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11.02.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Hochschule Bochum und ThyssenKrupp Steel Europe bauen neues Solarmobil

Autor:
Katrin Pudenz
4 Min. Lesedauer

Die Hochschule Bochum und das Unternehmen ThyssenKrupp Steel Europe haben für den Solarfahrzeugbau eine umfangreiche Forschungskooperation vereinbart. Dabei steht ein von den Partnern neu entwickeltes Solarmobil namens "ThyssenKrupp SunRiser" im Mittelpunkt. Das neue Solarfahrzeug soll an der "World Solar Challenge" vom 18. bis zum 25. Oktober 2015 in Australien teilnehmen.

Die Hochschule geht, wie die Partner mitteilen, bei der Challenge in der Cruiser-Klasse an den Start und baut dafür zum allerersten Mal einen Sportwagen. Bei diesem Modell will das Studenten-Team verstärkt auf Leichtbau-Stähle zurückgreifen. Um in diesem Projekt zusätzliches Wissen von Werkstoffen und Mechanik einzubringen, ist ein neues Mitglied an Bord: Dieses Jahr wird mit Daniel Lohmeyer (25) aus Bochum ein Werkstudent von ThyssenKrupp Steel Europe das Solarcar-Team unterstützen. Die Mannschaft will an den Erfolg aus dem vorletzten Jahr anknüpfen. Da wurde die Hochschule Bochum mit dem Vorgängerfahrzeug "ThyssenKrupp Powercore SunCruiser", in dessen Motor besonders effizientes Elektroband von ThyssenKrupp Steel Europe eingesetzt wurde, Vizeweltmeister.

Entwicklung mit Stahl-Lösungen

Bei dem Motorendesign für das neue Modell wollen die Konstrukteure die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit einfließen lassen. Die Effizienz soll aber bezogen auf das Streckenprofil, die Strategie und die damit zu erwartenden Geschwindigkeiten durch die Verwendung von speziellem Elektroband weiter gesteigert werden, verraten die Partner.

Aber nicht nur der Motor soll mit Materialien und Know-how von ThyssenKrupp ausgestattet werden. Die Hochschule Bochum konzipiert derzeit ein Fahrzeug, bei dem erstmalig der Anteil von Kohlefaserkomponenten verringert werden soll. Beim Bau von Sonnenwagen haben die Entwickler bisher vor allem auf Carbon gesetzt. Diesmal sollen Leichtbau-Lösungen aus Stahl verwendet werden, die sowohl kostengünstiger sind als auch im Vergleich zu Carbon Vorteile bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten haben.

Zum Motto für den alltagstauglichen und straßenzugelassenen Solar-Sportwagen haben die Teammitglieder also die Multimaterialität erkoren. "ThyssenKrupp Steel Europe hat eine Vielzahl innovativer Leichtbau-Lösungen mit Stahl entwickelt, die von der Automobilindustrie verwendet werden. Einen Teil davon versuchen wir erstmalig auch beim Bau dieses Solarfahrzeugs einzusetzen", erklärt Oliver Hoffmann, Leiter der Anwendungstechnik in Duisburg. So sollen im Inneren des Sonnenflitzers hochfester Complexphasen-Stahl der Sorte CP-W 1000 für den Überrollbügel sowie Magnesium für den Mitteltunnel und den Armaturenträger verbaut werden. Außerdem liefere ThyssenKrupp Bilstein, der Fahrwerksspezialist im Konzern, speziell abgestimmte Dämpfer.

Mehr als 3000 Kilometer durch Australien

Mehr Aufwand als bisher soll bei der Innenausstattung für ein ansprechendes Interieur sorgen. Denn nicht nur die reine Fahrzeit gehe bei der Weltmeisterschaft der Solarcars in die Wertung ein. Eine Fachjury wird in Australien unter den Aspekten Alltagstauglichkeit, Design und Bequemlichkeit Punkte vergeben, die mit über den Sieg entscheiden. Hohe Ansprüche haben die Konstrukteure an die Zuverlässigkeit. Alle Komponenten müssen ohne Ausfall die mehr als 3000 Kilometer lange Strecke von Darwin nach Adelaide überstehen. Als Vorbild dient das Vorgängerfahrzeug "ThyssenKrupp Powercore SunCruiser", das ohne jede Panne den Wettbewerb 2013 als Vizeweltmeister abschloss.

Studenten-Team arbeitet an Karosserieteilen

Zurzeit wird schon an den diversen Karosserieteilen gearbeitet. Das Design bleibt aber noch ein Geheimnis. Ende April sollen erste Bilder der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das fertige Fahrzeug soll Mitte des Jahres vorgestellt werden, bevor es dann seine Reise nach Australien antritt.

Hintergrund

Die Hochschule Bochum konstruiert und baut seit 15 Jahren von Solarenergie angetriebenen Elektrofahrzeuge. Einer der Sonnenwagen hat 2012 die Welt nur mit Sonnenenergie umrundet und hält den Guinness-Rekord für die längste solarautark gefahrene Strecke mit 29.753 Kilometern. Der "ThyssenKrupp SunRiser" wird das siebte komplett von Studierenden gefertigte Solarcar sein. Wie seine beiden Vorgänger soll er eine Straßenzulassung mit schwarzem Nummernschild bekommen.

Die Weltmeisterschaft der Solarcars findet alle zwei Jahre in Australien statt und führt als Wettbewerb auf öffentlichen Straßen von Norden nach Süden durch den Kontinent. Der "ThyssenKrupp SunRiser" wird in der nach einem Bochumer Fahrzeug benannten Cruiser-Klasse starten, in der Alltagstauglichkeit, eine Straßenzulassung im Ursprungsland und mindestens zwei Sitzplätze vom Reglement verlangt werden. Neben der Energie, die auch während der Fahrt aus den auf der Oberfläche montierten Solarzellen gewonnen wird, darf in dieser Klasse das maximal 60 Kilogramm schwere Batteriepaket einmal im Wettbewerb nach 1500 Kilometern aus dem Netz wieder aufgeladen werden. Spitzengeschwindigkeiten von über 120 km/h werden erreicht. Der Wettbewerb startet am 18. Oktober 2015, sechs Tage später werden die Teilnehmer im Ziel in Adelaide erwartet.

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