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29.01.2013 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Arocs - die neue Baufahrzeugfamilie von Mercedes-Benz

Autor:
Andreas Fuchs
5 Min. Lesedauer

Das klar segmentierte Feld des Baugewerbes erfordert Fahrzeuge, die sich ihren Einsatzbedingungen optimal anpassen. Am 28. Januar wurde als Weltpremiere unter dem Namen Arocs die neue Baufahrzeugfamilie von Mercedes-Benz in den Münchner Bavaria-Studios ausgewählten Journalisten präsentiert.

Die Marke mit dem Stern ergänzt in diesem Jahr mit dieser neuen Familie ihr aktuelles Fahrzeugprogramm der schweren Klasse, nachdem laut Stefan Buchner, dem neuen Leiter von Mercedes-Benz Trucks, "2012 der Antos für den schweren Verteilerverkehr und 2011 der Actros für den Fernverkehr ihre Markteinführung feierten". Die neuen Kipper, Allradkipper, Betonmischer, Sattelzugmaschinen und Pritschenfahrgestelle gibt es als zwei-, drei- und vierachsige Fahrzeuge in 16 Leistungsstufen von 175 kW bis 460 kW. Alle Motoren sind von Beginn an für die besonders schadstoffarme Abgasstufe Euro VI entwickelt worden.

Rund die Hälfte aller Baufahrzeuge arbeitet direkt auf den Baustellen. Etwa ein Drittel liefert Material und Baustoffe dorthin und 15 Prozent der Baufahrzeuge sind mit Fertigbeton unterwegs. Daneben gibt es noch vielfältige Anforderungen an die Transportmittel aus dem Baunebengewerbe oder aus dem Sektor der Schwerst-Transporte. Und auch Kommunalfahrzeugbetreiber benötigen passende Fahrzeuge. Um diese unterschiedlichsten Anforderungen abzudecken wurden der Arocs Loader und der Arocs Grounder entwickelt. Beim Loader wurden alle Möglichkeiten, Eigengewicht einzusparen, konsequent umgesetzt. Das Ergebnis: nutzlastoptimierte 4x2-Sattelzugmaschinen, die zu den leichtesten im Bauverkehr zählen. Und 8x4/4-Betonmischer mit 32 t zulässigem Gesamtgewicht, die dank einem besonders niedrigen Eigengewicht von höchstens 9250 kg bei jeder Fahrt 8 Kubikmeter Fertigbeton liefern können. Das ist laut Stefan Buchner, "ein halber Kubikmeter mehr, als die meisten anderen Fahrzeuge transportieren können". Der Grounder wiederum ist für extreme Einsätze unter harten Bedingungen wie im Steinbruch oder auf der Baustelle ausgelegt. Durch eine Vielzahl an technischen Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Längsträgerrahmenstärke von 9 mm, ist er äußerst robust und verfügt über eine besonders hohe Stabilität und Belastbarkeit. Sowohl der Loader als auch der Grounder zählen zu einem breiten Fahrzeugspektrum der Arocs-Familie, die sich über ein zulässiges Gesamtgewicht von 18 t beim Zweiachser bis 41 t bei den Offroad-Vierachsern aus der Grounder-Reihe erstreckt. Generell ist die Baufahrzeugfamilie für alle Einsatzfälle spezialisiert. So sind zum Beispiel auch die sogenannten Straßenroller, also zweiachsige Sattelzugmaschinen mit angetriebener Hinterachse (4x2), keine Actros-Varianten, sondern eigenständige Fahrzeugtypen.

Rahmen, Rahmenhöhe und Überhänge unterscheiden sich gezielt von den Fernverkehrsfahrzeugen. Damit sind Anpassungsumbauten an den Einsatz als Baustoff-Transporter nicht mehr erforderlich. So kann die zweiachsige Arocs-Sattelzugmaschine als 4x2-Standardfahrzeug mit Stahl- oder Luftfederung, als nutzlastoptimierter 4x2-Arocs-Loader, als 20-t-4x4-Allradfahrzeug oder als 4x4-Arocs-Grounder geordert werden. Andere Spezialisten innerhalb der breit aufgestellten Arocs-Familie sind Varianten, die es bisher nur als nachträglichen Sonderumbau gab. So laufen jetzt Vierachser mit einer Vorder- und drei Hinterachsen in der Serienfertigung im Lastwagenwerk Wörth vom Band. Dieses Vierachsfahrzeug basiert auf einem Dreiachser mit einer nicht angetriebenen Lenkachse und zwei doppelt bereiften, angetriebenen Hinterachsen. Dahinter angefügt ist eine einzelbereifte, zwangsgelenkte und liftbare Nachlaufachse. Als Einsatzfeld kommen zum Beispiel Baustoff-Pritschenfahrzeuge mit einem Ladekran in Frage, die solo unterwegs sein müssen. Mit der Heckposition des Ladekrans wäre sowohl ein Dreiachser als auch die klassische Vierachsversion in der Lastverteilung überfordert. Mit der Triple-Lösung hinten sind hingegen sämtliche Achslasten problemlos umsetzbar.

