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22.04.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Forschungsanlage produziert erste Menge Audi e-Diesel

Autor:
Katrin Pudenz

Synthetischer Dieselkraftstoff auf CO2-Basis: Eine Pilotanlage in Dresden hat mit der Produktion des synthetischen Audi-e-Diesel begonnen. Hergestellt wird der Kraftstoff erölunabhängig. Und zwar aus Wasser, CO2 und Ökostrom.

Audi und Partnern ist es gelungen, in ihrer Pilotanlage hochwertigen Dieselkraftstoff herzustellen. Erst im November vergangenen Jahres hatte Audi zusammen mit den Projektpartnern von Climeworks und Sunfire die Pilotanlage eröffnet. Mit der Kooperation will Audi mit seinen Partnern beweisen, dass eine Industrialisierung der sogenannten e-Fuels möglich ist.

Vier Monate dauerte die Phase der Inbetriebnahme. Nun produzierte die Forschungsanlage in Dresden die ersten Mengen hochwertigen Dieselkraftstoffs, berichten die Experten des Ingolstädter Automobilherstellers. Als Beweis der Praxistauglichkeit füllte Professor Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Dienstag, 21. April 2015, die ersten fünf Liter in ihren Dienstwagen. "Der synthetische Diesel auf CO2-Basis ist ein großer Erfolg unserer Nachhaltigkeitsforschung. Wenn es uns gelingt, CO2 breit als Rohstoff einzusetzen, leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu Klimaschutz und Ressourceneffizienz und ebnen den Weg hin zu einer 'GreenEconomy'", sagte Bundesministerin Wanka.

Anlage arbeitet nach PtL-Prinzip

Das Dresdner Energietechnikunternehmen Sunfire ist Projektpartner von Audi und Betreiber der Anlage. Die Anlage arbeitet nach dem Power-to-Liquid-Prinzip (PtL) und nutzt Ökostrom, um einen flüssigen Energieträger herzustellen. Als Rohstoffe benötigt sie Wasser und Kohlendioxid. Das verwendete CO2 liefert derzeit eine Biogasanlage. Zusätzlich wird demnächst ein Teil des CO2 per Direct-Air-Capturing - einer Technik des Audi-Partners Climeworks aus Zürich - aus der Umgebungsluft gewonnen.

Für Reiner Mangold, Leiter nachhaltige Produktentwicklung bei Audi, stellen e-Diesel und die e-Fuels im Allgemeinen eine wichtige Ergänzung zur Elektromobilität dar: "Mit Audi e-Diesel bringen wir erneut einen Kraftstoff aus CO2 für eine nahezu klimaneutrale Langstreckenmobilität auf den Weg. Die Nutzung von CO2 als Rohstoff ist nicht nur eine Chance für die Automobilindustrie in Deutschland, sondern lässt sich auch auf andere Branchen und Länder übertragen."

Schrittweise Produktion

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Die Produktion des e-Diesel erfolgt schrittweise, erläutern die Kraftstoffexperten des Automobilherstellers: Zunächst spaltet eine Hochtemperatur-Elektrolyse das zu Dampf erhitzte Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Dieses Verfahren, bei dem die Temperatur mehr als 800 °C beträgt, ist unter anderem durch Wärmerückgewinnung effizienter als konventionelle Techniken. Eine weitere Besonderheit der Hochtemperaturelektrolyse: Sie kann dynamisch betrieben werden und damit die Stromnetze bei Ökostrom-Spitzen stabilisieren.

In zwei weiteren Arbeitsschritten reagiert der Wasserstoff in Synthesereaktoren, erneut unter Druck und Temperatur, mit dem CO2. Das Resultat ist eine aus langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen bestehende Flüssigkeit, das so genannte Blue Crude. Der Wirkungsgrad des Gesamtprozesses - vom erneuerbaren Strom bis zum flüssigen Kohlenwasserstoff - sei mit etwa 70 Prozent sehr hoch. Ähnlich wie fossiles Rohöl lasse sich Blue Crude in einem Raffinerieprozess veredeln - zum Endprodukt Audi e-Diesel. Dieser synthetische Kraftstoff ist frei von Schwefel und Aromaten, seine hohe Cetanzahl macht ihn sehr zündwillig. Wie Labortests von Audi ergeben haben, eignet er sich als Beimischung zu fossilem Diesel oder aller Voraussicht nach auch als alleiniger Kraftstoff.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt von Sunfire, das im Mai 2012 startete. Im Juli 2013 erfolgte der erste Spatenstich für die Anlage in Dresden-Reick, am 14. November 2014 die Inbetriebnahme. In den kommenden Monaten soll die Anlage mehr als 3000 Liter Audi e-Diesel herstellen. Im Automobilsektor ist Audi exklusiver Partner von Sunfire.

Entwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe

Über die Kooperation mit Sunfire hinaus engagiert sich Audi bereits seit 2009 in der Entwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe, den e-Fuels. Die Audi-e-Gas-Anlage im niedersächsischen Werlte produziert auf vergleichbare Weise Audi e-Gas (synthetisches Methan), das Fahrer des Audi A3 Sportback g-Tron über eine spezielle Tankkarte beziehen können. Gemeinsam mit dem französischen Unternehmen Global Bioenergies erforscht Audi die synthetische Herstellung e-Benzin. In einem weiteren Projekt arbeitet Audi mit dem US-Unternehmen Joule zusammen, das die synthetischen Kraftstoffe Audi e-Diesel und Audi e-Ethanol mithilfe von Mikroorganismen produziert.

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