Skip to main content
main-content

23.02.2011 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Stuttgarter Symposium: Klare Vorgaben der Politik gefordert

Autor:
Markus Bereszewski
3:30 Min. Lesedauer

Auch am zweiten Tag des http://www.atzlive.de/index.php;site=vtf/lng=en/ informierten sich die 750 Teilnehmer über den Status Quo und die Zukunft automobiler Technologien. Rund 40 Vorträge zu Themenkomplexen wie "Analyse Ottomotoren", "Batterietechnologien", "Fahrzeugelektronik und Software" und "Abgasnachbehandlung und Abgasenergierückgewinnung", um nur einige zu nennen, boten das gewohnt tiefe Fachwissen und den richtigen Anlass für anschließende Diskussionen. Über den ersten Tag des Symposiums hat http://www.atzonline.de/Aktuell/Nachrichten/1/13330/Stuttgarter-Symposium-Das-Auto-zwischen-Vernunft-und-Emotion.html bereits berichtet.

In der Reihe "Szenarien und Regularien" des zweiten Veranstaltungstages stellte der freie Berater Rudolf W. Thom die Frage, ob unser Wirtschaftssystem ohne Individual-Mobilität funktionieren kann und was wir tun, um diese zu erhalten? Kritisch ging er dabei mit Politik aber auch der Ingenieurszunft um und beklagte das "euphorische und praxisferne Geschwätz über E-Automobile". Diese seinen zwar richtig und notwendig, aber aufgrund noch nicht ausgereifter Technologien eben nur für bestimmte Einsatzzwecke, die nur 16 Prozent der gefahrenen Kilometer entsprechen, sinnvoll. Er hält 100 Kilometer Reichweite "über lange Zeit für das Maximum, wenn ein Elektroauto noch verkäuflich sein soll". Zudem fordert er mehr Forschung zur Entwicklung neuer Kraftstoffe und deutete zugleich an, wo das Geld herkommen könnte: "Wir geben in Deutschland jährlich 100 Milliarden Euro für den Import von Energie aus".

Der allgemeinen Befürchtung, dass Energie bald knapp werden könnte, trat Karl-Heinz Schult-Bornemann von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entschieden entgegen. Wir werden in den nächsten 30 Jahren zwar 50 Prozent mehr Energie benötigen, aber die "Reichweite" des Öls beispielsweise als bedeutendster Energielieferant hat sich im Laufe der Jahre ebenso stetig verlängert wie sich die Angst um seine Knappheit gesteigert hat. Zudem betonte Schult-Bornemann, dass die "Energieeffizienz der wichtigste Energieträger ist" und verweist auf entsprechende Erfolge. "Wir haben 1975 allein in Westdeutschland 150 Millionen Tonnen Öl verbraucht, heute sind es im geeinten Deutschland nur noch 114 Millionen Tonnen."

Höhepunkt Podiumsdiskussion

Den Schlussspurt des diesjährigen Symposiums läutete die Podiumsdiskussion unter Leitung von ATZ-Chefredakteur Johannes Winterhagen ein. Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten die Aspekte Emotionalität und Rationalität im Automobilbau und kamen zu dem Ergebnis, dass es auch in Zukunft wohl bei einem Nebeneinander beider bleiben wird, wenngleich die von Tanja Gönner (links im Bild), Umweltministerin in Baden-Württemberg, angeführten "neuen Mobilitätskonzepte, in denen das Auto nur noch ein und nicht mehr das Fortbewegungsmittel sein wird", auf einen höheren Ratio-Anteil schließen lassen. Zudem wird das Automobil spezieller und unterscheidet sich signifikant je nach Transportbedürfnis und regionalen Umständen, wie Prof. Dr. Giorgio Rizzoni, Center for Automotive Research an der Ohio State University, zu berichten wusste. In diesem Zusammenhang betonte Wolfgang Dürheimer (rechts im Bild), General Manager bei Volkswagen, dass er die Diskussion um den einzig richtigen Kraftstoff oder das einzig richtige Antriebskonzept daher auch nicht verstehe, denn eine Vielzahl unterschiedlicher Mobilitätskonzepte benötigen eben auch alle möglichen Spielarten von Energieträgern und Fahrzeugkonzepten parallel. Auch Alfred Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Mann + Hummel, beklagt, "dass zu häufig einzelne Aspekte aus dem Gesamtpaket genommen und dann vor fehlendem Hintergrund falsch diskutiert werden".

Natürlich spielte die Elektromobilität bei der Diskussion eine große Rolle. Dürheimer forderte die Ministerin dabei ausdrücklich auf, klare Vorgaben zu machen, "wir setzen diese dann schon um. Aber bitte keine Technologien vorschreiben, dafür sind wir (die Ingenieure, Anm. der Red.) zuständig." Eine Rollenverteilung, die Ministerin Gönner gefällt. Sie zeigte "großen Respekt vor der Ingenieursleistung der vergangenen Jahre und will vermeiden, über Fehlanreize eine womöglich weniger geeignete Technologie vorzubestimmen." Anreize würde sich der eine oder andere Wirtschaftsvertreter durchaus wünschen und zwar Kaufanreize in Form von Subventionen für Käufer von Elektroautomobilen. Diesen erteilte die Ministerin eine wachsweiche Absage. "Absatzsubventionierung sei so eine Sache. Kaufanreize also eher nicht, andere Anreize seien da besser", wich sie aus und wir sollten "mal abwarten wie es sich so entwickelt". Deutlicher wurde sie bei der Frage, ob man denn nicht bald die Energieerzeugung bei der CO2-Berechnung von Elektroautomobilen einrechnen wolle. Dies sei ein "bewusster und gewollter Bonus für die E-Mobilität" und wird wohl "nicht vor der nächsten Stufe 2015" neu diskutiert, erteilte Gönner der Anfrage eine Absage.

Das nächste internationale Stuttgarter Symposium findet am 13. Und 14. März 2012 statt.

Weiterführende Themen

Premium Partner

    Bildnachweise