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15.10.2020 | Automatisiertes Fahren | Nachricht | Onlineartikel

Autonomes Fahren benötigt eine klare Daten- und KI-Strategie

3:30 Min. Lesedauer

Autor: Robert Unseld

Die Verarbeitung der riesigen Datenmengen ist eine Hürde auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren. Das ist ein Ergebnis der ATZ-Fachtagung "Automatisiertes Fahren", die in Wiesbaden sowie virtuell abgehalten wurde.

An der hybrid durchgeführten ATZlive-Konferenz "Automatisiertes Fahren", die vom 13. bis zum 14. Oktober 2020 in Wiesbaden und virtuell via Live-Stream stattfand, haben rund 120 Entwicklerinnen und Entwickler teilgenommen. Willkommen geheißen wurden sie vom wissenschaftlichen Leiter der Tagung, Professor Torsten Bertram, TU Dortmund, und Dr. Alexander Heintzel, Chefredakteur der ATZ | MTZ-Gruppe. In sechs Keynotes und 23 Vorträgen zeigten die Vortragenden zahlreiche interessante Aspekte für den Weg hin zum hochautomatisierten Fahren auf. Das Thema steckt sowohl technisch als auch von der Rechtsprechung her noch in den Kinderschuhen. 

Zumal nach ersten Realisierungen noch die Hürde der Akzeptanz der Bevölkerung genommen werden will. "Erst bei einer breiten Nutzung des automatisierten Fahrens kommt der Nutzen richtig zum Tragen", sagte Sigrid de Vries, Secretary General der CLEPA (Comité de Liaison Européen des Fabricants d'Equipements et de Pièces Automobile, Europäischer Verband der Automobilzulieferer). Dazu gibt es seitens der CLEPA schon länger einen Call-to-action in Richtung eines noch zu schaffenden globalen Rahmenwerks für die Umsetzung des hochautomatisierten Fahrens, das ebenso nötig sei wie ein fairer Zugang zu Fahrzeugdaten für unterschiedliche Marktteilnehmer.

Autonomes Fahren und Datenverarbeitung 

Dass es noch ein relativ weiter Weg ist, schilderte Robert Lokner, Senior Industry Solutions Manager Automotive bei Microsoft EMEA. Nach den Projektionen von Microsoft werden aber 2030 doch schon zehn bis 15 Prozent aller Fahrzeuge autonom fahren. Wichtig für die Entwicklung sei dafür unter anderem das Ökosystem für die Daten, vom Requirement Engineering über die Homologation bis hin zur Traceability. 

Es gibt noch viele Themen, die im Rahmen einer leistungsfähigen Entwicklungsumgebung weitergetrieben werden müssen. Naturgemäß steht für Microsoft der Bereich Datenverarbeitung als solcher stark im Mittelpunkt: Helfen wird bei der Umsetzung des automatisierten Fahrens, dass Petabyte-große Datenmengen heute in Tagen statt Wochen verarbeitet werden und dass diese Perfomance stetig wächst. Was man laut Lokner als Anbieter autonomer Mobilität aber auf jeden Fall braucht: "eine klare Daten- und KI-Strategie."

Entwicklung und Validierung

Dabei bleiben neben den immer noch sehr großen Herausforderungen bei der Entwicklung und Validierung der Systeme, ihres Zusammenspiels und der KI noch viele Dinge, deren Umfang sich erst erahnen lässt: Im Blick behalten werden muss beispielsweise der Punkt neuer Fehlerquellen, die erst im Zusammenspiel des Gesamtsystems auftreten, der Punkt der Eigenprüfung auf Systemgesundheit und der Punkt der Aufrechterhaltung und Wartung der KI und der Sensorik/Aktorik über die gesamte Fahrzeuglebensdauer.

Ob das autonome Fahren das Ticket für die Mobilität der Zukunft ist, diskutierte Ralph Lauxmann, Senior Vice President AMS Strategy & Future Solutions bei Continental Teves – wie diese Zukunft genau aussehen wird, bleibt spannend und mag sich je nach Bereich, ob Stadt oder Land durchaus als recht heterogen herausstellen.

Hybride Veranstaltung mit großem Zuspruch

Die zweizügige Veranstaltung wurde wegen der Vielzahl interessanter Einreichungen teilweise parallel abgehalten, aufgeteilt auf die drei Oberthemen Plan and Think, Sense und Act. Dank der Möglichkeiten zu Q&As und der Chatforen für Fragen gab es lebhafte Einzeldiskussion bei den meisten Vorträgen. Der inzwischen übliche Live-Stream mit Q&A-Funktion wurde als Teil des Hygienekonzepts auch von den vor Ort anwesenden genutzt, um die Übergabe und Desinfektion von Mikros zu vermeiden. Eine Ausstellung mit Ständen von ETAS, Edag, IPG, Munich Systems, DSpace sowie Continental (virtuell) bereicherte das von ATZlive zusammen mit den Partnern Continental und Etas veranstaltete Event. Die Teilnehmer konnten sich so auch in den Pausen mit Zusatzinformationen versorgen.

Erstmals fand auf der Veranstaltung auch ein Science Pitch statt, bei dem sich verschiedene Forscher von der TU Darmstadt sowie der TU Dortmund mit ihren Projekten beispielsweise zur Umfelderkennung, Sensorarchitektur oder Trajektorienplanung vorstellen konnten.

Die nächste ATZlive-Fachtagung "Automatisiertes Fahren" findet am 08. und 09. Juni 2021 wieder in Wiesbaden statt, der Call for Papers ist online zu finden unter http://www.atzlive.de/c4p-aufa.

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