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09.03.2018 | Automatisiertes Fahren | Nachricht | Onlineartikel

Hochschulen und Industrie entwickeln autonomes Elektroauto

Autor:
Markus Schöttle

Sieben deutsche Universitäten und sechs Industrieunternehmen bauen in den kommenden vier Jahren autonom fahrende Elektroauto-Prototypen. Unicaragil heißt das nun angeschobene Projekt.

Im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Projekts "Unicaragil" haben sich die führenden deutschen Hochschulen im Automobilbereich mit ausgewählten Forschern aus der Industrie zusammengeschlossen, um das Fahrzeug und seine Entwicklungsprozesse nach eigenen Aussagen "revolutionär neu zu denken". Das Projektkonsortium unter Leitung von Professor Lutz Eckstein, Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen, wird im Rahmen des vierjährigen Projekts eine neue disruptive, modulare und agile Fahrzeugarchitektur sowie Plattform konzipieren. "Die Gestaltung eines sicheren Fahrens steht absolut im Vordergrund. Das ist Grundvoraussetzung für die Akzeptanz durch die Gesellschaft", sagt Eckstein. Nach der jüngsten Studie des TÜV Rheinland sind Autofahrer in Deutschland, China und den USA davon überzeugt, dass die Verkehrssicherheit bei zunehmender Automatisierung abnimmt.

Das Konsortium

Neben der RWTH Aachen sind die Technische Universität Braunschweig, Technische Universität Darmstadt, Technische Universität München, Universität Stuttgart, Universität Ulm und das Karlsruher Institut für Technologie beteiligt. Das Projektkonsortium umfasst sechs Professoren aus dem Netzwerk des Uni-DAS, die das Projekt initiiert haben. Hinzu kommen weitere Partner aus der Wissenschaft sowie Firmen aus den Bereichen Antrieb, Simulation, IT-Sicherheit, Embedded Software und Systeme, Kommunikation, Kartierung und Lokalisierung, Logistik sowie Elektromobilität. Zu den Industriepartnern zählen Atlatec, Flyxdrive, Imar Navigation, IPG Automotive, Schaeffler Technologies und Vires Simulationstechnologie.

Neue Ansätze der Entwicklung

Am Ende des Forschungsprojekts sollen vier autonom fahrende Elektromobil-Prototypen gebaut werden: Neben dem sogenannten Familienhelfer, ein Taxi, ein Liefer- und ein Shuttlefahrzeug. Ziel des Konsortiums sei es, Standards vorzubereiten, wie man solche automatisierten Fahrzeuge gestalten kann. Denn die künftigen Fahrzeugkonzepte erfordern eine wesentlich zentralisiertere und leistungsfähige Informationsverarbeitung und -übertragung im Kraftfahrzeug und damit eine Abkehr von etablierten Architekturen und Prozessen, geben die Forscher zu bedenken. Die in der Automobilindustrie vorherrschenden und in den letzten 130 Jahren bewährten Methoden der evolutionären Weiterentwicklung bestehender Systeme und Konzepte hätten nur begrenzt Erfolg.

Anleihen aus der IT-Industrie

Die Forscher nutzen Anleihen aus der IT-Industrie – mit ihren schnellen Entwicklungszyklen und Aktualisierungsmechanismen genommen. Basis ist ein modulares und skalierbares Fahrzeugkonzept, bestehend aus Nutz- und Antriebseinheiten, das sich flexibel an vielfältige Anwendungsfälle in Logistik und Personentransport anpassen lässt. Kernelement der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ist die funktionale Fahrzeugarchitektur, die mit der Cloud, der Straßeninfrastruktur und sogenannten Info-Bienen (Drohnen als fliegende Sensorcluster) vernetzt ist. Weitere Schwerpunkte liegen in der Entwicklung generischer Sensormodule für die Umfelderfassung, einer flexibel erweiterbaren und update-fähigen Software- und Hardware-Architektur sowie Dynamikmodulen zum individuellen Lenken, Antreiben und Verzögern einzelner Räder, die völlig neue Bewegungsformen im Straßenverkehr erlauben.

Für ihre Forschung stehen den Wissenschaftlern und Partnern 23,4 Millionen Euro zur Verfügung. 94 Prozent davon kommen vom BMBF. „Mit Unicaragil starten wir ein in Deutschland einzigartiges Leuchtturmprojekt“, betonte der Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel bei der Auftaktveranstaltung am 8. März 2018 in Aachen. Der Bedarf an alltagstauglichen Elektrofahrzeugen sei groß, ob als Taxi oder Lieferfahrzeug. 

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