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Automatisierung ist ein dauerhaftes Architekturprinzip

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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll Automatisierungsprojekte schneller zum Erfolg führen. Das klingt verlockend. Doch in der Praxis fehlen oft wichtige Voraussetzungen. Wer KI als Beschleuniger nutzen will, muss früher ansetzen, als viele erwarten.

Ohne konsolidierte Daten, Orchestrierung und integrierte Sicherheit bleibt Automatisierung Stückwerk.


86 Prozent der mittelgroßen und großen Unternehmen in Deutschland erkennen in Automatisierung einen wichtigen Hebel, um in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld handlungsfähig zu bleiben, viele Initiativen bleiben jedoch im Pilotstadium stecken. Ursache sind Strukturen, die Automatisierung ausbremsen. Wird Künstliche Intelligenz (KI) dabei zum Gamechanger? Ja, wenn sie strategisch richtig integriert wird, wie die folgenden sieben Tipps zeigen.

1. Vor der Automatisierung steht die Modernisierung von Altsystemen

Legacy-Systeme sind ein Bremsklotz für Automatisierung. Deutsche Unternehmen weisen innerhalb Europas vor allem in Schlüsselbranchen wie Fertigung, Autoindustrie, Finanzwesen, Energie und Logistik die stärkste Abhängigkeit von Altsystemen auf. Obwohl bei Industrie 4.0 führend, arbeiten viele von ihnen noch mit lokalen Enterprise-Resource-Planning-Instanzen (ERP), isolierten Datenbeständen und über 20 Jahre alten Architekturen. Die gewachsenen Systemlandschaften binden Ressourcen: 55 bis 70 Prozent der IT-Budgets fließen allein in Wartung und Betrieb der Altsysteme. Entsprechend gering ist der Spielraum für Innovation, KI-Initiativen und Automatisierung.

Dass Unternehmen dennoch an ihren bestehenden Systemen festhalten, liegt auch daran, dass viele Modernisierungsprojekte scheitern oder deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Hauptursachen sind Integrationsprobleme, mangelhafte Datenqualität und organisatorischer Widerstand. Fragmentierte IT-Landschaften und inkompatible Systeme verstärken diese Risiken und machen Transformationsvorhaben langwierig, teuer und schwer skalierbar.

2. Ohne Orchestrierung bleibt Automatisierung Stückwerk

Gut die Hälfte aller Automatisierungsprojekte scheitert oder kommt über Insellösungen nicht hinaus. Schnittstellen, Application Programming Interfaces (APIs) und Datenbereinigung treiben die Komplexität und lassen Budgets ausufern. Was als Effizienzinitiative startet, endet nicht selten in voneinander getrennten Einzellösungen ohne strategischen Mehrwert.

Unternehmen, die frühzeitig auf Orchestrierungsplattformen setzen, erreichen eine bessere Skalierbarkeit über End-to-End-Prozesse hinweg. Entscheidend ist dabei eine zentral gedachte Integrations- und Steuerungsebene. Für echte Zukunftsfähigkeit reicht es nicht, bestehende Systeme lediglich zu migrieren. Notwendig ist eine ganzheitliche Modernisierung mit einheitlichen Datenmodellen, serviceorientierten Architekturen, klaren Governance-Rahmen und Security by Design. Erst so entstehen durchgängige digitale Prozessketten, auf denen Automatisierung und KI nachhaltig aufbauen können.

3. Die Voraussetzungen müssen stimmen

Ein systematischer Ansatz beginnt mit der Bestandsaufnahme aller Anwendungen, Datenbanken und Schnittstellen, gefolgt von der Bewertung von Abhängigkeiten und Datenqualität. Funktionale Komponenten monolithischer Systeme werden in Microservices oder serviceorientierte Architekturen (SOA) mit standardisierten APIs überführt. So können Automatisierungsplattformen auf Workflow‑relevante Daten zugreifen, ohne dass Kernsysteme komplett ersetzt werden müssen. Unklare Schnittstellen, inkonsistente Datenmodelle und verborgene Prozessabhängigkeiten lassen sich frühzeitig beheben. Am Ende steht eine skalierbare End-to-End-Automatisierung, die DSGVO, EU AI Act und Industrie 4.0 erfüllt.

Diese Vorbereitung verändert die Rolle der IT: Sie wird zum Architekten wiederverwendbarer Services. Fachbereiche profitieren von schnelleren Umsetzungszyklen. Gleichzeitig sinkt das Risiko groß angelegter Transformationsprogramme, da Modernisierung kontrolliert und schrittweise an klar definierten Schnittstellen erfolgt statt als riskanter "Big Bang".

