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22.06.2010 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

VDI-Getriebetagung: ZF sieht Batterieautos erst in zwei Jahrzehnten kommen

Autor:
Michael Reichenbach

In seinem Plenarvortrag auf der VDI-Getriebetagung stellte Hans-Georg Härter, Vorstandsvorsitzender von ZF, in Friedrichshafen fest, dass es bis zum Elektroauto noch zwei Jahrzehnte dauern wird. Die Technik des Verbrennungsmotors sei noch nicht vorbei. Vielmehr müsse seine Optimierung und Elektrifizierung weiter voran getrieben werden, was dann in die Hybridtechnik münde. Die Erklärung der chinesischen Regierung, das Elektroauto sowohl in der Entwicklung als auch beim Verkauf massiv zu fördern, ist kaum verständlich - vor dem Hintergrund der nicht gerade umweltschonenden Kohlekraftwerke mit schlechtem Wirkungsgrad. Schaue man sich die Institutsprognosen von Roland Berger, Nomura oder IFA zur Verbreitung von Hybrid- und Elektroautos an, so zeige sich ein Trend zu mehr Einheitlichkeit unter den Marktforschern: Die Auguren rechnen weltweit für 2020 mit 1 bis 3,5 Millionen Elektroautos; 2025 sollen es schon 7,5 Millionen sein. Auch damit sieht Härter das Batterieauto weiterhin als Nischenfahrzeug an. Reine Elektroautos sind eine vielversprechende Technik. Erste nennenswerte Anwendungen werden als Stadtfahrzeug zu erwarten sein. Seiner Meinung nach ist bei dem Thema aber "noch viel Wunschdenken im Spiel".

Auch zur Konjunktur äußerte sich Härter. Die aktuelle Wirtschaftslage sei nach dem freien Fall sehr überraschend. Es habe eine V-förmige Entwicklung der Konjunkturen in der Welt gegeben, "wie wir sie vor drei Monaten noch nicht vorausgesehen haben". Der erstaunlich positive Gradient verwundert. Während in Nordamerika die Wirtschaft schon 2007 eingebrochen war und Europa 2008 folgte, habe Asien sich am Abschwung nur kurzfristig beteiligt; China machte ihn gar nicht mit. Die Wachstumsrate sehe plus 2,6 Prozent für die Jahre 1990 bis 2014 vor. Bei Nutzfahrzeugen ergebe sich eine Rate von 1,8 Prozent. Aber die Struktur der Märkte verschiebe sich massiv. Das Wachstum finde in den neuen Märkten, vor allem China, statt - nicht mehr in den saturierten Märkten der Triade. Bei den niedrigen Zahlen von Fahrzeugen pro chinesischem Einwohner bestehe das Potenzial aus 400 Millionen Fahrzeugen. Die generierten Volumen der Triade erreichen zurzeit nur 64 Prozent der von China.

Doch in Friedrichshafen ging es auch um Getriebetechnik. Als globale fortwährende Megatrends haben die Referenten das Gegensteuern gegen den Klimawandel, also CO2-Reduzierung ausgemacht. Dazu müsse man Themen wie Downspeeding, Downsizing, Leichtbau, Realisation von Volumeneffekten und die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors Richtung Hybrid mit dem Endziel Elektroantrieb auch in Kooperationen bei Wertschöpfung vor Ort umsetzen.

Das auch beim konventionellen Handschaltgetriebe noch was geht, zeigte Dipl.-Ing. Jens Patzner von ZF in seinem Vortrag auf. Als Weltneuheit wurde ein verbessertes Sechsgang-Handschaltgetriebe vorgestellt, dass zusammen mit BMW für der 3er entwickelt wurde und eine hohe Leistungsdichte bei bestem Schaltkomfort ermöglicht. Es erlaubt 450 Newtonmeter Drehmoment von Otto- oder Dieselmotor, verfügt über eine Carbon-Synchronisierung, um Schwingungen zu minimieren und den Schaltkomfort zu erhöhen, über eine Nasssumpf-Einspritzschmierung und erlaubt einen um zwei Prozent besseren Wert bei der CO2-Emission.

Professor Peter Tenberge stellte in seinem Vortrag das Hybridgetriebe von Geely vor. Die Chinesen möchten damit Hybrid- und Elektroautos bestücken. Es wagt den Spagat zwischen konventionellem Fahrzeugantrieb, Vollhybrid und rein elektrischem Antrieb. Zusammen mit Shanghai Maple Automotive hat man ein Getriebe "auf der grünen Wiese" entwickelt, das in ersten Prototypen erfolgreich läuft. Es besteht aus zwei Elektromotoren, einem Hydraulik-Hilfsaggregat mit zwei Pumpen und einem Planetenradsatz. Die Technikgeschichte zeige, dass es langfristig besser sei, als einfach einen Elektromotor an einen vorhandenen Antriebsstrang zu flanschen.

Die Tagung, zu der über 800 Teilnehmer und 55 Aussteller angereist sind, wird heute, Mittwoch 23. Juni, durch eine Podiumsdiskussion abgeschlossen werden, an der Dr. Klaus Bonhoff (NOW), Dr. Nicolai Müller (McKinsey), Caroline Reichert (RWE) und Dr. Peter Sauermann (BP) die Elektromobilität unter dem Aspekt der Energieeffizienz und Ressourcen beleuchten. Der Termin für die nächste, dann elfte, VDI-Getriebetagung steht schon fest: Man trifft sich wieder am 7. und 8. Juni 2011 in Friedrichshafen.

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