Zum Inhalt

Robotaxis setzen sich in China durch

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

In Chinas fahren immer öfter autonom fahrende Taxis durch die Großstädte – nicht zur Freude aller. Deutschland ist da noch nicht so weit. Was können Verbraucher von der Technologie erwarten? 

Das chinesische Techunternehmen Baidu hat mit Apollo Go Robotaxi-Dienst ins Leben gerufen.


Als der Linienbus plötzlich auf der rechten Spur anfährt, gerät der Autopilot kurz ins Trudeln – auf freier Fahrbahn bremst das Robotaxi abrupt ab. Ein Laster dahinter zieht deshalb links vorbei – der Autopilot muss schnell gegenlenken. Wer im von Fabriken und hohen Bürotürmen geprägten Stadtteil Yizhuang in Chinas Hauptstadt Peking von A nach B will, kann sich mittlerweile ein autonom fahrendes Taxi ohne Fahrer bestellen.

Preislich lohnt es sich allemal: Die rund 8,4 km lange Fahrt gibt es für etwas mehr als elf Yuan, also umgerechnet rund 1,40 Euro. Robotaxi-Anbieter unterbieten die Preise im ohnehin günstigen Fahrdienst-Geschäft und wollen so die Nase vorn haben. 

Empfehlung der Redaktion

01.02.2024 | Forschung

Vom Testgelände auf die Straße - Ein Blick auf den weltweiten Stand der Shared Autonomous Vehicles

Der kommerzielle Betrieb geteilter autonom fahrender Fahrzeuge wird den globalen Mobilitätsmarkt in den nächsten Jahren stark verändern. Eine solche Marktrevolution bietet nicht nur Chancen für traditionelle Branchenführer, sondern auch für neue Marktteilnehmer wie Technologieunternehmen, Mobilitätsdienstleister oder Start-ups. Mit einem im „PwC Lab for Smart Mobility“ des Instituts für Mobilität der Universität St. Gallen (IMO-HSG) und PwC Deutschland durchgeführten Benchmarking werden die globale Situation aufgezeigt, vielversprechende Akteure identifiziert und mögliche Markthochläufe skizziert.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das sich wie von Geisterhand drehende Lenkrad in dem Elektroauto allerdings schon. Der Wagen hält sich – anders als die übrigen Verkehrsteilnehmer – stoisch an die vorgegebenen 50 km/h. Bei geringster Gefahr bremst der Computer im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich schnell ab. 

Mehr als 30 Städte in China haben Test-Lizenzen für autonomes Fahren verteilt. Die Robotaxis sind eher in den Megacities unterwegs. In Peking sitzt jedoch noch ein Mensch auf dem Fahrersitz, der im Notfall zum Lenkrad greifen kann. Wuhan in Zentralchina, das durch die Corona-Pandemie traurige Bekanntheit erlangte, ist da schon weiter: Dort fahren die etwa 100 Taxis von Apollo Go bereits ohne Hilfe. Hinter dem Anbieter steckt der Techriese Baidu, Chinas Pendant zu Google. Per Handy-App ruft man das Taxi. Um die Hintertür zu öffnen, scannt der Fahrgast einen Code. Innen gibt man auf einem Bildschirm eine zuvor per SMS erhaltenen Pin ein – und dann geht es los. 

Robotaxis nicht bei allen beliebt

In Peking mit seinen sechs Autobahnringen und oft verstopften Straßen dürfen Robotaxis bislang nur in bestimmten Bereichen fernab des Zentrums fahren. Doch Taxifahrer sind bereits genervt: Wenn einer der Lieferfahrer mit dem Roller nicht auf der normalen Spur fahre, könne das Robotaxi nicht damit umgehen, sagt Herr Li, der für einen der vielen chinesischen Fahrdienste ähnlich wie Uber arbeitet. "Die Straßenverhältnisse sind einfach sehr komplex." Die Robotaxis fahren deshalb oft langsamer oder bremsen aus Vorsicht ab.

Unweit des Testgebiets lädt Taxifahrer Hao gerade sein Elektroauto. Großen Wettbewerb sieht er durch die autonom fahrende Konkurrenz nicht. "Peking ist voll von Menschen, die in Eile sind", sagt er. Die Robotaxis seien nicht so flexibel wie echte Fahrer, die die Route für ihre Passagiere, die schnell zum Bahnhof oder zur Arbeit wollten, anpassen, sagt er während er das Ladekabel aus dem typisch orange-blauen Taxi zieht. Sorgen um die Zukunft macht er sich deshalb nicht. "Wenn das hier kein Geld mehr einbringt, kann ich auf einen anderen Job wechseln", sagt er. 

In Deutschland herrscht teils Skepsis

In Deutschland sind chinesische Verhältnisse in der Taxibranche noch Zukunftsmusik. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik seien strenger und erforderten eine hohe Sicherheit und Haftbarkeit der Systeme, sagt Philipp Kupferschmidt von Unternehmensberatung Accenture. "Zum anderen gibt es in Deutschland auch eine größere Skepsis und Zurückhaltung seitens der Verbraucher gegenüber dem autonomen Fahren."

