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27.02.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Embedded World 2015: im Fokus der Automobilindustrie

Autor:
Markus Schöttle
4:30 Min. Lesedauer

Die 13. Embedded World Exhibition & Conference endete mit einem Rekord: 903 Aussteller aus 37 Ländern stellten der Fachwelt ihre neuesten Entwicklungen vor. Die Themen Internet of Things (IoT) und Security & Safety zählten zu den Schwerpunkten der Nürnberger Messe.

Tyson Tuttle, CEO von Silicon Labs, erläutert in seinem Vortrag "Engineering the IoT" seine Sicht als High-Frequent (HF)-Experte auf die technischen Herausforderungen des IoT. In der Vorbereitung der Konferenz haben Experten die wesentlichen Kernfragen der IoT-Entwicklung wie Security, Safety, M2M- und drahtlose Kommunikation oder auch IoT-Kommunikationsprofile identifiziert. In Hintergrundgesprächen wurde deutlich, dass die Autoindustrie bezüglich Safety und Security noch vergleichsweise "hemdsärmelig" unterwegs sei. Das Hacken von BMW Connected Drive wäre nicht die einzige Lücke, die aufgrund von hausinternen Insellösungen durchbrochen wurde und durchbrochen werden könnte. Die Sicherheitssysteme müssen mit "sauberer" Ingenieursleistung professionell aufgebaut werden, kritisiert ein Security-Fachmann. Man sollte sich auch grundsätzlich Gedanken über die Entwicklung von neuen Software-Architekturen und über den Stellenwert von Software- und IT-Ingenieuren im gesamten Entwicklungsprozess eines Fahrzeugs machen.

Komplexitätstreiber

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde auf dem Messerundgang deutlich, dass der Anteil von automobilspezifischen Lösungen steigt. Schärfere Emissionsgesetze, mehr Fahrzeugvarianten, kompliziertere elektromechanische Systeme, domänenübergreifend vernetzte Funktionen und die Elektrifizierung des Antriebsstrangs sind derzeit die größten Treiber für einen enormen Komplexitätszuwachs. Etas beispielsweise rechnet damit, dass sich der Applikationsaufwand bezogen auf die Entwicklung von 2013 bis 2020 verdoppeln würde, sofern bei Methoden und Tools keine deutlichen Fortschritte erfolgen. Die Entwicklung muss effizienter werden. Immer wieder können die Applikationsingenieure nach Testfahrten die Ursache eines Problems nicht finden, da Informationen in den aufgezeichneten Messdaten fehlen. Der Grund: Wegen der begrenzten Leistung des Messsystems kann lediglich ein Teil aller Steuergerätesignale aufgezeichnet werden. Diese reichen aber für Analysezwecke oft nicht aus. Die Ingenieure müssen den Fehler dann in einem zusätzlichen Fahrzyklus reproduzieren, was erneut mit viel Aufwand für den Aufbau des Fahrzeugsystems und die Anpassung der Aufzeichnungskonfiguration verbunden ist. Ein Problem, das sich mit zunehmender Komplexität verschärft. Es sind also deutlich leistungsfähigere Werkzeuge gefragt.

Etas-Lösung für mehr Effizienz

Im zweiten Quartal 2015 wird Etas mit zwei neuen Produkten, der Steuergeräteschnittstelle FETK und dem Steuergeräte- und Bus-Schnittstellenmodul ES891 eine leistungsstarke Lösung zum Messen und Applizieren von Steuergeräten im Antriebsstrang auf den Markt bringen. Das neue System hat nach Angaben der Stuttgarter einen 20-mal höheren Datendurchsatz als aktuelle Systeme - und das ohne nennenswerte Beeinträchtigung der Steuergerätelaufzeit. Je nach Steuergeräteaufbau können die neuen Werkzeuge mehr als 40.000 Signale verarbeiten und dabei gleich zwei Steuergeräteverbindungen in einem ES891 unterstützen. Zudem lassen sich Signale aus CAN-, CAN FD-, Flexray- und LIN-Bussen sowie digitalen und analogen Ein- und Ausgängen mit einer hoch genauen Zeitsynchronisierung von weniger als einer Mikrosekunde verarbeiten.

