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02.12.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Peter Gutzmer: "Es lohnt sich, über 0,5 g CO2/km nachzudenken"

Autor:
Angelina Hofacker

"Wir müssen die Detailarbeit intensiv vorantreiben. Das Ergebnis ist systemisch betrachtet die Summe vieler kleiner notwendiger Ingenieurleistungen" erklärte Professor Dr. Peter Gutzmer in seiner Keynote auf der ATZ-Fachtagung "Reibungsminimierung im Antriebsstrang" in Esslingen am Neckar.

Durch weitere Verbesserung des Verbrennungsmotors sieht der Stellvertretende Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Technologie von Schaeffler prinzipiell noch 10 bis 15 Prozent CO2-Einsparpotenzial als gegeben; insbesondere in der Kombination Verbrennungsmotor und Getriebe. Denn Motor und Getriebe lassen sich Gutzmer zufolge nicht mehr trennen und müssen als System betrachtet werden. Auch die Reibungsminimierung spiele bei der Hebung weiterer Einsparpotenziale eine wichtige Rolle. In seiner Keynote zur Fachtagung thematisierte Gutzmer die ganzheitliche Reibungsminimierung für einen effizienten Antriebsstrang von morgen.

Durch Reibungsminimierung könnten insgesamt 12 g CO2/km eingespart werden

Anhand einer Grafik zur prozentualen Aufteilung der Energieverluste im Verbrennungsmotor verdeutlichte Gutzmer das Potenzial der Reibungsminimierung. "Wenn es gelänge, die gesamte Reibung in Motor, Getriebe sowie Differenzial zu Null zu setzen, wäre eine Einsparung von 12 g CO2/km möglich“, erläuterte Gutzmer. Diesen Wert hat das Unternehmen bei einem Forschungsfahrzeug mit 1,0-l-Dreizylinder mit Turboaufladung mit 92 kW Leistung ermittelt (gemessen im NEFZ). Dieses Beispiel haben die Schaeffler-Ingenieure daraufhin in der Simulation analysiert, berichtete Gutzmer. Eine Erkenntnis sei, dass über aktive Systeme im Riementrieb Reibung gezielt gesteuert werden, erklärt Gutzmer und führt aus: "Wir brauchen eine hohe Spannung bei Kaltstart, wir brauchen diese nicht im warmen Betrieb." Es sei deshalb naheliegend, darüber nachzudenken, einen variablen, geregelten Spanner einzuführen. Das Einsparpotenzial des Riementriebs mit variabler Spannung beziffert Gutzmer auf 1,3 g CO2/km. Durch eine wälzgelagerte Kurbelwelle könne 2 g CO2/km, durch entsprechend optimierte Lager bei einem konventionellen Getriebe 2 g C02/km eingespart werden, nannte Gutzmer weitere Stellhebel und wies auch auf die Möglichkeiten der indirekten Beeinflussung von Reibung durch die Steuerung von Wärmeströmen für Start-Stopp-Systeme hin. "Wir reden über Potenziale von 0,5 g CO2/km", sagte Gutzmer. Und das sei auch wichtig. "Wir müssen die Detailarbeit intensiv vorantreiben. Das Ergebnis ist systemisch betrachtet die Summe vieler kleiner notwendiger Ingenieurleistungen. Es lohnt sich, über 0,5 g CO2/km nachzudenken", appellierte Gutzmer in seinem Vortrag. "Hier können zum Beispiel Standardelemente von Schaeffler zum Einsatz kommen, die weit unter einem Euro kosten", erklärte er. Und in der realen Welt lasse sich Gutzmer zufolge noch viel mehr holen. Er nannte als Beispiel das Segeln, bei dem die mechanische Reibung im Getriebe für die Reduktion der Geschwindigkeit weggenommen wird. Das CO2-Einsparpotenzial im NEFZ liege bei 0,7 g, im realen Fahrbetrieb haben die Schaeffler-Ingenieure in der Simulation Werte von bis zu 5 g CO2/km ermittelt. Im realen Fahrbetrieb bringt die Reibungsminimierung also mehr als diese vermeintlich kleinen Zahlen vermuten lassen. "Es ist ein kleiner Beitrag im Zyklus, aber ein großer Beitrag im realen Fahrbetrieb“, betonte Gutzmer. Zudem liege der Kostenfaktor bei 10 bis 20 Euro pro eingespartem Gramm CO2 pro Kilometer.

Rund 110 Experten diskutieren noch bis heute, Mittwoch, 2. Dezember 2015, über die richtigen Maßnahmen zur weiteren Reibungsminimierung im Antriebsstrang. Denn die weitere Reduzierung der Reibleistung im Antriebsstrang ist ein wichtiger Bestandteil, um die scharfen CO2-Vorgaben ab 2020 zu erfüllen. Dabei werden im Rahmen der Tagung unter anderem Themen aus den Bereichen Steuertriebe, Schmierstoffe, Lager- und Dichtsysteme, Kurbeltrieb und Beschichtungen auf der Agenda der Tribologie-Experten stehen.

ATZlive veranstaltet die Fachtagung mit Unterstützung von Schaeffler in diesem Jahr zum vierten Mal. Künftig findet die Tagung jährlich statt, um so den Forschungs- und Entwicklungsingenieuren ein noch besseres Forum zum Informations- und Erfahrungsaustausch zu bieten.

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