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25.04.2013 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Umweltbundesamt befindet: Elektroautos sind kein Allheilmittel gegen Verkehrslärm

Autor:
Katrin Pudenz

"Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden - ihre spezifischen Vorteile für den Lärmschutz liegen im Bereich des Anfahrens und bei Geschwindigkeiten bis zirka 25 km/h": dieses Fazit zieht das Umweltbundesamt in einem aktuellen Positionspapier "Kurzfristig kaum Lärmminderung im Verkehr durch Elektroautos". Laut Umweltbundesamt zeigen Messungen und Modellrechnungen in einer Gesamtbetrachtung nur ein begrenztes Lärmminderungspotenzial bei Elektrofahrzeugen.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger fühlt sich laut Umfragen des Umweltbundesamtes durch Straßenverkehrslärm belästigt. 13 Millionen seien sogar Lärmpegeln oberhalb von 65/55 dB (A) tagsüber wie auch in der Nacht ausgesetzt. Diese Pegel seien als potenziell gesundheitsgefährdend einzustufen. In ihrem Koalitionsvertag 2009 hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Eine substanzielle Lärmminderung sei dadurch aber nicht zu erwarten, betonen die Experten des Umweltbundesamtes.

Reifen-, Fahrbahn-, Antriebsgeräusch

Die von Kraftfahrzeugen ausgehenden Geräusche bestehen laut Positionspapier hauptsächlich aus Reifen-Fahrbahn- und Antriebsgeräusch: Das Reifen-Fahrbahngeräusch entsteht beim Abrollen des Reifens auf der Straße, wird von der Beschaffenheit von Reifen und Fahrbahn beeinflusst, nimmt mit der Fahrzeuggeschwindigkeit weiter zu und hängt vor allem nicht von der Art des Antriebs ab. Das Antriebsgeräusch umfasst alle Geräuschquellen, die mit der Bereitstellung des Antriebskraft zusammenhängen. Dazu zählen neben dem Motor auch die Ansaug- und Abgasanlage sowie Komponenten wie das Getriebe, bei Elektroautos die Leistungselektronik. So wird beim batterieelektrischen Auto das Antriebsgeräusch hauptsächlich vom Elektromotor erzeugt. Die Elektromotoren sind laut Umweltbundesamt wesentlich leiser als Verbrennungsmotoren gleicher Leistung. Hinzu kämen noch die Geräusche der Leistungselektronik. Sie seien lastabhängig und träten hauptsächlich beim Anfahren sowie beim Bremsen mit Energierückgewinnung, dem sogenannten Rekuperieren, auf. Dabei könnten hohe Pfeiftöne bei Frequenzen oberhalb von 5 kHz auftreten, die ein großes Störpotenzial besäßen, beziehen sich die Autoren des Positionspapier auf Fiebig, André; Sottek, Roland: Neue Straßenverkehrsgeräusche aufgrund neuer Fahrzeugantriebskonzepte. In: Fortschritte der Akustik - DAGA 2011, S. 407-408.

Quantitative Schätzung der Lärmminderung

Zu Beginn des Jahres 2012 waren beim Kraftfahrbundesamt bei insgesamt 58 Millionen Kfz, etwa 43 Millionen Pkw gemeldet, darunter knapp 5000 Elektroautos und knapp 50.000 Hybridfahrzeuge, nennt das Bundesamt Zahlen. Für eine quantitative Schätzung der zu erwartenden Lärmminderung nehmen die Experten an, dass die Zahl der Pkw bis 2020 insgesamt unverändert bleibt, eine Million dieser Fahrzeuge durch Elektroautos ersetzt wird, diese Elektroautos kein Antriebsgeräusch mehr erzeugen und dieselbe Fahrleistung erzielen wie die Fahrzeuge, die sie ersetzen. Unter diesen Annahmen entfiele im Jahr 2020 bei gut zwei Prozent der Pkw das Antriebsgeräusch. Welche Geräuschminderung daraus am Straßenrand resultiere, hänge zudem von der Verkehrszusammensetzung und dem Fahrzyklus der Fahrzeuge ab, woraus sich die Verteilung des Gesamtgeräuschs auf die Teilquellen Antrieb und Reifen und Fahrbahn ableiten lasse.

Kaum wahrnehmbare Geräuschminderung

Auf Basis dieser Annahmen bleibe die zu erwartende Geräuschminderung noch unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle, urteilen die Experten in ihrem Papier. "An Stadtstraßen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h beträgt die Minderung gerade einmal 0,1 dB(A) - an allen anderen Straßengattungen mit schneller fließendem Verkehr ist sie noch geringer." Allein von der Elektrifizierung im Pkw-Verkehr sei also kurz- und mittelfristig kein nennenswerter Beitrag zur Lärmminderung zu erwarten, geschweige denn eine generelle Lösung des Lärmproblems des Straßenverkehrs. Vor allem könne der überschaubare Beitrag der Elektromobilität im Pkw-Bereich auf keinen Fall als Ersatz für andere Maßnahmen zur Lärmreduktion angesehen werden.

Somit können Elektroautos nicht pauschal als leise bezeichnet werden, betonen die Autoren. "Ihre spezifischen Vorteile für den Lärmschutz liegen im Bereich des Anfahrens und bei Geschwindigkeiten bis circa 25 km/h." In allen anderen Situationen seien sie genauso laut wie Fahrzeuge mit klassischem Verbrennungsmotor. Daher könnten Elektroautos auch kein alleiniges Mittel zur Minderung des Straßenverkehrslärms darstellen. "Selbst wenn bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs wären, würde dies nach unseren Schätzungen den Lärm am Straßenrand gerade einmal um 0,1 dB(A) mindern, das ist ein völlig unbedeutender Effekt. Zur Reduktion des Straßenlärms sind weitere Maßnahmen daher unverzichtbar. "

Lärmminderungspotenzial

Relevante Lärmminderungspotenziale durch Elektromobilität bestehen dagegen laut Angaben der Umweltbundesamtfachleute bei schweren Fahrzeugen, die innerorts häufig anfahren und bremsen, wie Bussen des ÖPNV und Müllsammelfahrzeugen. Noch größere Potenziale sollen bei Mopeds und Motorrädern existieren, die prinzipiell fast so leise wie Fahrräder sein könnten. Akustische Dauersignale für Elektrofahrzeuge sollten aus Gründen des Lärmschutzes nicht eingeführt werden, empfehlen die Experten. Eine Art Klingel als Ergänzung zur Hupe könnte dagegen helfen, mögliche Konflikte mit Fußgängern zu entschärfen, heißt es abschließend.

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