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26.10.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Opel-Zafira-Abgasmessung: Werte laut TÜV gesetzeskonform

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Die Deutsche Umwelthilfe hat Ergebnisse von Abgasmessungen an einem Opel Zafira 1.6 CDTi vorgestellt. Die Einhaltung der NOx-Emissionen sei im EU-Abgasprüfzyklus beim getesteten Pkw davon abhängig, dass sich die Hinterräder nicht drehen. Laut dem TÜV sind die Abgaswerte des Pkw aber gesetzeskonform.

Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule in der Schweiz hat im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Stickoxid (NOx)-Emissionen eines Opel Zafira 1.6 CDTi (Frontantrieb, Laufleistung 6000 km, Euro 6b) untersucht. Dabei seien in bestimmten Fahrsituationen bis zu 17-fach höhere NOx-Emissionen gemessen als nach dem Euro-6-Grenzwert zulässig, gibt die DUH an. Der getestete Opel Zafira habe im offiziellen Prüfzyklus (NEDC) mit drehenden Hinterrädern in drei Tests jeweils zwei bis viermal mehr NOx ausgestoßen als erlaubt. In drei weiteren Tests unter „normalen“ Prüfstandbedingungen und damit nicht mitdrehenden Hinterrädern, lagen hingegen die NOx-Werte jeweils unter dem vorgeschriebenen Grenzwert von 80 mg/km, so die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation.

Schlussfolgerungen des Gutachtens der Berner Abgasprüfstelle

Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule kommt laut DUH in ihrem Prüfbericht zu dem Ergebnis: "Die Messresultate zeigen, dass das Fahrzeug sich anders verhält, wenn der Rollenprüfstand im 4- oder 2-Rad-Modus betrieben wird." Darüber hinaus sei bei nicht drehenden Hinterrädern eine weitere Besonderheit festgestellt worden: Bei einer kontinuierlichen Erhöhung der Geschwindigkeit auf 150 km/h stiegen die NOx-Emissionen schlagartig an und überschritten die Messskala des Analysengerätes. Im Prüfgutachten heißt es dazu: "Das Verhalten könnte durch eine Abschaltung der AdBlue-Dosierung erklärbar sein. Ein ähnliches Verhalten war während des 4-Radantriebmodusbetriebs nicht feststellbar." Allerdings sieht der gesetzliche Rahmen zumindest bislang eine Erfassung der Messwerte bei höheren Geschwindigkeiten nicht vor: Beim NEFZ werden höchstens 120 km/h gefahren.

"Die durchgeführten Messungen zeigen folgende Tendenz: Die NOx-Emissionen im NEDC sind abhängig vom Prüfstandmodus 2WD/4WD. Im 2-Radantriebmodus erfüllte das Fahrzeug die NOx-Vorschriften. Bei tiefen Geschwindigkeiten sind die NOx-Emissionen nicht immer identisch und hängen wahrscheinlich von der Aktivität oder Speichereffekt des SCR-System ab. Das Verhalten der SCR-Anlage scheint vom Prüfstandmodus abhängig zu sein, da die NOx-Verläufe in beiden Prüfstands-Betriebsarten unterschiedlich sind."

Opel weist Vorwürfe zurück, Abgaswerte des Opel Zafira seien gesetzeskonform

Die DUH hat nach eigenen Angaben in einem Schreiben vom 21. September 2015 an Opel detaillierte Fragen zu möglichen Abschalteinrichtungen und der Nichteinhaltung von Zulassungsvorschriften gestellt. Am 25. September 2015 habe das Unternehmen darauf wie folgt geantwortet: "Die von GM entwickelte Software hat keine Features, die erkennen, ob sich ein Fahrzeug gerade in Emissionstest-Zyklen befindet."

Am 19. Oktober 2015, nachdem die ersten vorläufigen Testergebnisse aus der Schweiz vorgelegen hätten, habe die DUH nochmals detaillierter nachgefragt. Daraufhin habe das Unternehmen am zwei Tage später erklärt, eigene Tests mit einem entsprechenden Fahrzeug nach den gesetzlichen Vorschriften nachgefahren und protokolliert zu haben, "und zwar sowohl auf einem Zwei- als auch einem Vier-Rollen-Prüfstand. Das jeweils ermittelte Emissionsverhalten weicht nicht voneinander ab." Opel betonte nochmals: "Die von GM entwickelte Software enthält keine Features, die feststellen, ob das Fahrzeug einem Emissionstest unterzogen wird."

Opel hat am 23. Oktober 2015 nach eigenen Angaben im Beisein des TÜV Hessen einen Zafira mit 1,6-l-Dieselmotor einer Abgasmessung auf einem Vier-Rollen-Prüfstand unterzogen, bei der die Hinterräder betrieben werden. Hierbei seien gesetzeskonforme Abgaswerte erzielt worden, erklärt Opel. Der vollständige TÜV-Bericht werde derzeit fertig gestellt. Opel sieht damit seine Position bestätigt und weist die Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe scharf zurück. Die Anschuldigungen seien eindeutig falsch und unbegründet, heißt es in einer Mitteilung von Opel.

DUH kündigt weitere Abgastests von aktuellen Euro-6-Diesel-Fahrzeugen an

"Es geht bei den Abgasvorschriften nicht darum, die Laborluft sauber zu machen, sondern die Atemluft der Menschen. Ich sehe keinen technischen Grund, warum sich die NOx-Emissionen drastisch erhöhen, wenn sich die Hinterräder mitdrehen. Ich habe keine normale technisch plausible Erklärung für das Abgasverhalten des Opelfahrzeuges", sagt der internationale Verkehrsberater Axel Friedrich.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Wir haben uns dazu entschlossen, bei unseren Abgastests mit dem Opel Zafira zu beginnen, weil wir zu diesem Fahrzeug besonders detaillierte Hinweise auf Unstimmigkeiten bei der Abgasreinigung erhalten haben. Wir haben heute den Prüfbericht an das für die Typzulassung zuständigen Kraftfahrt-Bundesamt übermittelt und dieses aufgefordert, das Modell zu überprüfen." Resch kündigte weitere Abgastests von aktuellen Euro-6-Diesel-Fahrzeugen deutscher und ausländischer Hersteller an.

"Die DUH hatte bereits in Sachen VW einen Antrag auf Anordnung verbindlicher Maßnahmen beim Kraftfahrt-Bundesamt gestellt. Hätte das KBA keinen verbindlichen Rückruf angeordnet, wäre Klage erhoben worden. Mittlerweile haben wir beantragt, eine Kopie der gegenüber Volkswagen ausgesprochenen Anordnung zu erhalten. Die Antwort des KBA dazu steht aus", so Rechtsanwalt Remo Klinger, der die DUH in den behördlichen Verfahren vertritt.

Hier finden Sie das Protokoll der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule zu der NOx-Emissionsmessung des Opel Zafira Diesel Euro 6b.

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