erklärt er zweitens, wie durch deduktive Schemata aus der Framesemantik und Sozialsemiotik das Kodieren methodisch angeleitet und so induktive Kodierschritte vorbereitet werden können. Drittens erläutert er die Forschungspraxis des Kodierens von multimodalen Diskursfragmenten und, darauf aufbauend, des Konzeptualisierens von schriftlich und bildlich konstituierten Medienframes. Dies wird anhand der Analyse des Diskurses zur so genannten Handygate-Affäre 2011 demonstriert.
Christian Pentzold, Claudia Fraas

Kombination qualitativer und quantitativer Auswertungsverfahren

Frontmatter

Clusteranalysen und qualitative Interviews: Typenbildung durch „Mixed-Methods“

Das hier vorgeschlagene Vorgehen eignet sich zur Typenbildung bei einer größeren Anzahl (ab ca. 15–20) von Leitfaden-Interviews und ist im Sinne der Mixed-Methods eine Kombination zwischen qualitativer Analyse und quantitativer Auswertung. Mixed-Methods bedeutet im vorliegenden Beispiel, dass ein offenes qualitatives Verfahren der Datenerhebung mit einer standardisierten, quantitativen aber gleichzeigt offenen Inhaltsanalyse des Materials so kombiniert wird, dass auf der einen Seite eine statistische Clusteranalyse möglich ist und auf der anderen Seite die Tiefe des Materials nicht verloren geht. Vorgestellt werden alle Auswertungsschritte an konkreten Beispielen.
Elizabeth Prommer

Vorteile und Herausforderungen von Mixed-Model-Designs am Beispiel einer qualitativen Inhaltsanalyse zum Informationshandeln von Krebspatienten

Der vorliegende Beitrag verfolgt das Ziel die Vorgehensweise, Vorteile und Herausforderungen der Auswertung empirischer Daten mithilfe eines Mixed-Model-Designs zu beschreiben. Dafür wird eine ausgewählte Studie als Fallbeispiel herangezogen, die sich mit dem Informationshandeln von Krebserkrankten in Online-Foren beschäftigt. Ein Mixed-Model-Design zeichnet sich dadurch aus, dass qualitative und quantitative methodische Elemente innerhalb eines Forschungsprozesses zur Beantwortung einer Forschungsfrage kombiniert werden. Es kommt somit zu einer Variation der Methodenentscheidung, die sicherstellt, dass die Angemessenheit bezogen auf den Gegenstand und die Fragestellung das Primat im Forschungsprozess erhält (Mayring, Forum Qualitative Sozialforschung 2(1), 2001, Absatz 6). Die vorliegende Studie vereint, die Stärken einer offenen, tiefgehenden Erhebung in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse mit den Stärken einer zugleich größtmöglichen intersubjektiv nachvollziehbaren, standardisierten Auswertung in Form einer statistischen, explorativen Typenbildung (Baumann und Scherer, Standardisierung und Flexibilisierung als Herausforderung der kommunikations- und publizistikwissenschaftlichen Forschung, Halem, Köln, 2013). Die einzelnen Schritte dieses Transfer-Designs sind dabei die Definition von Analyseeinheiten, die Codierung, Verdichtung und Transformation der Daten, die Typenbildung und explorative Analyse sowie Charakterisierung der gebildeten Typen.
Elena Link

Oszillieren als Auswertungsstrategie am Beispiel einer typenbildenden qualitativen Inhaltsanalyse

Die spezifischen Unterschiede der Auswertungsstrategien von quantitativer vs. qualitativer Forschung werden oft mit den gegenläufigen Erkenntnisschritten von deduktiver vs. induktiver Logik gleichgesetzt: Dieser strengen Dichotomie zufolge wird innerhalb des quantitativen Paradigmas das empirische Material deduktiv auf Basis vorgegebener Kategorien strukturiert, während im qualitativen Paradigma ausgehend vom empirischen Material induktiv Kategorien hervorgebracht werden. Anhand eines Beispiels aus der angewandten Forschung, bei dem eine vergleichsweise große Zahl von Fällen qualitativ erschlossen werden sollte, zeigte sich aber, dass die beiden Auswertungsbewegungen – vom Material ausgehend induktiv-kategorisierend und von Kategorien ableitend deduktiv-klassifizierend – in produktiver Weise miteinander verzahnt werden können und in einer Art Oszillationsbewegung zwischen der Ebene des empirischen Materials und einer theoretisch-kategorialen Ebene hin- und herpendeln. Dabei wird im reflektierenden Rückblick auf die Forschungspraxis sichtbar, dass diese Pendelbewegung über das schlichte Wechselspiel von Induktion und Deduktion hinausgeht und sich präziser als Oszillation zwischen (a) Operationen der deskriptiven Textklassifizierung und der rekonstruktiven Texterschließung, (b) der komplexitätsreduzierenden Systematisierung und der komplexitätssteigernden Differenzierung sowie (c) der quantifizierenden Clusterbildung und der interpretierenden Typenbildung beschreiben lässt.
Burkard Michel, Max Ruppert

Die Verbindung qualitativer und quantitativer Daten in der Datenauswertung am Beispiel einer triangulativen Studie

Seit einigen Jahren kommen vermehrt Untersuchungsdesigns zum Einsatz, die qualitative und quantitative Methoden verbinden. Will man das Potenzial dieser Kombination ausschöpfen, so müssen die Daten aus beiden Zugängen im Zuge der Auswertung systematisch aufeinander bezogen werden. Die Schwierigkeit besteht dabei darin, dass es sich um empirisches Material unterschiedlicher Natur und Reichweite handelt. Am Beispiel einer triangulativen Studie zur Entwicklung von Haltungen gegenüber der EU wird im Folgenden gezeigt, wie dieses Problem vor dem Hintergrund einer spezifischen Zielsetzung gelöst werden kann. Die vorgestellte Auswertungsstrategie verknüpft interpretative und quantifizierende Analysetechniken unter den Prämissen qualitativer Forschungslogik. Sie liefert aber auch Anregungen für andere Studien, die Daten unterschiedlicher Natur im Prozess der Auswertung miteinander verschränken möchten.
Christina Ortner

Qualitative Textanalyse. Blaupause und Potenziale (teil-)automatisierter Verfahren

Dieser Beitrag diskutiert den Einsatz textstatistischer und automatisierter inhaltsanalytischer Verfahren im Rahmen der qualitativen Datenauswertung. Im Beitrag werden zunächst Analyseschritte und -ziele qualitativer Forschung identifiziert. Hierbei wurden mehr und weniger standardisierte und sowohl deduktive als auch induktive Verfahren berücksichtigt. Darauf aufbauend wird gezeigt, wo und unter welchen Bedingungen textstatistische und (teilweise) automatisierte Verfahren zur Auswertung qualitativer Daten eingesetzt werden können und welche Potenziale und Einschränkungen mit ihrem Einsatz verbunden sind. Hierbei liegt der Fokus auf der Auswertung von Interviewtranskripten.
Andreas M. Scheu, Jens Vogelgesang, Michael Scharkow
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