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13.07.2016 | Automatisiertes Fahren | Nachricht | Onlineartikel

Jaguar Land Rover forscht an selbstfahrenden Geländewagen

Autor:
Christiane Brünglinghaus
3:30 Min. Lesedauer

Automatisiertes Fahren in jedem Terrain: Jaguar Land Rover demonstriert, wie sich Geländewagen autonom abseits der Straße bewegen und zu einer vernetzten Off-Road-Kolonne zusammenschließen können.

Jaguar Land Rover arbeitet am automatisierten Fahren. Nun hat der britische Autohersteller den Stand seiner Entwicklung zu einem automatisierten SUV für das Gelände präsentiert. Jaguar Land Rovers Forschungsprojekt "Autonomous all-terrain driving" (Autonomes Fahren im Gelände) zielt darauf ab, das selbstfahrende Fahrzeug für die maximale Bandbreite realer Fahr- und Wetterbedingungen auf und abseits der Straße vorzubereiten und zukunftssicher zu machen.

"Bei unserer Forschung zu selbstfahrenden Fahrzeugen geht es um mehr als autonomes Fahren auf der Autobahn oder unter extremen Off-Road-Bedingungen. Es geht darum, sowohl manuell als auch automatisch gesteuerte Fahrzeuge dabei zu unterstützen, jede Gelände- und Fahrsituation zu meistern", sagt Tony Harper, Head of Research bei Jaguar Land Rover. "Wir wollen zukünftige, hochautomatisierte und vollautonome Technologien nicht auf den Asphalt begrenzen. Unser Ziel ist es, den Fahrer auch abseits der Straße zu unterstützen. Zukünftig wollen wir dafür sorgen, dass der Fahrer die Vorteile automatischer Spurkontrolle vom Anfang bis zum Ziel seiner Reise genießen kann, selbst wenn diese auf einer Straße beginnt und anschließend über Feldwege oder Schotterpisten führt."

Ultraschallsensoren tasten die Oberfläche bis zu fünf Meter vor dem Auto ab

Um zu erkennen, wie der Untergrund beschaffen ist, werden Sensoren eingesetzt. Das Forschungsprojekt "Surface Identification and 3D Path Sensing" (Oberflächenidentifizierung und 3D-Streckensensorik) kombiniert Ultraschall-, Radar- und Lidar-Sensoren mit Kameras, um dem Fahrzeug einen 360-Grad-Rundumblick über seine Umgebung zu ermöglichen. Durch die Sensoren ist das Fahrzeug in der Lage, die zur Routenplanung notwendigen Oberflächencharakteristiken auch bei Regen und Schnee auf die Reifenbreite genau zu bestimmen.

Mit einer Reichweite von bis zu fünf Metern vor dem Fahrzeug können die Ultraschallsensoren Oberflächenbedingungen detailliert abtasten. Auf diese Weise passen sich die Einstellungen des Terrain-Response-Systems automatisch an, bevor der Fahrer von Asphalt auf Schnee oder von Gras auf Sand wechselt.

Identifizierung von Überkopf-Hindernissen

Abgerundet wird die 3D-Erkennung durch die Identifizierung von Überkopf-Hindernissen wie überhängenden Ästen oder Parkschranken. Der "Overhead Clearance Assist" (Kopffreiheit-Assistent) nutzt Stereo-Kameratechnik, um die Route nach überhängenden Hindernissen abzusuchen und zu prüfen, ob die vorgesehene Strecke frei passierbar ist. Vorab gibt der Fahrer die Fahrzeughöhe, die auch Dachboxen oder am Dach befestigte Fahrräder beinhalten kann, in das System ein und dieses warnt den Fahrer danach mit einer Botschaft im Infotainment-Touchscreen vor zu niedrigen Passagen. Darüber hinaus sind die Sensoren in der Lage, Unebenheiten des vor dem Fahrzeug liegenden Weges oder der Straße zu scannen und die Fahrzeuggeschwindigkeit automatisch anzupassen. Mithilfe von Kameras erkennt die "Terrain-Based Speed Adaption (TBSA)" (Geländespezifische Geschwindigkeitsanpassung) schwieriges Terrain wie unebene und wogende Oberflächen sowie Waschbrettpisten, Schlaglöcher und stehendes Wasser. Das System kann zudem die potenziellen Auswirkungen der verschiedenen Oberflächen auf das Fahrverhalten des Autos vorhersagen und die Geschwindigkeit automatisch anzupassen.

Vernetzte Off-Road-Kolonne

Darüber hinaus hat Jaguar Land Rover zwei Range Rover Sport mittels DSRC-Technologie (Dedicated Short Range Communications; gezielte Kurzstrecken-Kommunikation) miteinander verbunden und damit einen "Off-Road Connected Convoy" (vernetzte Off-Road-Kolonne) geschaffen. Das kabellose System für die Car-to-Car-Kommunikation teilt den beiden miteinander vernetzten Fahrzeugen zahlreiche Informationen des jeweils anderen unmittelbar mit. Dazu gehören Fahrzeugposition, Radschlupf und Veränderungen der Aufhängungshöhe sowie der Achsverschränkung ebenso wie jede Aktualisierung der Einstellungen der All-Terrain Progress Control (ATPC) und Terrain-Response-Systeme.

"Dieses C2C-Kommunikationssystem kann einen Fahrzeugkonvoi in jeder Off-Road-Umgebung nahtlos untereinander verbinden. Stoppt ein Fahrzeug, werden die anderen Autos im Konvoi alarmiert - falls beispielsweise die Räder eines Fahrzeugs in eine Vertiefung geraten oder an einem schwer zu überwindenden Felsblock ins Rutschen kommen, wird diese Information allen anderen Mitgliedern der Kolonne übermittelt", erklärt Tony Harper. "Zukünftig kann ein Verbund autonomer Fahrzeuge die geteilten Informationen nutzen, um ihre Einstellungen oder auch ihre Routenführung anzupassen und so bei der Bewältigung des Hindernisses zu helfen. In einem Safari-Szenario könnte ein vorausfahrendes Fahrzeug die ihm in Kolonne folgenden darüber informieren, wo sie langsamer fahren und anhalten sollten, damit ihre Passagiere die besten Fotos schießen können."

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