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06.02.2014 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Forschungsprojekt Premium untersucht Kundenanforderungen an Elektroantriebe

Autor:
Katrin Pudenz

Elektrifizierte Antriebe werden in unterschiedlichen Varianten angeboten. Welche Ausprägung am besten zu den jeweiligen Kundenbedürfnissen passt, wollen Wissenschaftler im Forschungsprojekt Premium ermitteln.

Eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen - so lautet das Ziel der Bundesregierung für das Jahr 2020. Über den Erfolg der Elektromobilität entscheiden aber letztendlich die Kunden: Nur wenn es gelingt, elektrifizierte Antriebskonzepte passgenau auf die spezifischen Anforderungen unterschiedlicher Kundengruppen zuzuschneiden, ist dieses Ziel erreichbar. Die Grundlagen für eine höhere Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen wollen nun BMW, Alphabet Fuhrparkmanagement, die Universität Duisburg-Essen, die Universität der Bundeswehr München und die Universität Passau in ihrem gemeinsamen Forschungsprojekt Premium, Kurzform für "Plug-In-, Range-Extender- und Elektrofahrzeuge unter realen Mobilitätsumständen: Infrastruktur, Umweltbedingungen und Marktakzeptanz". Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Betrachtung des Nutzerspektrums

Welches Antriebskonzept ist das jeweils am besten geeignete, wenn der spezifische Einsatzzweck, Ladeinfrastruktur, Ladezeiten, Batteriekosten, Verbrauch und Emissionen berücksichtigt werden? Und wie können die einzelnen Parameter optimal auf die Kundenanforderungen zugeschnitten werden? Diesen Fragen will das Konsortium mit einem groß angelegten Feldversuch auf den Grund gehen. Es erfolgt eine umfassende Betrachtung des gesamten Nutzerspektrums, erläutern die Experten von Automobilhersteller BMW: Vom Privatanwender über Kleinstflottennutzer bis hin zu Großkunden sollen neben den Kundenanforderungen auch die umwelttechnischen Auswirkungen von elektrisch betriebenen Fahrzeugen erforscht und eine Prognose bezüglich der energie- und klimapolitischen Auswirkungen für die von der Bunderegierung angestrebte Zahl von einer Million zugelassenen E-Fahrzeuge in 2020 erstellt werden. Insgesamt 360 Kundenfahrzeuge werden für die Analyse von Nutzerverhalten, Nutzerakzeptanz und Fahrdaten eingesetzt. Über die Projektlaufzeit von drei Jahren werden neben 60 Privatfahrzeugen auch 300 Leasing-Fahrzeuge verschiedener Hersteller in Firmenfuhrparks und/oder über Car-Sharing-Anbieter untersucht.

Eine breite und solide Grundlage von realen Nutzungsdaten sei für die Automobilhersteller unverzichtbar, um die Antriebskonzepte für größtmögliche Kundenzufriedenheit zu optimieren, betonen die Experten aus München. Darüber hinaus werde bei BMW unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen der Stromerzeugung eine Nachhaltigkeitsbilanz elektrischer Antriebskonzepte gegenüber hocheffizienten konventionellen Fahrzeugen erstellt.

An dem von Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer geleiteten CAR-Center der Universität Duisburg-Essen steht das Nutzerverhalten der 300 gewerblich genutzten Fahrzeuge in Firmenfuhrparks und Car-Sharing-Flotten im Mittelpunkt. Ziel sei herauszufinden, wie Fahrzeugflotten schon heute sinnvoll mit alternativen Antrieben durchmischt werden können. Für die eingesetzten Fahrzeuge werden von den Ingenieuren des Lehrstuhls für Mechatronik der Universität Duisburg-Essen während des Projektes Stromverbrauch, zurückgelegte Fahrstrecken und Fahrprofile erfasst. "Aus den erfassten und analysierten Daten lassen sich belastbare Aussagen für die optimale Auslegung von Antriebssystemen, wie zum Beispiel die richtige Dimensionierung der Batterien sowie realistische Daten zur Nutzung von elektrifizierten Fahrzeugen ableiten", erläutert Professor Dr. Schramm, Leiter des Lehrstuhls.

Nutzungsverhalten der Privatnutzer

Die Forscher der Universität Passau wollen inhaltlich in erster Linie das Nutzungsverhalten der Privatnutzer analysieren. "Aus den gewonnenen Daten können wir ermitteln, wie die unterschiedlichen Antriebskonzepte der Elektro-, Range Extender- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge unter realen Alltagsbedingungen von Kunden genutzt werden und welchen Einfluss diese auf die Kundenwahrnehmung haben", beschreibt Dr. Stefan Mang, stellvertretender Geschäftsführer des Centrums für Marktforschung den Forschungsschwerpunkt. "Aus den Erkenntnissen können wir die Kriterien der Nutzerakzeptanz ableiten und Rückschlüsse auf den optimalen Einsatz der Antriebstechniken ziehen, um dadurch die Marktdurchdringung weiter zu fördern." Innerhalb der Universität Passau sind neben dem Institut für Marktforschung auch das Institut Forwiss sowie der Lehrstuhl Marketing und Innovation beteiligt.

Für die wissenschaftliche Forschung werden unter anderem die Fahrprofile und Informationen über die jeweilige Verkehrslage aufgezeichnet und ausgewertet. Professor Klaus Bogenberger, Leiter des Instituts für Verkehrswesen und Raumplanung an der Universität der Bundeswehr München, erklärt: "Momentan wird bei Reichweitenprognosen das häufige Halten und wieder Anfahren zum Beispiel an Ampeln oder im Stop-and-Go-Verkehr nicht berücksichtigt. Dabei hat ein solches Fahrprofil massive Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Indem wir die Verkehrslage einbeziehen, können wir exaktere Reichweitenprognosen erstellen. Damit wollen wir der Reichweitenangst entgegenwirken und die Nutzerakzeptanz weiter steigern." Darauf aufbauend sollen auch neue energieverbrauchsoptimierte Verkehrsinformationen für die einzelnen Antriebsarten generiert werden.

300 E-Fahrzeuge für Firmenkunden

Der Mobility- und Leasing-Dienstleister Alphabet Fuhrparkmanagement im Rahmen des Projekts 300 E-Fahrzeuge verschiedener Marken an Firmenkunden verleast. "Abhängig von den Kundenanforderungen analysieren wir das Mobilitätsprofil und ermitteln, welches Elektrifizierungskonzept die jeweiligen Anforderungen am besten erfüllt. Unser Ziel ist die reibungslose Eingliederung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen in bestehende Nutzungskonzepte und Fahrzeugflotten", erläutert Marco Lessacher, Vorsitzender der Alphabet-Geschäftsführung.

Das Gesamtbudget des Forschungsvorhabens liegt bei 11 Millionen Euro und wird im Rahmen des Förderprogramms "Erneuerbar Mobil" mit circa 4,8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützt. Erste Projektergebnisse werden im Frühjahr 2015 erwartet.

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