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02.05.2013 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Neue Assistenzsysteme für aktive Sicherheit im Transporter-Segment

Autor:
Katrin Pudenz

Ende April präsentierte Mercedes-Benz eine neue Sprinter-Version. Um die Sicherheit im Transportersegment zu verbessern, haben Ingenieure des Stuttgarter Automobilherstellers unter anderem für den Large Van neue elektronische Helfer entwickelt. Weltpremiere feiert dabei der Seitenwind-Assistent (Crosswind Assist) für Transporter.

Auch der Abstandswarnassistent (Collision Prevention Assist), Totwinkel- und Fernlicht-Assistent (Blind Spot Assist und Highbeam Assist) werden schon in Kürze in Transportern verfügbar sein, ergänzt vom Spurhalte-Assistent (Lane Keeping Assist).

Der Seitenwind-Assistent für Transporter soll Einflüsse von Seitenwind auf das Fahrzeug im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten nahezu vollständig kompensieren können. Gegenlenken sei bei plötzlichen Böen nicht mehr erforderlich, der Fahrer werde entlastet. Der Seitenwind-Assistent baut auf das serienmäßige elektronische Stabilitätsprogramm ESP auf und wird ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h aktiviert. Als Hintergrund für die Entwicklung des Seitenwind-Assistenten gibt der Hersteller Besonderheiten von Transportern an und erläutert: Vor allem große Fahrzeuge mit Hochdach und, oder langem Radstand für voluminöse Transporte bieten mit ihrem Aufbau dem Seitenwind eine große Angriffsfläche. Deshalb müssen Fahrer bei böigem Wind, auf Brücken, oder beim Herausfahren aus dem Windschatten eines Lkw auf plötzlichen Seitenwind und Gegenlenkmanöver vorbereitet sein.

Bremseingriffe gegen Abdriften

Der Seitenwind-Assistent soll den Fahrer in solchen Sitiuationen erheblich entlasten. Er erkenne über die Sensoren für Gierrate und Querbeschleunigung des serienmäßigen ESP auf das Fahrzeug einwirkende Kräfte durch Seitenwind und Windböen. Das Assistenzsystem bremse daraufhin gezielt einzelne Räder auf der dem Wind zugewandten Seite ab. Dies habe einen Lenkeffekt zur Folge und wirke einem möglichen gefährlichen Abdriften des Fahrzeugs durch eine Gier- oder Drehbewegung entgegen. Mit dem Seitenwind-Assistent bleibe der Van selbst bei plötzlichem starkem Seitenwind - auf Brücken oder auch beim Überholen von Lkw - stabil. Der Windeinfluss werde auf ein Minimum beschränkt. Als Ziel gibt das Unternehmen an, dass selbst heftige Böen maximal zu einem seitlichen Versatz von 50 cm führen sollen.

Die Sensoren des ESP erkennen sowohl konstanten Seitenwind als auch plötzliche Böen oder sich aufbauenden Seitenwind in der jeweiligen Stärke und registrieren zusätzlich den Anströmwinkel. In die Reaktion des Seitenwind-Assistenten gehen ebenfalls Fahrzeuggeschwindigkeit, Beladungszustand und Beladungslage sowie das Lenkverhalten des Fahrers ein. Steuert er manuell gegen, tritt der Seitenwind-Assistent automatisch zurück. Das Sicherheitssystem wird individuell auf das einzelne Baumuster und seine Fahrzeugfläche abgestimmt. Eine Kontrollleuchte informiert den Fahrer über Eingriffe des Assistenten und informiert ihn damit über die Fahrsituation.

Warnung vor Kollisionen

Der Abstandswarn-Assistent von Mercedes-Benz Vans zielt auf den Schutz vor schweren Auffahrunfällen ab. Das System warne bei zu geringem Abstand sowie in einer weiteren Eskalationsstufe bei akuter Kollisionsgefahr, wenn sich ein bereits gefährlich geringer Abstand weiter vermindert. Der radargestützte Abstandswarn-Assistent soll dem Fahrer dabei helfen, den gebotenen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten. Ein Radarsensor im vorderen Stoßfänger messe fortlaufend den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug in der gleichen Fahrspur und die Relativgeschwindigkeit der Fahrzeuge zueinander. Daraus errechne der Abstandswarn-Assistent den erforderlichen Sicherheitsabstand. Sinke der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug auf 25 Prozent des notwendigen Bremswegs oder weniger, warne das Assistenzsystem den Fahrer mit einer blinkenden Leuchte im Kombiinstrument. Nehme die Wahrscheinlichkeit einer drohenden Kollision durch weiter sinkenden Abstand bei gleichbleibender Fahrsituation zu, erhöhe sich die Blinkfrequenz und es ertöne zusätzlich ein Warnton. Diese zweite Warnstufe setze etwa 3 s vor einem Aufprall ein und gebe dem Fahrer die Chance für eine Notbremsung oder ein Ausweichmanöver.

