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18.10.2012 | Automobilelektronik + Software | Im Fokus | Onlineartikel

Autonomes Fahren: Zukunft der Mobilität?

Autor:
Christiane Brünglinghaus
3 Min. Lesedauer

Autonomes Fahren ist noch nicht Realität. Neben technischen Herausforderungen, sind auch Fragen der Verantwortung und Haftung anzugehen. Hinter der Idee der Roboterautos steht die Vision vom unfallfreien Fahren.

Die Bedeutung und der Einsatz von Elektronik im Fahrzeug wächst zunehmend. Die Auswahl an Assistenz- und Infotainmentsystemen steigt, und dass nicht nur in der Premiumklasse, sondern auch bei den Kleinwagen. Gleichzeitig arbeiten die Systeme durch Datenfusion und Sensorik immer genauer.

Vernetzung und Kommunikation

Zahlreiche Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Vernetzung der Fahrzeuge und ihrer Umwelt. So hat sich zum Beispiel das Projekt „Stadtpilot“ der TU Braunschweig zum Ziel gesetzt, den Braunschweiger Stadtring autonom im regulären Verkehr zu befahren. Ein VW Passat mit passiven und aktiven Sensoren dient dabei als Versuchsfahrzeug.

Darüber hinaus kommt der Kommunikation der Fahrzeuge untereinander eine immer größere Bedeutung zu. So wurden zum Beispiel im Sartre-Projekt (Safe Road Trains for Environment) der Europäischen Union die ersten Kolonnen-Tests auf der Volvo-Versuchsstrecke in Göteborg erfolgreich absolviert. In der Nähe von Barcelona wurde jetzt im Rahmen des Projekts erstmals ein Kolonnentest im normalen Alltagsverkehr erfolgreich durchgeführt. Eine Kolonne aus vier Fahrzeugen hat autonom eine Strecke von 200 Kilometern zurückgelegt. Ziel des Projektes ist es, Techniken für das eigenständige Fahren von Automobilen im Kolonnenverkehr auf Schnellstraßen zu entwickeln.

Über Funk (WLAN, UMTS,…) können sich Fahrzeuge gegenseitig vor Gefahrensituationen warnen. Die betreffenden Fahrzeuge tauschen Daten, wie Ansprechen des ABS, Lenkwinkel, Position, Richtung und Geschwindigkeit aus, sammeln, werten aus, und geben die Informationen an die anderen Verkehrsteilnehmer weiter. In kritischen Situationen wäre es dann möglich, dass das System die Fahrzeugsteuerung vom Menschen übernimmt. So haben Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen neuartigen halbautomatischen Copiloten entwickelt, der nur im äußersten Notfall dem Autofahrer ins Lenkrad greift. Cadillac testet derzeit im Straßenbetrieb ein System zum teilautonomen Fahren für Pkw. Die Technik namens Super Cruise ist in der Lage, unter speziellen Voraussetzungen auf der Autobahn vollkommen automatisch zu lenken, zu bremsen und die Spur zu halten. Der US-Bundesstaat Nevada erlaubt seit kurzem das Fahren mit autonom fahrenden Fahrzeugen. Die Lizenz ist vorerst Unternehmen wie Automobil- und Softwareentwicklern vorbehalten und soll die Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen fördern. Der Automobilzulieferer Continental hat das hochautomatisierte Fahren auf öffentlichen Straßen in Nevada bereits erprobt. Mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE könnten in Zukunft weitere große Sprünge bei der Sicherheit erzielt werden, da sich die Positionen und Bewegungsprofile von Fahrzeugen in Echtzeit speichern ließen.

Vision und Realität

Doch ist das technisch Machbare auch wünschenswert? Sollen und dürfen Autos unabhängige Entscheidungen ohne menschliches Eingreifen treffen? Hinter diesen Fragen steht die Vision vom unfallfreien Fahren. Das vernetzte und autonom fahrende Automobil, das die Umgebung schneller wahrnimmt und intelligentere Fahrmanöver ausführt, soll helfen, die Zahl der Verkehrstoten zu verringern. Gleichzeitig stiege der Komfort für die Insassen, weil sie nur noch Mitreisende wären, die während der Fahrt ein Buch lesen könnten. Doch für diese Szenarien fehlen bislang nicht nur exakte Umfelddaten, sondern auch konkrete gesetzliche Bestimmungen, etwa was Fragen der Haftung oder des Datenschutzes anbelangt. Ob autonomes Fahren letztendlich Realität wird, hängt auch davon ab, ob diese Rechtsfragen geklärt werden. Die Grenzen der technischen Entwicklung werden derzeit noch durch das Recht gezogen.

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