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19.11.2014 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Das Showcar Audi Prologue: neues Design und Virtual-Cockpit-Zukunft

Autor:
Katrin Pudenz
7 Min. Lesedauer

Bei Audi beginnt eine neue Design-Ära. Wie diese neue Ära aussieht und welche Technik sich in dem ersten Showcar der "neuen Zeit" verbirgt, wird auf der Los Angeles Auto Show gezeigt. Dort präsentiert Designchef Marc Lichte die Studie Audi Prologue.

"Seit seinem Wechsel zu Audi hat Marc Lichte eine Design-Offensive gestartet", berichtet Entwicklungsvorstand Professor Dr. Ulrich Hackenberg. Er hatte Lichte im Februar 2014 nach Ingolstadt geholt. "Mit seiner klaren Philosophie und dem genauen Verständnis der Audi-Gene hat er eine Designstrategie entwickelt, die uns ganz neue Perspektiven eröffnet. Sie ist progressiv und hochemotional, sie drückt die technologische Kompetenz und den Qualitätsanspruch der Marke perfekt aus. Der Audi Prologue ist ihr erster Vertreter - er ist ein 'Signature Car' für Audi."

Marc Lichte selbst beschreibt den Charakter des Showcars so: "Audi steht für Sportlichkeit, für Leichtbau und für den permanenten Allradantrieb Quattro. Beim Audi Prologue bringen wir dieses Know-how in eine neue Form - wir haben das sportlichste Auto im Luxussegment auf die Räder gestellt. Sowohl beim Außendesign als auch im Interieur ist unser Team neue Wege gegangen."

Und so soll das Design noch stärker zum Ausdruck progressiver Technik werden.

Das Exterieur

Mit 5,10 Meter Länge, 2,94 Meter Radstand, 1,95 Meter Breite und 1,39 Meter Höhe ist der Audi Prologue etwas kürzer und flacher als ein heutiger Serien-A8. An seiner tiefen Front dominiert ein in die Automobilarchitektur integrierter Singleframe, der die Vier Ringe trägt. Der große Kühlergrill ist stärker in die Breite gezogen und tiefer platziert als bei den aktuellen Serienmodellen.

Die Scheinwerfer - als breite, flache Keile geformt - liegen mit ihren Spitzen über dem Singleframe. Sie präsentieren die hochauflösende Matrix-Laser-Technik. Die Pupille des Scheinwerfers wird von einer Projektionslinse mit Laser-Lichtquelle gebildet - sie erzeugt eine Matrix, die die komplette Straße hochauflösend ausleuchtet. Unter diesem Element schweben fünf über ein Glasfaserbündel gespeiste Kunststofflinsen, die in einer feingliedrigen Leichtbaustruktur eingefasst sind und das Fernlicht nochmals erweitern, erläutern die Designer.

Kanten über den Radhäusern erinnern an den Ur-Quattro

Als ein charakteristisches Merkmal des Showcars bezeichnen die Ingolstädter Experten die ausgestellten Schultern vorne und hinten über den Rädern. Ähnlich wie die Blister des Audi Ur-Quattro der 1980er Jahre sollen sie den Quattro-Antrieb sichtbar machen - wobei sie nicht mehr aufgesetzt, sondern fließend in die Grundarchitektur eingearbeitet sind. Die Schultern bilden in der Seitenansicht zwei Schwünge oberhalb der Räder, die die etwas tiefer gelegene Schulterlinie zwischen den Rädern unterbrechen.

Aluminiumkomponenten

Die Außenspiegel sind aus Aluminium: Das Spiegelgehäuse in Form einer Schale bildet einen fließenden Übergang zur Fensterschachtleiste. In dieser sind auch die Sensorflächen zur Türöffnung integriert. Die grifflosen Türen öffnen sich nach Berührung der beleuchteten Sensorflächen elektromechanisch.

Die steife Multimaterial-Karosserie des Audi Prologue besteht in weiten Bereichen aus Aluminium und ultrahochfestem Stahl. Ein Rahmen aus mattiertem und poliertem Aluminium fasst die Fenster ein. Am Ende der flachen Dachkuppel läuft er in einer massiven Aluminiumfläche aus. Ihre Bearbeitung steht laut Angaben beispielhaft für die Manufakturqualität von Audi und ermöglicht es, die Fenster trotz C-Säule versenken zu können. Auf der rechten Seite des Showcars integriere dieser Bereich den Tankdeckel. Er besitze einen elektrischen Öffnungsmechanismus und lasse sich nach Aktivieren durch einen Innenraumtaster vollständig in der C-Säule versenken.

Interieur und Bedienkonzept

Der Innenraum des Audi Prologue orientiert sich, wie beschrieben wird, am Gran Turismo. Schon beim Einsteigen empfange das viersitzige Coupé seine Passagiere mit dezenter Höflichkeit. Der "Butler", eine neuartige Software, identifiziere sie anhand ihrer Smartphones und stelle die Sitze und die Klimaanlage nach ihren Vorlieben ein. Auch bei der Musik und der Routenplanung mache das System Vorschläge, die sich an den Präferenzen des Besitzers orientieren. Das Easy-Slot-System, eine Weiterentwicklung der Audi Phone Box, befindet sich unter Klappen in der Mittelkonsole. Ein spezieller Mechanismus vernetze die Smartphones der Passagiere mit dem Bord-Infotainment und lade sie auf.

