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08.10.2013 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

22. Aachener Kolloquium: "Infrastrukturinvestitionen nicht nur auf die Elektromobilität fokussieren"

Autor:
Richard Backhaus
3 Min. Lesedauer

"Die E-Mobilität wird ihren Weg machen, aber auch CNG muss ins Auge gefasst werden." Dies erklärte Dr. Heinz-Jakob Neußer Leiter Aggregateentwicklung Volkswagen, bei seinem Plenarvortrag auf dem diesjährigen Internationalen Aachener Kolloquium Fahrzeug- und Motorentechnik, der noch bis zum morgigen 9. Oktober 2013 in Aachen stattfindet.

Neußer verwies darauf, dass Volkswagen schon seit zehn Jahren Erfolg mit Compressed-Natural-Gas(CNG)-Fahrzeugen hat. Nun wird die CNG-Entwicklung auch auf den modularen Querbaukasten des Volkswagen-Konzerns ausgerollt. Ein Treiber für das Unternehmen sind die weltweit steigenden Zulassungszahlen von CNG-Fahrzeugen: Waren es im Jahr 2000 noch 1,3 Millionen Fahrzeuge, wächst die Zahl 2013 auf rund 17,7 Millionen Einheiten. Für den CNG-Antrieb sprechen geringe Rohemissionswerte, der 25 Prozent geringere CO2-Ausstoß als benzinbetriebene Ottomotoren und die hohe Klopffestigkeit.

Die aktuelle Entwicklung von Volkswagen ist ein bivalenter 1,4-l-CNG-Motor mit Aufladung und Direkteinspritzung, der 81 kW leistet. Gegenüber der Version für den reinen Benzinbetrieb wurden unter anderem Zylinderkopf, Ventiltrieb, Kolben, Zündung, Turbolader, Katalysator und die Kühlung verändert. Damit sich CNG-Motoren künftig am Markt verstärkt durchsetzen können, formulierte Neußer Forderungen an Politik, Mineralölunternehmen und Fahrzeughersteller: "Wir benötigen stabile Randbedingungen bezüglich Besteuerung, zudem dürfen sich Infrastrukturinvestitionen nicht nur auf die Elektromobilität fokussieren und die Automobilhersteller müssen attraktive Fahrzeuge für die Kunden anbieten".

Demgegenüber stellte Peter Langen, Leiter Fahrdynamik bei BMW, die Elektromobilität in den Mittelpunkt seines Vortrags. "Nach evolutionären Schritten mit dem Mini E und dem ActiveE sind i3 und i8 nun revolutionäre Entwicklungen, bei denen wir die Fahrzeuge um den Antrieb konstruiert haben", erklärte er. Als Beispiel für die besonderen Möglichkeiten durch die innovative Verbundwerkstoff-Fahrzeugkonstruktion führte er die Hinterachsträger an, die beim i8 direkt am Hinterachsmodul aufgehängt sind und damit Leichtbau und hohe Fahrdynamik vereinen.


Dem klassischen Otto- und Dieselmotor widmete sich Mitsuo Hitomi, Mitglied der Geschäftsführung Mazda, in seinen Vortrag. Mit den Skyactiv-Motoren verfolgt das Unternehmen - im Gegensatz zu eigentlich allen Herstellern der Branche - nicht das Ziel, den CO2-Ausstoß durch Downsizing zu reduzieren. Vielmehr baut Mazda auf einen vergleichsweise großen Hubraum von 2,2 l. Wesentliche Konstruktionsparameter gleichen sich dabei bei Diesel- und Ottomotor an. So beträgt das Verdichtungsverhältnis einheitlich 14, was für einen Ottomotor hoch und für einen Dieselmotor gering ist.

Als Sauger bietet der Ottomotor damit ein sehr viel höheres Drehmoment bei geringen Drehzahlen als konventionelle Konzepte, was Downspeeding erlaubt und laut Hitomi besonders den Verbrauch im realen Alltagsbetrieb entscheidend reduziert.

Der Dieselmotor wiederum ist mit 14 vergleichsweise gering verdichtet. Dennoch erfüllt er mit seinem großen Hubraum die Euro-6- und Japan-Emissionsnorm ohne DeNOx-System. Der nächste Entwicklungsschritt ist für Hitomi die magere Verbrennung beim Ottomotor. Damit verspricht er Verbräuche unter Diesel- und Hybridniveau.

Wolf-Henning Scheider, Bosch-Geschäftsführer, ergänzte die Plenarsektion mit Ausführungen zum vernetzten Automobil. So ist beispielsweise eRoaming ist für ihn eine Kernvoraussetzung für E-Mobilität. Scheider zeigte in seinem Vortrag auch die technische Umsetzung der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Außenwelt. Fazit: die Automobil-Cloud wird sich von der Consumer-Electronic-Cloud unterscheiden. Es wird zwar Schnittmengen geben, doch die unterschiedlichen Anforderungen bezüglich Sicherheit und Verfügbarkeit führen dazu, dass eine Zusammenlegung beider Datennetze nicht sinnvoll ist.

Das Aachener Kolloquium findet in diesem Jahr schon zum 22. Mal statt. Rund 1800 Teilnehmer aus 30 Ländern diskutieren über die Zukunft der Fahrzeug und Motorentechnik. Es wird vom Institut für Kraftfahrzeuge (ika) und vom Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA) der RWTH Aachen gemeinsam durchgeführt.

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