Für den gesetzeskonformen Transport von 8 Kubikmeter Fertigbeton, der branchenüblich nur in relativ groben Schritten von 0,5 Kubikmeter portioniert wird, darf ein Vierachs-Fahrmischer-Chassis allerhöchstens ein Eigengewicht von 9,25 t auf die Waage bringen. Um dies zu realisieren, wird bei der Loader-Version des Betonmischerfahrgestells der leichte 10,7-l-Motor OM 470 mit dem S-Fahrerhaus Classic-Space kombiniert. Zusätzlich wird am Chassis das Standard-Antriebsachs-Double in zwillingsbereifter Ausführung ersetzt durch eine einfachbereifte Hinterachse mit 368/65er-Reifen. Damit die für die Stabilität wichtige Achsspur breit bleibt, sind die beiden Hinterachsen eigens für den Einsatz mit der Einfachbereifung modifiziert: Dank nach außen versetzter Radaufnahme stehen die breiten, speziell für Mercedes-Benz angefertigten Traktionsreifen im klassischen Trailer-Format außenbündig in den Radabdeckungen.

Die neue Fahrzeugfamilie ist mit einem breiten Angebot an Blue-Efficiency-Power-Dieselmotoren in 16 Leistungsstufen erhältlich. Die Bluetec-6-Motoren sind als Reihensechszylinder mit Abgasturboaufladung und Ladeluftkühlung für hohes Drehmoment bei wenig mehr als Leerlaufdrehzahl ausgelegt. In vier Hubraumgrößen von 7,7 über 10,7 und 12,8 bis 15,6 Liter werden maximale Drehmomentwerte von 1000 bis 3000 Nm erreicht.

Mit dem Arocs steht nun auch der hubraumstärkste Vertreter aus Daimlers von Grund auf neu entwickelter Heavy-Duty-Triebwerksbaureihe zur Verfügung. Der OM 473 bietet bei einem Hubraum 15,6 Liter eine Leistung bis zu 460 kW und ein Drehmoment von maximal 3000 Nm. Zu den besonderen Merkmalen des neuen Motors zählt die Turbocompound-Technik. Der Begriff Turbocompound steht für eine zweite, dem Abgasturbolader nachgeschalteten Turbine. Sie nutzt den weiterhin vorhandenen Druck des Abgases nach Durchströmen des Abgasturboladers zu einer weiteren Leistungssteigerung. Diese Kraft wird über eine Welle und eine hydrodynamische Kupplung auf den Rädertrieb des Motors und damit direkt auf die Kurbelwelle übertragen. Die Turbocompound-Technik erhöht die Leistung des OM 473 um etwa 50 kW. Der Fahrer spürt die zusätzliche Leistungsfähigkeit unmittelbar durch den spontanen Antritt des Motors bereits bei niedrigen Drehzahlen. Gleichzeitig wird unter hoher Last ein Verbrauchsvorteil von etwa zwei Prozent erzielt. Der Motor erfüllt in allen Ausführungen die strenge, von 2014 an zulassungsverbindliche Abgasstufe Euro VI. Auch im neuen OM 473 kommt die bereits bekannte, sehr leistungsfähige aufgeladene Dekompressions-Motorbremse zum Einsatz. Der Fahrer aktiviert sie in drei Stufen über den rechten Lenkstockhebel, wobei sie sehr schnell anspricht.

Einen ausführlichen Bericht über die technischen Innovationen des Arocs soll in der April-Ausgabe der ATZoffighway, die Anfang April 2013 erscheinen soll, publiziert werden.

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