Front der Instrumententafel wird zum Display

In die Architektur ist ein neuartiges Anzeige- und Bedienkonzept eingebettet. Die Front der Instrumententafel ist in voller Breite als Anzeigefläche gestaltet und integriert drei Touch-Displays. Mit dem fahrerorientierten Display links vom Lenkrad sollen sich die Funktionen für Licht und Assistenzsysteme steuern lassen. Die rechte fahrerorientierte Bedieneinheit beinhalte die Mediensteuerung. Der Beifahrer hat ein vollflächig in die Instrumententafel integriertes Widescreen-Display vor sich, mit dem er seine Entertainmentumfänge individuell und komfortabel steuern kann, erklären die Entwickler.

Das neuartige Beifahrerdisplay soll erstmals eine digitale Interaktion zwischen Fahrer und Beifahrer ermöglichen. Eine Wischbewegung des Beifahrers reiche aus, um dem Fahrer in seinem Display vorkonfigurierte Routen zur Verfügung zu stellen und in das Audi Virtual Cockpit Future zu übernehmen.

Auf der Konsole des Mitteltunnels liegt ein viertes flexibles und ergonomisch auf den Fahrer angepasstes Touch-Display für Klimatisierung, Schrifteingabe und weitere Fahrzeugeinstellungen. Es besteht im Wesentlichen aus einer hauchdünnen, biegsamen Oled-Folie (Oled: organic light emitting diodes, organische Leuchtdioden) und zeigt extrem scharfe, kontrastreiche Bilder, wie die Ingolstädter Experten verraten. Im Ruhezustand sei das Oled-Display flach und nahezu unsichtbar in die Mittelkonsole integriert. Beim Starten des Autos richte sich das flexible Display auf. Die Biegung sorge für einen konstanten Abstand zur Hand und dadurch für eine bessere Ergonomie. Das Handgelenk ruhe bei der Bedienung des Displays auf dem niedrigen Wählhebel der Achtstufen-Tiptronic.

Audi Virtual Cockpit Future zeigt Grafiken auf drei Ebenen

Das sogenannte Audi Virtual Cockpit Future soll einen Blick in die Zukunft des digitalen Cockpits bieten: Hochauflösende Displays und drei Spiegel erzeugen laut Hersteller eine virtuelle Bühne mit drei Ebenen. In der Navigationsansicht präsentiere die erste Ebene die wichtigsten Informationen zum Fahren. Die Ebenen zwei und drei sollen die Tiefenwirkung im Cockpit ermöglichen. Durch die Staffelung auf unterschiedlichen Ebenen werde die Information für den Fahrer besser strukturiert und sei leichter zu erfassen. Je nach Fahrweise ändern sich im Audi Virtual Cockpit Future Inhalte und Farben - bei sportlicher Gangart wechsele die Anzeige in den Sportmodus mit besonderer Inszenierung der relevanten Informationen, beispielsweise Drehzahl, Temperaturen, Ladedruck.

Die Technik

Angetrieben wird das Showcar von einem 4.0 TFSI. Der Ottomotor entwickelt Angaben zufolge 445 kW Leistung und 700 Nm Drehmoment. Im Overboost-Betrieb, den der Fahrer für etwa 15 Sekunden abrufen kann, soll ihm eine Drehmomentsteigerung auf 750 Nm zur Verfügung stehen. Der Biturbo-V8 bringe den Zweitürer, der leer 1980 Kilogramm wiege, in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Der durchschnittliche Verbrauch des Showcars wird mit 8,6 l/100 km angegeben - ein CO2-Ausstoß von 199 g/km. Zu dieser Effizienz trägt laut Hersteller auch ein neues Teil-Bordnetz auf 48-Volt-Basis bei - eine Technik, die bei Audi Angaben zufolge kurz vor dem Serieneinsatz steht. Das 48-Volt-Netz speise einen starken Riemenstartergenerator, der den Antriebsstrang zum Mild-Hybriden mache und beim Verzögern bis zu 12 kW Rekuperationsleistung erziele. Eine Achtstufen-Tiptronic leite die Kräfte des Motors auf den permanenten Allradantrieb Quattro, der eng mit der radselektiven Momentensteuerung zusammenarbeitet.

Radaufhängungen als neue Fünflenker-Konstruktionen

Im Fahrwerk bietet die Adaptive Air Suspension Sport - die Luftfederung mit geregelter Dämpfung - eine Bandbreite zwischen "samtigem Abrollen und knackig-straffem Handling", wie die Fahrwerkspezialisten beschreiben. Zudem variiere sie die Bodenfreiheit des Showcars in mehreren Stufen. Die Vorder- und die Hinterachse seien als leichte Fünflenker-Konstruktionen aufgebaut.

Als ein Technik-Highlight des Audi Prologue wird die die Dynamik-Allradlenkung bezeichnet - sie steigere die Fahrdynamik und den Fahrkomfort durch eine intelligente Kombination von Dynamik- und Allradlenkung. Der Fahrer bekomme damit ein Automobil mit extrem gutem Handling. Im niedrigen Geschwindigkeitsbereich zeichne sich dies durch eine erhöhte Agilität und Wendigkeit aus. Im oberen Geschwindigkeitsbereich haben die Entwickler das Ansprechverhalten verbessert und erzielen so eine höhere Stabilität des Autos.

Insgesamt ermögliche die Dynamik-Allradlenkung mit Lenkwinkeln von bis zu fünf Grad an der Hinterachse leichtes Manövrieren beim Parken, präzises und sportliches Fahrverhalten auf Landstraßen und souveränes, komfortables Lenkverhalten auf Autobahnen.

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