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"Geht man standardisiert vor, bringt das alle Unternehmen voran"

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Plattformökonomie setzt voraus, Daten offenzulegen. Das ist nicht wirklich neu. Liegen sie jedoch wie bei Manufacturing-X standardisiert und digital vor, bringt dies laut Benedikt Rauscher von Pepperl und Fuchs zahlreiche Vorteile für Unternehmen mit sich.

Benedikt Rauscher ist Leiter Globale Industrie 4.0 und IoT-Projekte bei Pepperl+Fuchs.


springerprofessional.de: Herr Rauscher, Teil eines Ökosystems wie Manufacturing-X zu werden, setzt einen gewissen Digitalisierungsgrad voraus.

Benedikt Rauscher: Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung: Wenn man Daten digital teilen will, müssen sie digital vorliegen. Sie müssen aber auch richtig strukturiert sein, sie müssen in der geforderten Form, Sprache und Semantik existieren, auf die man sich geeinigt hat. Oder die Daten sind entsprechend aufzubereiten. Dabei ist es die Herausforderung, die Daten aus unterschiedlichen Datensilos zusammenzusuchen. Denn bei lang existierenden Unternehmen mit erfolgreichen Produkten liegen die entsprechenden Daten meist nicht zusammen. Das hat ablauftechnische, prozesstechnische, aber auch historische Gründe. Daher muss man wissen: Wo liegen denn jetzt meine Daten?  

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Daten zu teilen und vergleichbar zu machen, beinhaltet noch einen weiteren Aspekt, nämlich, sie offenzulegen. Wie bewerten Sie diesen Umstand?

Wir gehen sehr kooperativ mit unseren Marktbegleitern um, weil wir alle am selben Strang ziehen. Natürlich macht es ein Produkt vergleichbar, wenn die Daten alle in gleicher Weise aufbereitet werden. Aber das war bisher auch schon so: Wenn ein Kunde einen induktiven Sensor kaufen möchte, konnte er sich die benötigten Daten von den verschiedenen Anbietern aus dem Internet holen. Um sie zu vergleichen, musste er sie vielleicht ein bisschen bearbeiten. Daher macht es keinen Sinn, aus den Daten ein Geheimnis zu machen. Geht man nun standardisiert vor, bringt das alle Unternehmen voran. Macht man es hingegen nicht, hat dies zur Folge, dass man in den entsprechenden Katalogen nicht auftaucht und somit auch nicht ins Auswahlverfahren kommt.

Im Kontext der Initiative Manufacturing-X fällt immer wieder der Begriff Datensouveränität. Wie kann dieser Begriff vor dem Hintergrund des Teilens und der Zusammenarbeit verstanden werden?

Unter Datensouveränität verstehen wir, dass an die Daten erst einmal nur Berechtigte dürfen. Bei Manufacturing-X hat man natürlich zudem den Safe Harbor-Gedanken im Blick: Man möchte ein Hosting in Europa haben, man möchte sicher sein, dass die Daten nur so verwendet werden, wie man es möchte und niemand sonst Zugang darauf erhält. Dafür braucht es eine entsprechende Security. Natürlich dürfen die Daten auch nicht manipulierbar sein. Und die Infrastruktur, die benutzt wird, um die Daten auszutauschen, muss gegen unterschiedlichste Einflüsse resilient sein.

Würden Sie die Hintergründe nennen, die für Pepperl und Fuchs dazu geführt haben, sich bei Manufacturing-X zu beteiligen?

Wir sind zwar kein kleines, aber immer noch ein mittelständisches Unternehmen, das auf partnerschaftliche Kooperationen angewiesen ist – mit unseren Kunden, mit unseren Zulieferern, aber auch mit unseren Marktbegleitern. Dafür muss man etwas tun. Es nützt nichts, wenn man das alleine macht. Allerdings wollen wir diese Kooperationen mitgestalten: Zum einen haben wir ausreichend Erfahrungen und können uns somit gut einbringen, zum anderen haben wir natürlich auch unsere Geschäftsinteressen im Auge. Kurz: Wir wollen ein solches Ecosystem von Beginn an mitgestalten, nicht zuschauen und uns nachher beschweren, dass es nicht so ist, wie wir es haben wollen. 

Das bedeutet, dass unter anderem auch Ihre Zulieferer mitziehen müssen.

Das machen sie, sie stehen ja letztlich vor denselben Herausforderungen. Auch für sie wird es damit einfacher. Stellen Sie sich vor, wir haben einen Zulieferer für die Fertigung externer Mechanik: Früher schickten wir ihm Konstruktionspläne in Papierform, später Dateien. Die legt er ab, arbeitet daran und entwickelt Produkte, die erneut Produktionsdaten generieren. Die dann aber nur auf seinen Systemen liegen. Mit einem gemeinsamen Daten-Ecosystem kann er direkt lesend auf unsere Konstruktionsdaten zugreifen, weiß, was er zu machen hat und kann seine Produktionsdaten wieder in unsere Systeme einspielen – ohne, dass jemand Excel-Listen abgetippt oder Datenblätter einscannt. Das wird automatisch gehen. Auch Updatevorgänge sind transparent und einfacher durchzuführen. So wird die Supply Chain sicherer und transparenter.

Neben der Supply Chain geht es aber auch um die Fertigungsprozesse, oder?

Manufacturing-X setzt bei der Supply Chain an. Aber es geht nicht nur um den reinen Informationsaustausch, sondern zieht sich bis hin zum Bezahlvorgang mit zum Beispiel Micro Payments. Manufacturing-X setzt also am Produktentstehungsprozess an, sorgt aber auch für das reibungslose Zusammenlaufen des Fertigungsprozesses. Das ist ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt. Und nicht zu vergessen der Carbon Footprint oder Product Passport. Zum Beispiel bei Batterien: Wird der Battery Passport mitgeliefert, weiß man, was in so einem Produkt drin ist, kann nachvollziehen, wie es produziert wurde und weiß, wie es später vielleicht entsorgt werden soll.

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Lesen Sie auch Teil 1 des Interviews unter dem Titel "Vergleichbarkeit ist nur bei identischen Bedingungen gegeben". Darin erläutert Benedikt Rauscher, wie Manufacturing-X funktioniert und wie einzelne Produkte darin eingebunden werden können.

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