Notbremsung auf den Punkt

Zusätzlich aktiviert der Abstandswarn-Assistent bei Gefahr einer Kollision den ebenfalls neuen Brake Assist Pro. Dieser adaptive Bremsassistent berechnet die notwendige Bremskraft für eine punktgenaue Notbremsung, um einen Aufprall zu verhindern und den Restweg gleichzeitig bestmöglich auszunutzen, erläutern die Sicherheitsexperten des Konzerns. Der Bremsassistent werde bei einer kräftigen Betätigung des Bremspedals eingeleitet. Während des Bremsmanövers werde der Bremsdruck anhand der Daten des Abstandswarn-Assistenten bei Bedarf entsprechend nachgeregelt - der notwendige Bremsdruck für eine Zielbremsung also erhöht oder reduziert. Der Abstandswarn-Assistent ist ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h wirksam. Er reagiere nicht nur auf vorausfahrende, sondern auch auf stehende Hindernisse, zum Beispiel auf ein Stauende.

Totwinkel-Assistent

Alle Vans von Mercedes-Benz verfügen über große Außenspiegel mit weitem Sichtfeld, in vielen Fällen unterstützt durch zusätzliche Weitwinkelgläser. Der Totwinkel-Assistent - ebenfalls laut Unternehmensangaben eine Premiere in der Van-Klasse - soll dem Fahrer zusätzlich, in dem er ihn bei einem Spurwechsel vor anderen Fahrzeugen im sogenannten toten Winkel warnt. Der neue Totwinkel-Assistent tritt ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h in Funktion. Er basiere auf insgesamt vier Nahbereich-Radarsensoren, die links und rechts auf der Höhe der seitlichen Rammschutzleisten im Bereich der B-Säule sowie der hinteren Ecksäule angebracht sind und den Bereich der benachbarten Fahrspuren abdecken. Erkennen die Sensoren während der Fahrt ein Auto oder Motorrad im toten Winkel, erscheine ein rotes Warnsignal im Außenspiegel auf der entsprechenden Seite. Erkenne das Sicherheitssystem, dass der Fahrer trotzdem die Spur wechseln will, werde er zusätzlich mit einem akustischen Signal gewarnt.

Warnung am Fahrbahnrand

Vor unfreiwilligem Spurwechsel - etwa wenn der Fahrer abgelenkt oder unaufmerksam ist - soll in Transportern von Mercedes-Benz Vans künftig rechtzeitig der Spurhalte-Assistent warnen. Eine Kamera hinter der Windschutzscheibe filmt die vorausliegende Fahrbahn. Ein mit ihr verbundenes elektronisches Steuergerät messe die aufgenommenen Daten fortlaufend und identifiziere anhand von Kontrastunterschieden Fahrbahn und Markierungsstreifen. Drohe der Transporter ohne gesetzten Blinker die seitliche Markierung zu überfahren, schließe das Steuergerät auf ein ungewolltes Verlassen der Fahrspur und warne den Fahrer mit einem akustischen Signal. Der Spurhalte-Assistent ist ab einer Geschwindigkeit von 60km/h aktiv und reagiere nicht nur auf weiße Markierungsstreifen, sondern ebenfalls auf gelbe Markierungen in Baustellen. Der Fahrer könne den Assistenten bei Bedarf abschalten, beispielsweise beim Befahren von engen und kurvigen Landstraßen. Umgekehrt unterstützt der Spurhalte-Assistent den Fahrer zusätzlich beim Kurshalten in Engstellen - zum Beispiel innerhalb von Autobahnbaustellen.

Straße optimal ausgeleuchtet

Der neue Fernlicht-Assistent ist wie der Hersteller betont ebenfalls eine Premiere in der Van-Klasse. Mit situativem Ab- beziehungsweise Aufblenden des Fernlichts gewährleistet das System jederzeit eine optimale Ausleuchtung der Fahrbahn. Straßenverlauf, Fußgänger oder Gefahrenstellen seien so noch besser und früher zu erkennen. Gleichzeitig werde die Blendung entgegenkommender oder vorausfahrender Fahrzeuge verhindert. Basis ist eine Kamera auf der Innenseite der Frontscheibe. Sie beobachte das Verkehrsgeschehen vor dem Fahrzeug. Erkenne die Kamera entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge, werde automatisch vom eingeschalteten Fernlicht auf Abblendlicht umgeschaltet. Der Fernlicht-Assistent unterscheide dabei zwischen beweglichen und starren Zielen - bei einer Kurve bleibe das Fernlicht eingeschaltet. Ist die Fahrbahn wieder frei, blende das Sicherheitssystem wieder auf. Das Kamerasystem erkenne darüber die Straßenbeleuchtung und deaktiviert das Fernlicht in diesem Fall automatisch - zum Beispiel bei Ortsdurchfahrten. Der Fernlicht-Assistent arbeitet ab einer Fahrgeschwindigkeit von 60 km/h.

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