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02.04.2012 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Der fliegende Holländer

Autor:
Caterina Schröder
3 Min. Lesedauer

Den Stau einfach überfliegen - den Traum hegen viele, die wie hypnotisiert die Rücklichter des stehenden Vordermanns fixieren. Das holländische Unternehmen PAL-V will diesen Gedanken in die Realität übertragen und hat das fliegende Auto PAL-V (Personal Air and Land Vehicle) entwickelt, das in den vergangenen beiden Wochen seine ersten Testflüge absolviert hat.

Ganz so einfach ist dem Stau allerdings kein Entkommen, denn das Luft-und Landfahrzeug benötigt - einmal ganz davon abgesehen, dass das Starten und Landen auf öffentlichen Straßen nicht erlaubt ist - fürs Abheben rund 165 Meter sowie eine Mindestgeschwindigkeit von 50 km/h. Sind diese absolviert, fliegt das patentierte Fortbewegungsmittel in der Luft  wie ein Tragschrauber, wobei der Auftrieb durch einen durch die Aerodynamik automatisch betriebenen Rotor erzeugt und der Vortrieb durch einen am Heck befindlichen, faltbaren Schubpropeller produziert wird, dessen Motor auch für den Vortrieb auf der Straße sorgt und bis zu 160 kW leistet. Wegen der geringeren Drehgeschwindigkeit des Rotors soll das Kombifahrzeug leiser als ein Hubschrauber sein.

Nach der Landung - der Landeweg beträgt etwa 30 Meter - werden Rotor und Propeller in etwa zehn Minuten wieder zusammengefaltet und eingefahren. Während der Propeller automatisch seine Fahrposition einnimmt, fahren der Rotor und das Flugheck erst auf Knopfdruck ein. Zum Schluss müssen die Rotorblätter noch in Fahrtrichtung ausgerichtet und gesichert werden. So zusammengefaltet misst das dreirädrige Vehikel vier Meter in der Länge und jeweils 1,60 Meter in der Breite und Höhe.

Sowohl auf dem Boden als auch in der Luft können mit dem PAL-V Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h erreicht werden. Auf dem Boden vereint das dreirädrige Fahrzeug dank seines Neigungssystems, das der zugunsten der Flugaerodynamik sehr schmal ausfallenden Bauweise auf der Straße genug Fahrstabilität verleihen soll, die Fahreigenschaften eines Personenkraftwagens mit der Wendigkeit eines Motorrads. Auch das Sicherheitslevel soll dem eines Motorrads entsprechen. Die Reichweite im Flugbetrieb soll je nach Modell und Nutzlast, die bei bis zu 910 kg liegen darf, zwischen 350 und 500 km liegen. Im Fahrbetrieb besitzt der PAL-V eine Reichweite von etwa 1200 km.  Demnach liegt der Durchschnittsverbrauch auf der Straße bei etwa 8,4 Liter auf 100 Kilometer und in der Luft bei 36 Liter pro Stunde. Obwohl das fliegende Automobil normalerweise mit Benzin angetrieben wird, soll es auch Ausführungen geben, die mit Biodiesel oder Bioäthanol angetrieben werden.

Das fliegende Fahrzeug entspricht laut Hersteller den derzeit existierenden gesetzlichen Regelungen in allen Hauptmärkten. Das würde bedeuten, dass dieses Fortbewegungsmittel sowohl für den Straßen-, als auch für den Flugverkehr zugelassen ist. Die Holländer betonen weiterhin, dass sich die Behörden verschiedener Länder bereits auf einen Anstieg des Flugverkehrs mit "Personal Air Vehicles" wie dem PAL-V vorbereiten würden. Gegenwärtig seien in den USA und in Europa regierungsfinanzierte Entwicklungsprogramme damit beschäftigt, die Infrastruktur "digitaler Autobahnen" zu erfassen, die unter Verwendung der GPS-Technologie sichere Flugkorridore für den privaten Flugverkehr bereitstellen sollen.

Die Initiatoren des fliegenden Mobils besteht aus einem Team holländischer Unternehmer, deren Fachkompetenz in den Bereichen Luftfahrt, Automobilindustrie, Forschung und Marketing liegt. Ursprünglich wurde das Unternehmen von einer informellen Investorengemeinschaft gegründet und erhielt ein Darlehen vom Wirtschaftsministerium. Fachleute und Kapitalgesellschaften untersuchen laut PAL-V gegenwärtig, welches Leistungsvermögen und welche Effektivitätssteigerung das Personal Air and Land Vehicle für ihre Geschäftstätigkeit mit sich bringen würde.

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