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15.10.2013 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Neues Verfahren ermöglicht elektrostatische Pulverlackbeschichtung von Kunststoffen

Autor:
Katrin Pudenz
2:30 Min. Lesedauer

Die Firma Schneider Oberflächentechnik in Lahr hat gemeinsam mit der Hochschule Offenburg ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem es möglich sein wird, die Pulverlackierung auch bei Kunststoffen und Kunststoff-Verbundmaterialien anzuwenden. In Zukunft können somit Standard-Thermoplaste wie beispielsweise PVC, Polyamide und ABS beschichtet werden. Durch diese Entwicklung könnten sich entsprechend Möglichkeiten für die Automobilindustrie eröffnen - welche das genau sein werden, konnte das Unternehmen Technologie-Lizenz-Büro (TLB), das die schutzrechtliche Absicherung des neuen Verfahrens unterstützt, jedoch noch nicht verraten.

Die klassische elektrostatische Pulverlackbeschichtung wird bisher für die Lackierung elektrisch leitender, insbesondere metallischer Werkstoffe und Erzeugnisse aus beispielsweise oxidationsempfindlichem Stahl oder Aluminium verwendet. Die gebräuchlichsten und kostengünstigsten Pulverlacke bestehen aus kleinsten Epoxid- oder Polyesterharz- sowie Hybridstoff-Partikeln. Bei diesem Verfahren werden feinste Lackpartikel elektrisch aufgeladen und mittels elektrostatischer Kräfte auf das metallische Werkstück aufgebracht und anschließend thermisch zu einem Lack verschmolzen. Schwierigkeiten haben sich bislang insbesondere bei Gegenständen ohne oder mit nur geringer Leitfähigkeit ergeben, wie beispielsweise Gegenständen aus Kunststoff oder Kunststoff-Verbundwerkstoffen, fasst das TLB zusammen. Bei diesen Materialien hafteten aufgrund der geringen elektrostatischen Kräfte die Pulverlackpartikel nur unzureichend und konnten somit nicht in ausreichender Schichtdicke aufgetragen werden.

Die Idee dieses Problem zu lösen und das Verfahren der Pulverlackierung auch auf Standard-Kunststoffe anzuwenden, entwickelte Harald Schneider, Geschäftsführer der Firma Schneider Oberflächentechnik, in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Johannes Vinke von der Hochschule Offenburg. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wurde erprobt, wie Standard-Thermoplaste aus den technischen und Konsum-Bereichen für eine elektrostatische Pulverbeschichtung aufbereitet werden können. "Wir haben nach einer neuartigen und effizienten Möglichkeit gesucht, die zudem noch einfach in bestehende Produktionsabläufe zu integrieren sein sollte", erläutert Johannes Vinke, der an der Hochschule Offenburg Maschinenbau und Werkstofftechnik lehrt. Im Fokus der Forscher stand die Entwicklung eines beständigen Haftvermittlers (Primers), der ohne Verwendung von leitfähigen, meist metallischen Zusätzen auskommen sollte.

Der entwickelte Haftvermittler könne direkt auf die gereinigte Kunststoffoberfläche aufgebracht werden, erklärt Harald Schneider. Leitfähige Zusätze seien nicht notwendig. "Anschließend können wir den elektrostatischen Pulverlack elektrostatisch nach dem Standard-Verfahren auftragen und einbrennen", fügt er hinzu.

Die Firma Schneider Oberflächentechnik kann das neue Lackierverfahren bereits auf dem Markt anbieten. "Vor allem mit Spritzguss und bei temperaturbeständigen Materialien haben wir gute Ergebnisse erzielt", berichtet der Geschäftsführer. "Wir können mittlerweile sogar dreidimensional pulvern." Schneider hat eine kleine Musteranlage gebaut und nutzt diese für Versuche und Tests. Nun gilt es Kunden zu finden, mit denen er gemeinsam kleine Projekte und kleine Serien produzieren kann, um die Qualität der Beschichtung am Produkt zu zeigen. "Wir müssen Erfahrungen sammeln. Denn den berühmten Feinschliff kann man erst direkt am Objekt machen."

Das Projekt ist im Rahmen eines Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand(ZIM)-Förderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) entstanden. Mit Unterstützung des Technologie-Lizenz-Büros (TLB) wurde das Verfahren zum Patent angemeldet.

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