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30.01.2017 | Automatisiertes Fahren | Im Fokus | Onlineartikel

So sieht Apples Strategie für die Autoindustrie aus

Autor:
Christiane Köllner

Über Apples Auto-Pläne wird viel spekuliert. Was ist dran am iCar? Apple selbst und eine aktuelle Studie geben Einblick in die Pläne des Tech-Konzerns.

Apple macht ein großes Geheimnis um sein Projekt "Titan", das mutmaßliche Mobilitätsprogramm des Unternehmens aus Cupertino. Schon länger wird über die Mobilitätspläne des Computer- und Smartphone-Herstellers spekuliert. Was hat Apple vor? Will man ein eigenes Auto bauen oder digitale Plattformen für automatisierte Autos anbieten? Im vergangenen Herbst, nachdem Apple Hunderte Auto-Experten entlassen hat, schien es, als fahre Apple seine Autopläne radikal zurück. Vor wenigen Wochen kam dann anscheinend die Kehrtwende: Apple bestätigte erstmals gegenüber der US-Verkehrsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) seine Mobilitätspläne. Die Behörde hat öffentlich gemacht, dass es Apple ernst mit der Entwicklung eines selbstfahrenden Fahrzeugs meint. In einem Schreiben, das die NHTSA auf ihrer Website publiziert hat, gewährt Apple Einblick in die eigenen Pläne – zumindest indirekt.

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So investiere man "massiv in die Erforschung von maschinellem Lernen und der Automatisierung" und sei "enthusiastisch angesichts des Potenzials automatisierter Systeme in vielen Bereichen inklusive des Verkehrs", heißt es in dem Schreiben des Apple-Managers Steve Kenner, Director of Product Integrity. Der Brief vom 22. November 2016 an die Behörde hat aus Apples Sicht einen wichtigen Grund: Das Unternehmen will nämlich bei der Regelerstellung im Bereich autonomes Fahren mitwirken. So spricht sich Apple in dem Schreiben dafür aus, dass Entwickler von selbstfahrenden Autos Daten zu Unfällen und kritischen Situationen teilen sollten, um die Entwicklung schneller voranzutreiben.

Mobilitätslösung, die auch Sharing-Dienste umfasst

In welcher Form der iPhone-Hersteller allerdings genau beim automatisierten Fahren künftig mitmischen will und ob Apple gar ein eigenes Auto baut, bleibt weiterhin unklar. Eine Vermutung, wie Apples Mobilitätsprogramm aussehen könnte, hat das Frost & Sullivan-Mobility-Team: "In Anbetracht der jüngsten Welle an Einstellungen von Automobilexperten, Patentveröffentlichungen im Zusammenhang mit Technologien für ein vernetztes Auto und Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar wird Apple voraussichtlich eine vernetzte, autonome Mobilitätslösung anbieten, die auch Sharing-Dienste umfasst", so die Analysten der Beratungsfirma, die in der Studie Scenario Analysis of Apple’s Strategy to Enter the Car Industry mögliche Produkte und Dienste, die Apple mithilfe des Projekts "Titan" anbieten könnte, untersucht haben.

Nach Einschätzung der Analysten von Frost & Sullivan deute das Projekt Interesse an der Entwicklung einer Lösung an, die mit dem iPhone verbunden ist. "Der Apple-Eintritt in die Automobilindustrie wird dazu beitragen, das Ökosystem des Unternehmens zu vervollständigen, das bereits Software, Cloud-Speicherungsdienste und HomeKit umfasst und einen nahtlosen Zugang zu persönlichen Daten sowohl von Zuhause als auch von unterwegs gewährt”, erläutert Frost & Sullivan-Mobility-Research-Analyst Ajay Natteri. "Die Übernahme von Unternehmen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und dem maschinellen Lernen weist auf ein Interesse an der Entwicklung von Servicelösungen für die Automobilindustrie hin, die mit dem iPhone in Verbindung stehen."

Digitales Ökosystem

Apples Strategie würde damit in Einklang stehen, was Alexander Stocker und Christian Kaiser im Artikel Quantified Car: Potenziale, Geschäftsmodelle und Digitale Ökosysteme aus der e & i 7-2016 als "digitales Ökosysteme für Quantified Cars“ bezeichnen, also "das systematische Sammeln der Lebenszyklusdaten eines Fahrzeugs in der Nutzungsphase und darauffolgend die intelligente Analyse, um für unterschiedliche Stakeholder einen Nutzen zu stiften." Im Vergleich zur bereits etablierten Quantified-Self-Bewegung befinde sich die Quantified-Car-Bewegung gerade in Europa aber noch am Beginn, so die Autoren. Grund dafür seien die vor allem in Deutschland stark verankerten datenschutzrechtlichen Bedenken gegenüber datenhungrigen Autos. „Nicht nur deswegen ist davon auszugehen, dass eine radikale datengetriebene-Innovation im Umfeld Quantified Car nicht unbedingt durch die europäischen Fahrzeughersteller aus Sicht der Technologieentwicklung stattfinden wird“, prognostizieren die Autoren.

Und hier könnte Apple ins Spiel kommen. Denn wer die Datenhoheit hat, kann vielleicht irgendwann auch die Hoheit über den Automobilbau haben. Gerade Konzerne wie Google, Facebook oder Apple sind derzeit viel erfolgreicher im Geschäft mit den Daten als traditionellen Fahrzeugbauer – und bei automatisierten Fahrzeugen fallen Unmengen an Daten an. So erklärt sich auch das Interesse der digitalen Unternehmen an selbstfahrenden Autos. Die Autoren von Strategy Engineers formulieren es in ihrem Artikel Überlebensstrategien im Rennen um vernetzte, autonome Fahrzeuge aus der ATZ 11-2016 folgendermaßen:

Der Bedarf nach der Entwicklung von Systemen, die sowohl vernetzt sind als auch KI besitzen, ist der Hauptgrund, weshalb digitale Unternehmen wie etwa Google und Apple angefangen haben, die Automobilindustrie ins Visier zu nehmen."

Das Hauptziel der digitalen Wettbewerber sei es, ein voll integriertes Benutzererlebnis zu bieten und dabei von der frei werdenden Zeit des Fahrers zu profitieren. "In den Themen wie der künstlichen Intelligenz, der Datenverarbeitung, der Software und der daraus abgeleiteten Hardwarearchitektur haben sie in der letzten Zeit viel Know-how aufgebaut und besitzen den klassischen Automobilherstellern gegenüber einen gewissen Wissensvorsprung", ergänzen die Autoren.

Allerdings liegt vor Apple noch ein langer Weg, bevor sein autonomes Fahrzeug Wirklichkeit wird. "Da beim Bau von autonomen Fahrzeugen Automobil- und Technologieunternehmen zusammenarbeiten, schlägt dem U.S.-Giganten voraussichtlich harte Konkurrenz entgegen, wenn es seine Produkte beziehungsweise Dienste auf den Markt bringt", schätzt Frost & Sullivan-Mobility-Research-Analyst Ajay Natteri. Hinzu komme, dass das Wachstum in den ersten Jahren durch die Angst der Kunden vor vollkommen autonomen Fahrzeugen, der Rechtslage in Bezug auf die Nutzung von autonomen Fahrzeugen und die Frage der Unfallhaftung gebremst werden könnte. Und am Ende bleibt immer noch ein Dilemma: Wenn Apple Autobauer werden will, dann muss der Konzern eine Zulieferkette zu beherrschbaren Kosten realisieren – eine Leistung, für die die Autoindustrie viele Jahre gebraucht hat.

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