Wenig überraschend hat Deutschland hat laut Pedro Pacheco, Autoanalyst der Marktforschungsfirma Gartner, im Vergleich weit weniger Firmen, die in diesem Bereich arbeiten. Bislang kurven in München oder Hamburg Elektro-Bullis von Volkswagen in Partnerschaft mit der Softwarefirma Mobileye durch die Straßen – allerdings im Testbetrieb. In Hamburg sollen Kunden in diesem Jahr damit noch Testfahrten machen können.

Was Verbraucher erwarten können

Dabei war Deutschland laut Peter Fintl, Branchenkenner und Vizepräsident für Technologie und Innovation bei Capgemini Engineering, bereits in den 1980er Jahren maßgeblich an der Entwicklung des autonomen Fahrens beteiligt. Doch die Entwicklungspfade spalteten sich auf. In China und den USA hätten die Hersteller eher darauf abgezielt, den vollautomatisierten Betrieb zu erreichen. In Deutschland hätten sich die Hersteller für den "evolutionären Ansatz" entschieden, sagt Fintl – also bestehende Fahrassistenzsysteme weiterzuentwickeln. 

Was können Verbraucher in Deutschland also von der Technologie erwarten? Kupferschmidt rechnet mit einer schrittweisen Einführung und Erweiterung des Einsatzgebiets von autonomen Fahrzeugen und Robotaxis. Die Autos würden noch überwiegend von einem Menschen oder einer Fernsteuerung überwacht und begleitet. Unklar sei allerdings, ob die Technologie jemals auf Level 5 operieren werde – quasi die Königsdisziplin, bei der das Auto alles übernimmt. "Mit Blick auf die aktuell aufgabenbasierten KIs bezweifle ich das", sagt Kupferschmidt.

Weitere Einführungen stehen bevor

Rechtlichen Grundlagen hatte der Gesetzgeber bereits festgelegt. In ausgewiesenen und genehmigten Bereichen wie auf einem Messegelände kann zum Beispiel ein autonom fahrender Shuttlebus verkehren. Bei den großen Herstellern wie BMW, Mercedes und Volkswagen ist autonomes Fahren ohnehin schon Thema. Level 5 liegt allerdings eher in der Ferne. Viele dürften aber Funktionen aus Level 2 kennen, wie die Einparkautomatik. 

Fintl bemerkt: "Teilautomatisierung wie etwa der Autobahnpilot haben den Sprung in die Serie geschafft." Die Einführung solcher Systeme in der Mittelklasse stehe bevor. Bei der Frage nach Robotaxis auf deutschen Straßen ist Konkurrenz – ihm zufolge – jedoch eine Länge voraus: Auch wenn die Technologie noch weiter reifen müsse und die Kostenvorteile im Vergleich zum menschlichen Fahrer noch zu beweisen habe, seien die großen Versuchsflotten in den jeweiligen Ländern doch ein signifikanter Vorteil, sagt er.

print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das Robotaxi – eine kritische Einschätzung

Das Robotaxi gilt aktuell als der heilige Gral der Ingenieurskunst. Technologisch faszinierend soll dieser Artikel allerdings auch die Schattenseiten und Hindernisse beleuchten und schlägt einen alternativen Weg über geteilte Fahrten mit …

Fahrerlose Shuttles als Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs

Fahrerlose Shuttles sind bereits heute in vielen Ländern im Piloteinsatz. Der Einsatz der Shuttles lässt sich durch die Definition einer sehr reduzierten Operational Design Domain (ODD) beschleunigen. In dieser werden die Fahrzeuge dabei zumeist …

Roadmap

Das autonome Fahren wird kommen, die Frage ist lediglich, wann das sein wird.

Automatisiertes Fahren im öffentlichen Verkehr

  • Entwicklung

Um das hochautomatisierte Fahren zu bewerten, führt die fka Pilotstudien im öffentlichen Verkehr durch. Hierfür wurde eine automatisierte Fahrfunktion entwickelt und in ein Erprobungsfahrzeug integriert. Die Erprobung findet dabei auf …

Automatisiertes/Autonomes Fahren

Die Entwicklung des automatisierten Fahrens verfolgt mehrere Ziele: Es soll die Sicherheit im Fahrzeugverkehr soweit erhöhen, dass die Unfallzahlen gegen Null gehen. Gleichzeitig wird der Fahrkomfort für den Fahrer gesteigert. Und durch eine Vernetzung der automatisierten Fahrzeuge untereinander kann der Verkehrsfluss insgesamt optimiert werden.

    Bildnachweise
    Baidu hat mit Apollo Go Robotaxi-Dienst ins Leben gerufen./© Robert / stock.adobe.com, AVL List GmbH/© AVL List GmbH, dSpace, BorgWarner, Smalley, FEV, Xometry Europe GmbH/© Xometry Europe GmbH, The MathWorks Deutschland GmbH/© The MathWorks Deutschland GmbH, IPG Automotive GmbH/© IPG Automotive GmbH, HORIBA/© HORIBA, Outokumpu/© Outokumpu, Hioko/© Hioko, Head acoustics GmbH/© Head acoustics GmbH, Gentex GmbH/© Gentex GmbH, Ansys, Yokogawa GmbH/© Yokogawa GmbH, Softing Automotive Electronics GmbH/© Softing Automotive Electronics GmbH, measX GmbH & Co. KG