4. Erfolgreiche Teams konsolidieren Daten zeitnah

Automatisierung scheitert selten an Rechenleistung und häufig an fragmentierten Strukturen. Redundante oder veraltete Daten in Silos verhindern belastbare Entscheidungen. Erfolgreiche Teams konsolidieren Daten deshalb früh, definieren einheitliche Datenmodelle und führen Informationen in zentralen Repositories wie Data Warehouses, Data Lakes oder Lakehouses zusammen.

Technische geht Hand in Hand mit organisatorischer Konsolidierung: Customer Relationship Management (CRM), Service Desk, Marketing, ERP und Wissensmanagement etablieren gemeinsame Begriffe, Zugriffsregeln und Entscheidungslogiken. Sicherheitsrichtlinien sichern Compliance. Nur bei organisationsübergreifender Nutzung entfalten Automatisierung und KI ihr Potenzial.

5. Zusammenspiel von Kernsystemen schafft die Basis

Mit der Modularisierung von Anwendungen und der Konsolidierung von Daten ist die Voraussetzung für Automatisierung geschaffen, aber noch nicht ihre Wirksamkeit im operativen Betrieb. In dieser Phase verschiebt sich die Herausforderung von der technischen Sanierung von Einzelsystemen zur Steuerung abteilungsübergreifender Prozesse. Erst das Zusammenspiel von Kernsystemen wie CRM, ERP oder Human Resources (HR) schafft die Basis für den produktiven Einsatz von KI, denn Large Language Models (LLMs) kompensieren keine inkonsistente Prozess- und Datenbasis.

Plattformstrategien zielen auf eine steuerbare Integrations- und Orchestrierungsschicht, die über Schnittstellen hinausgeht. Sie definiert Prozesslogik, Zustände und Rollen systemübergreifend. So behalten Unternehmen die Kontrolle über End-to-End-Prozesse auch dann, wenn Anwendungen ausgetauscht werden. Automatisierung ist nur dann skalierbar, wenn Integration nicht als Projekt, sondern als dauerhaftes Architekturprinzip verstanden und etabliert wird.

6. Sicherheitsarchitektur ist Bestandteil der Automatisierung

Mit wachsendem Automatisierungsgrad erweitert sich die Angriffsfläche. KI-basierte Assistenten und Agenten greifen auf sensible Daten zu und treffen Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen. Kompromittierte Identitäten oder fehlerhafte Berechtigungen haben dadurch schwerwiegendere Folgen als je zuvor.

Resiliente Architekturen setzen deshalb auf ein integriertes Identitäts- und Zugangsmanagement (Identity Access Management, IAM), kontextbasierte Zugriffskontrollen, Multifaktor-Authentifizierung (MFA) und abgesicherte Ausführungsumgebungen. Zero Trust schützt automatisierte Prozesse vor Missbrauch. Wichtig: Sicherheit ist kein Hemmschuh. Diese Auffassung muss die gesamte Organisation durchdringen, von der IT bis zu den Fachbereichen, und von Anfang an die Anforderungen der DSGVO, des EU AI Acts, der Kritis-Vorgaben sowie der BSI-Standards erfüllen.

7. Agentische Systeme produktiv einsetzen

Automatisierte Systeme agieren zunehmend agentisch. Sie analysieren unstrukturierte Inhalte und treffen Entscheidungen innerhalb definierter Spielräume autonom. Entscheidend ist dabei nicht die Modellgröße. Es sind kontextbasierte, nachvollziehbare und reproduzierbare Handlungen, auf die es ankommt.

Moderne Umgebungen kombinieren deshalb deterministische Prozesssteuerung mit lernenden Komponenten, wobei die Orchestrierung Zustände, Übergänge und Kontrollpunkte festlegt. Eine solche ergebnisorientierte Steuerung stellt sicher, dass Automatisierung messbare Ergebnisse liefert.

Ohne konsolidierte Daten, Orchestrierung und integrierte Sicherheit bleibt Automatisierung Stückwerk. 2026 stehen Unternehmen vor der Wahl: punktuelle Beschleunigung einzelner Abläufe oder Aufbau steuerbarer, durchgängiger Prozesslandschaften. Wer Automatisierung als dauerhaftes Architekturprinzip etabliert, schafft die Voraussetzung für den produktiven KI-Einsatz und langfristig stabile Systeme mit operativer Agilität.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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