Embedded Award 2015

Die Effizienzsteigerung in den Entwicklungsprozessen zählt ebenso wie die Energieeffizienz von Systemen zu den großen Herausforderungen der Automobilindustrie. Auch diese Aspekte wurden in der Jury-Entscheidung des diesjährigen Embedded Award 2015 berücksichtigt. Die Sieger des Award wurden am ersten Messetag, Dienstag, 24. Februar 2015, durch Professor Dr.-Ing. Matthias Sturm, Vorsitzender der Jury, und Dr. Roland Fleck, Geschäftsführer der Nürnberger Messe, bekannt gegeben und geehrt. Prämiert wurde in den Kategorien Hardware, Software und Tools. Mit dem Embedded Award werden jährlich Produkte ausgezeichnet, die in besonderer Weise helfen, die gesamte Branche der Embedded-Systeme und des Internet of Things (IoT) voranzubringen und einen deutlichen Schub bei der Entwicklung neuer Ideen erwarten lassen.

Silicon Labs ist der Sieger in der Kategorie Hardware

Mit der Bausteinfamilie EZRadio und EZRadioPRO unterstützt Silicon Labs gezielt den Durchbruch und Aufbau des IoT. Unterschiedliche Protokolle werden unterstützt und ermöglichen so eine breite Anwendbarkeit wie im Bereich drahtloser Sensorknoten, industrieller M2M-Kommunikation, Fernüberwachung, Sicherheitssysteme und Smart Metering. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bausteine für Batteriebetrieb konzipiert wurden - mit einem Stand-by-Strom von nur 40 nA (Herstellerangaben). Zum Aufwecken wird eine zum Patent angemeldete Signalerkennung eingesetzt, die einen Langzeitbetrieb bis zu 20 Jahren mit einer Knopfzelle ermöglichen soll (Herstellerangaben). Weitere Eigenschaften drahtloser Bausteine, wie Frequenzhopping, werden von EZRadio und EZRadioPRO Komponenten bereits übernommen, sodass angeschlossene Mikrocontroller entlastet werden und der Energieverbrauch des Gesamtsystems gering bleibt.

ARM Holdings überzeugt in der Kategorie Software

Mit der IoT-Software-Platftorm hat ARM Holding es verstanden, zahlreichen Entwicklern den Einstieg in die IoT-Entwicklung zu erleichtern und junge Menschen für Embedded Systementwicklung zu interessieren. Die Plattform umfasst ein mbed-Betriebssystem, einen mbed-Device-Server und eine web-basierte Entwicklungsumgebung mit einer von einer großen Community getriebenen Software-Bibliothek. Die mbed-IoT-Software-Plattform fördert die Produktivität für Entwickler und hilft mit der Bereitstellung standardisierter Software-Komponenten und einer Unterstützergemeinde von mehr als 100 OEMs und Halbleiterherstellern, kommentiert die Jury.

Silexica Software Solutions gewinnt in der Kategorie Tools

Mit der SLX Multicore Toolsuite hat das Unternehmen Silexica Software Solutions ein Tool entwickelt, das die Hardware-Komplexität moderner Multicore-Architekturen vor den Software-Entwicklern verbirgt, ohne auf die gestiegenen Leistungsfähigkeiten dieser Bausteine zu verzichten. Die Suite automatisiert das Software-Partitioning sowie die Aufgabenverteilung auf die einzelnen Kerne und beinhaltet die automatisierte Codeerzeugung. Die zugrunde liegenden Compiler- und Codeoptimierungstechniken führen zu höchster Performance, Hardware-Auslastung und zur Einhaltung der Echtzeitfähigkeit des Systems. Außerdem sind Optimierungen des Energieverbrauchs möglich. Das Tool eröffnet damit einer Vielzahl von Software-Designern, leistungsstarke und optimierte Multicore-Anwendungen zu entwickeln.

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