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07.09.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Schaeffler bringt elektromechanischen Wankstabilisator in Serie

Autor:
Angelina Hofacker
3 Min. Lesedauer

Schaeffler bringt einen elektromechanischen Wankstabilisator in die Serie. Ermöglicht wird die innovative Technik durch regelungstechnische Lösungen von Continental, von dem die ECU (Electronic Control Unit), die Motorsteuerung sowie die Software-Plattform für das System stammen.

Der laut Schaeffler weltweit erste elektromechanische Wankstabilisator soll die bislang üblichen hydraulischen Stabilisatoren ersetzen, die in Kurven oder bei schnellen Ausweichmanövern die Wankbewegungen des Fahrzeugaufbaus auf ein Minimum reduzieren. Die Ausführung als elektromechanisches System soll dazu beitragen, Kraftstoffverbrauch und Emissionen zu reduzieren und die Fahrzeugmontage zu vereinfachen. Überdies sollen zusätzliche Funktionen realisiert werden können. Von Continental stammt die ECU (Electronic Control Unit), die Motorsteuerung sowie die Software-Plattform für das System.

Elektromechanisches Fahrwerkregelsystem

Moderne Wankstabilisatoren adaptieren das Fahrwerk an jede Fahrsituation. Dazu dienen in erster Linie aktive Stabilisatoren mit - bislang hydraulisch betätigten - Schwenkmotoren. Diese Motoren verdrehen die beiden Stabilisatorhälften gegeneinander und erzeugen so ein Torsionsmoment, das stabilisierend auf den Fahrzeugaufbau einwirkt. Obwohl die Wankstabilisierung in vielen Fahrsituationen wie Geradeausfahrten auf gut ausgebauten Straßen nicht eingreifen muss, erfordert die hydraulische Ausführung auch für den Stand-by-Betrieb stetig Energie, erklären die Experten von Schaeffler. Um den Betriebsdruck des Hydrauliksystems aufrechtzuerhalten, sei eine kontinuierliche Pumpleistung erforderlich. Dies führe zu einem permanenten Energieverlust. Das von Schaeffler entwickelte elektromechanische System soll hingegen bedarfsgerecht die stabilisierenden Momente einstellen, ohne dafür dauerhaft Energie bereitstellen zu müssen. Der Schlüssel hierzu ist der Elektromotor, sagen die Experten des Zulieferers, der nur dann Leistung aufnimmt, wenn sich der Schwenkaktor verdreht und dabei ein Moment aufbaut. Um das Moment zu halten, müssen den Experten zufolge lediglich die relativ geringen elektrischen Widerstandsverluste ausgeglichen werden.

Zur Steigerung des Komforts verfüge die Schaeffler-Lösung darüber hinaus über ein innovatives Entkopplungselement. Damit sollen einseitig auftretende Störungen in der Fahrbahn absorbiert werden können. Die Übertragung von Impulsen auf die Karosserie werde dadurch reduziert oder sogar komplett verhindert.

Aktive Anpassung an jede Fahrsituation

Beim ersten Serieneinsatz in einer Oberklasse-Limousine, vorgestellt auf dem 6. Internationalen Fahrwerkssymposium chassis.tech plus in München, soll der elektromechanische Wankstabilisator so in den Systemverbund des Fahrzeugs integriert werden, dass er nicht nur die Fahrstabilität in der Kurve, sondern auch den Fahrkomfort auf gerader Strecke erhöht. Möglich werde dies durch eine permanente Kameraüberwachung der Fahrbahn vor dem Fahrzeug. Werden vorausliegende Unebenheiten wie zum Beispiel ein Kanaldeckel erkannt, erklären die Experten des Zulieferers, hebt das System das entsprechende Rad kurzzeitig an und erlaubt so ein komfortables Fahren mit nahezu vollständiger Vermeidung von Erschütterungen der Karosserie.

Fahrwerk der Zukunft

Elektromechanische Fahrwerkregelsysteme sind Schaeffler zufolge nur ein Entwicklungsansatz für die Gestaltung der Mobilität, beziehungsweise des Fahrwerks der Zukunft. "Übergeordnete Anforderungen zur CO2-Reduzierung erfordern auch in der Fahrwerktechnik, die Potenziale von Leichtbau, Reibungsreduzierung und effizienteren Aktuatoren zu nutzen", erklärt Professor Peter Gutzmer, Vorstand Technologie bei Schaeffler. "Gleichzeitig gilt es", führt Gutzmer weiter aus, "an Lösungen zu arbeiten, die den Komfort noch weiter steigern, weil die Fahrzeuginsassen beim automatisierten Fahren sensitiver auf Fahrzeugbewegungen reagieren werden". In letzter Konsequenz bedeute dies für Zulieferer wie Schaeffler und Continental, das Fahrwerk der Zukunft systemisch mit dem Antrieb gemeinsam zu betrachten und zu entwickeln.

Neue Fertigungseinrichtungen

Für den Serienanlauf des neuen Systems hat Schaeffler an seinem Standort Schweinfurt komplett neue Fertigungseinrichtungen aufgebaut und dabei eigenen Angaben zufolge gezielt das fertigungstechnische Know-how der Gruppe genutzt. Die einzelnen Anlagen sind modular ausgelegt. Dadurch sollen weitere Serienanläufe in den kommenden Jahren problemlos integriert werden können. Dies gelte ebenso für künftige Generationen dieser Technologie.

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Quelle:
Fahrwerkhandbuch

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