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Über dieses Buch

Das Buch geht der Frage nach, ob und inwiefern sich meeresspiegelinduzierte Veränderungen der Küstenlinien auch im Verlauf maritimer Grenzen widerspiegeln. Nach Untersuchung der maßgeblichen Vorschriften des Seerechtsübereinkommens (SRÜ) kommt die Arbeit zu dem Ergebnis, dass Veränderungen des Küstenverlaufs Auswirkungen auf maritime Grenzen haben können, das Ausmaß der Veränderung allerdings von der konkreten Art der Grenze und deren Entfernung zur Basislinie abhängt. Global betrachtet birgt die Beweglichkeit der Seegrenzen ein erhöhtes Konfliktpotential, denn sie wird Unsicherheit über bestehende Grenzverläufe verursachen. Seegrenzen sollten daher dauerhaft stabilisiert werden. Der Autor belegt, dass dies auf Grundlage des geltenden Rechts nicht sinnvoll gelingen wird. Nur durch Änderung des SRÜ oder der Herausbildung von neuem Völkergewohnheitsrecht ließe sich verhindern, dass das internationale Seerecht die Folgen des durch den Meeresspiegelanstieg bedingten Landverlusts nicht noch verschlimmert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Zusammenfassung
Klimaveränderungen stellen in der Erdgeschichte den Regelfall dar. Nachdem in der Kreidezeit vor etwa 140 bis 65 Millionen Jahren selbst in arktischen Breiten subtropische Verhältnisse vorherrschten, nahm die Temperatur auf der Erdoberfläche zunehmend ab und schwankt seit nunmehr zwei bis drei Millionen Jahren zwischen Kalt- und Warmzeiten. Angesichts der Abhängigkeit des Meeresspiegelniveaus von der globalen Temperaturentwicklung führt dies auch immer wieder zu erheblichen Veränderungen des Meeresspiegels. So ist davon auszugehen, dass letzterer während des Höhepunktes der jüngsten Kaltzeit – vor etwa 12.000 bis 20.000 Jahren – um 100 Meter niedriger war als heute, vor 120.000 Jahren aber zwischen zwei bis sechs Meter über dem jetzigen Niveau lag. Schwankungen des Meeresspiegelniveaus sind folglich kein neuartiges Phänomen, sondern Resultat eines sich wandelnden Erdklimas.
Eike Blitza

Naturwissenschaftlicher Hintergrund

Zusammenfassung
Wie eingangs erwähnt, bleibt eine rechtliche Untersuchung ohne Auseinandersetzung mit den ihr zugrunde liegenden naturwissenschaftlichen Gegebenheiten unvollständig. Praxisrelevanz erlangt sie erst durch ihren Kontext. Verlangt damit prinzipiell jede normative Abhandlung in einem ersten Schritt nach einer faktischen Bestandsaufnahme oder Problemeinordnung, gilt dies im gesteigerten Maße für Rechtsfragen, die an noch nicht eingetretene Veränderungen tatsächlicher Gegebenheiten anknüpfen. Ohne hinreichenden Beleg dafür, dass der prognostizierte Wandel eintreten wird, blieben sie nämlich andernfalls abstrakt-normatives Gedankenspiel mit lediglich theoretischem, nicht aber praktischem Wert. Mit Blick auf die Vergangenheit lässt sich der Meeresspiegelanstieg zweifelsfrei belegen. Da aber nicht der bereits eingetretene, sondern der künftige Meeresspiegelanstieg Gegenstand dieser Untersuchung sein soll, erscheint es zwingend, der rechtlichen Analyse eine Überprüfung der ihr Existenzberechtigung verleihenden Prämisse voranzustellen. Nachstehend sollen dazu zunächst die Gründe für den Meeresspiegelanstiegs dargestellt und darauf aufbauend seine prognostizierten Ausmaße skizziert werden. Das Kapitel schließt mit einem Ausblick auf mögliche (tatsächliche) Folgen des Meeresspiegelanstiegs.
Eike Blitza

Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf maritime Grenzlinien

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund des skizzierten Meeresspiegelanstiegs (Kap. „Naturwissenschaf​tlicher Hintergrund“) ist es Anliegen dieses Kapitels, dessen Auswirkungen auf maritime Grenzlinien zu untersuchen. Zu klären gilt, ob sich verändernde Küstenformen auch im Verlauf maritimer Grenzlinien widerspiegeln. Bejahendenfalls soll in Konkretisierung der gewonnenen Erkenntnis der Frage nachgegangen werden, ob alle maritimen Grenzlinien gleichermaßen „veränderungsanfällig“ sind. Ziel dessen ist es, eine möglichst realistische Gefährdungsprognose aufzustellen sowie den potenziellen Handlungsbedarf der Staaten mit Blick auf ihre maritimen Grenzlinien aufzuzeigen. Untersuchungsgegenstand dieses Kapitels bilden dabei ausschließlich unilateral gezogene Grenzlinien zur See. Vertraglich vereinbarten Grenzlinien ist ob der ihnen inhärenten Besonderheiten (Stabilitätsprinzip, Drittwirkung) das nachstehende Kapitel gewidmet.
Eike Blitza

Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf Grenzverträge

Zusammenfassung
Wurden im vorstehenden Kapitel die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf unilateral festgelegte Grenzlinien untersucht, sollen nunmehr bi- und multilateral vereinbarte Grenzlinien in den Fokus genommen werden. Dies scheint nicht nur vor dem Hintergrund der Tatsache angebracht, dass Grenzverträge infolge der Etablierung von Festlandsockel und aWZ als Abgrenzungsmethode küstenstaatlicher Vorrechte an Bedeutung gewonnen haben, sondern vor allem deshalb, weil die ihnen inhärente Stabilität vielfach als „Heilmittel“ gegen das Phänomen beweglicher Grenzlinien verstanden wird. Inwiefern dies zutrifft, soll nachfolgend – anknüpfend an die Ausführungen, die im Rahmen der Auslegung des Art. 5 SRÜ zu Grenzverträgen gemacht wurden, – herausgearbeitet werden. Begonnen werden soll dazu mit einer Charakterisierung verschiedener Arten von Grenzverträgen, die darauf abzielt, Situationen zu identifizieren, in denen das Prinzip der Stabilität von Grenzen mit der Beweglichkeit maritimer Grenzen konfligieren könnte.
Eike Blitza

Optionen zur Stabilisierung maritimer Grenzen

Zusammenfassung
Law Makes Climate Change Worse“ konstatierte David D. Caron in einer der ersten seerechtlichen Untersuchungen zum Thema Meeresspiegelanstieg. Das Seerecht, so die These des Autors, werde die Folgen des Klimawandels noch verschlimmern. Vorstehende Kapitel bestätigen diese Vermutung. Der klimabedingte Meeresspielgelanstieg wird nicht nur Küstenregionen bedrohen, er wird nicht nur Land und Inseln im Meer versinken lassen, sondern auch dazu führen, dass bestehende Ansprüche über Meeresgebiete ihre Rechtsgrundlage verlieren. Folge dessen ist, dass insbesondere kleine Inselstaaten, die wirtschaftlich von der Existenz ihrer Meeresgebiete abhängig sind, zusätzlich zu der Gefahr des Landverlusts ganz erhebliche finanzielle Einbußen fürchten müssen. Zwar ist der Umstand, dass letztere Staaten vornehmlich Archipelstaaten sind, angesichts der herausgearbeiteten Besonderheiten von Archipelbasislinien geeignet, etwaige Auswirkungen zeitlich zu verzögern, langfristig gesehen scheint ihr Eintritt indes unvermeidlich. Ist dies bereits Anlass genug, darüber nachzudenken, welche Handlungsoptionen es zur Problemlösung gibt, gilt dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass bewegliche Grenzen zu einer Erhöhung des globalen Konfliktpotenzials beitragen könnten. Denn wenn auch das Gegenteil vorstellbar erscheint – etwa wenn eine Insel, über die zwei Staaten streiten, untergeht –, ist es gerade vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen wahrscheinlicher, dass mit der aufkommenden Unsicherheit über Grenzverläufe Streitigkeiten einhergehen werden. Bisher anerkannte Vorrechte und Zuständigkeiten des Küstenstaats könnten infrage gestellt und im schlimmsten Fall – etwa dann, wenn ein Streit über Ressourcen eskaliert – sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Staaten führen. Was also kann getan werden, damit das Recht die Folgen des klimabedingten Meeresspiegelanstiegs nicht noch verschlimmert? In der Literatur werden dazu im Wesentlichen zwei Lösungen diskutiert; eine im Rahmen des geltenden Rechts und eine als Reformvorschlag außerhalb desselben. Welche dieser Handlungsoptionen – auch vor dem Hintergrund der bereits herausgearbeiteten Ergebnisse – letztendlich vorzugswürdig erscheint, soll nachstehend erörtert werden.
Eike Blitza

Zusammenfassung

Zusammenfassung
Les géographies […] sont les livres les plus précieux de tous les livres. Elles ne se démodent jamais. Il est rare que’une montagne change de place. Il est très rare qu’un Océan se vide de son eau, belehrte der Geograf Saint-Exupérys kleinen Prinzen. Der Geograf hatte Unrecht. Veränderungen der Erdoberfläche sind keine seltenen Ereignisse, sondern sie stellen den Regelfall dar. Allerdings – und insofern lässt sich ihm zustimmen – verlaufen sie meist so langsam, dass sie für den Menschen nicht wahrnehmbar sind. So geht man heute davon aus, dass der Meeresspiegel nach dem Ende der letzten Eiszeit für über 2000 Jahre nahezu konstant blieb. Mit der einsetzenden Industrialisierung änderte sich dies indes. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts steigt der Meeresspiegel stetig. Für den Zeitraum von 1901–2010 ist von einem durchschnittlichen Anstieg von 1,7 mm pro Jahr, insgesamt etwa 0,19 m, auszugehen. Betrachtet man nur die letzten Jahrzehnte, legen jüngste Messdaten einen fast doppelt so hohen Wert nahe. Die Meere steigen folglich nicht nur stetig, sondern auch wesentlich schneller. Dies hat Folgen, die anders als noch zuvor nicht nur messbar, sondern zunehmend auch wahrnehmbar werden. Küstenerosion ist überall in der Welt feststellbar. Ob mit Blick auf ein Atoll im Südpazifik, die auftauende Permafrost-Küste in der Arktis, das Delta des Mississipis oder die Südspitze Sylts – nahezu überall führt das steigende Meer zum Verlust von Land. Mögen sich die Konsequenzen, die sich dadurch für die Küstenbevölkerung ergeben, auch fundamental unterscheiden, ändert dies nichts daran, dass das Problem des Meeresspiegelanstiegs ein solches globaler Natur ist, welches ein Zusammenwirken aller Staaten erfordert.
Eike Blitza

Backmatter

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