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11.03.2014 | Automobilelektronik + Software | Im Fokus | Online-Artikel

Wie das Internet das Auto revolutioniert

verfasst von: Christiane Brünglinghaus

4:30 Min. Lesedauer
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Vor 20 Jahren revolutionierte das Internet den Computer. In den nächsten Jahren wird es das Auto revolutionieren. Davon geht der Zulieferer Bosch aus. Das Unternehmen will das Auto zum aktiven Teil des Internets machen.

"Ein vernetztes Auto wird immer auch ein besseres Auto sein", sagt Wolf-Henning Scheider, Sprecher des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik und Geschäftsführer bei Bosch. Mit der Vernetzung will man Komfort, Sicherheit und Effizienz der Mobilität von morgen steigern. Doch Scheider glaubt, dass Vernetzung mehr als nur das Surfen während der Fahrt ist. Denn in Zukunft sollen sich völlig neue Funktionen ergeben. Beispielsweise werde Augmented Reality im Auto die virtuelle mit der realen Welt verbinden. Augmented-Navigation-Lösungen mit separatem Bildschirm könnten schon in wenigen Jahren zur Standardausstattung jedes Automobils gehören, sagt auch Harman im Artikel "Augmented Navigation - Verschmelzung von Routen, Karte und Realität" aus der ATZ 5-2013.

Internet kommt ins Auto

Die Vernetzung beeinflusst immer stärker die Automobilindustrie, das Auto wird Teil der Digitalisierung. Beispielsweise lassen sich mit dem System MySpin von Bosch iPhone- und Android-Smartphones ins Fahrzeug einbinden. Die Anzeige des Mobilgeräts wird damit auf dem zentralen Monitor im Fahrzeug sichtbar, Apps so komfortabler nutzbar. Eine Frage ist hierbei auch, wie automobilgerechte Apps entwickelt werden können. Ford geht zum Beispiel mit einem offenen Ansatz zur App-Integration einen radikalen Weg, wie im Artikel "Ein offener Ansatz zur App-Integration im Fahrzeug" aus der ATZelektronik 1-2014 beschrieben wird.

Bosch vernetzt auch den Antrieb mit dem Internet. Das System eHorizon soll dazu den Weg ebnen. Für Nutzfahrzeuge bietet Bosch den elektronischen Horizont schon seit 2012 an, um die Fahrten homogen zu gestalten und unnötige Beschleunigungen und Verzögerungen zu reduzieren. Die Navigationssoftware erkennt beispielsweise, dass nach zwei Kilometern Bergabfahrt ein Ortsschild kommt und fährt diese Strecke dann vorausschauend im sparsamsten Modus. In Zukunft werden die Navigationsdaten zudem mit aktuellen Verkehrsdaten aus dem Internet ergänzt werden - so können Fahrzeuge beispielsweise rechtzeitig vor einem Stauende ausrollen. Diese vernetzte Navigation, bei der das Fahrzeug Daten aus dem Internet berücksichtigt, sei nicht nur im Lkw sondern auch im Pkw die Zukunft, prognostiziert Bosch. Auch Elektrobit geht davon aus. Zukünftig könnten aktuelle Daten über Baustellen, Staus, Lademöglichkeiten für E-Cars oder Car-to-Car-Gefahrenmeldungen in den eHorizon eingebunden und an die Steuergeräte übermittelt werden, erläutert das finnische Unternehmen im Artikel "Elektronischer Horizont - Vorausschauende Systeme und deren Anbindung an Navigationseinheiten" aus der ATZelektronik 6-2012.

Das Auto kommt ins Internet

Doch der Datenhighway im Automobil ist keine Einbahnstraße. Fahrzeuge werden nicht nur Informationen aus dem Internet nutzen, sondern auch Informationen an die Umwelt weitergeben. Das Fahrzeug wird Teil des Internets. "Bei der Verbindung von Fahrzeug und Cloud sehen wir Datenschutz als eine Grundvoraussetzung. Der Nutzen muss die potenziellen Risiken bei Weitem übersteigen", sagt Scheider. Hierzu entwickelt die Bosch-Tochtergesellschaft Escrypt ans Automobil speziell angepasste Sicherheitslösungen. Im Artikel "Sichere Botschaften - Moderne Kryptographie zum Schutz von Steuergeräten" aus der ATZelektronik 2-2013 beschreibt Escrypt, wie moderne Kryptographie zum Schutz von Steuergeräten im Automobil beitragen kann.

Denn Fahrzeuge werden künftig selbst zu Sensoren, die Umfeldinformationen sammeln und untereinander oder mit einem Server austauschen. Diese sogenannten Floating Car Data sind nötig, um hochdynamische Karten zu bekommen und gleichzeitig die Fahrzeugsicherheit zu verbessern. "Vernetzung ist ein Baustein der Automatisierung und umgekehrt", sagt Wolf-Henning Scheider von Bosch.

Schon heute gibt es erste Anwendungen bei denen Fahrzeuge mit der Außenwelt kommunizieren. Ein Beispiel dafür ist das System E-Call, das in der europäischen Union im Jahr 2015 Pflicht wird. Dabei setzt ein Fahrzeug bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. Dieser wird beispielsweise über die gleichen Sensoren aktiviert, die auch den Einsatz des Airbags auslösen. Dadurch sollen sich die Anfahrtszeiten von Rettungskräften in ländlichen Gebieten um 50 Prozent, in städtischen Regionen um 40 Prozent reduzieren, gibt Bosch an. Allerdings wird die Frage nach dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der Autofahrer durch E-Call nochmals akuter.

Großstadt samt Infrastruktur vernetzen

Die Vernetzung des Autos mit dem Internet geht jedoch auch noch weit über diese Anwendungen hinaus. "Die Vernetzung des Automobils ist eine große Aufgabe - bisher war ein Auto isoliert von der Umgebung, in Zukunft wird es mit ihr interagieren", sagt Scheider. So könnte selbst eine komplette Großstadt samt Infrastruktur vernetzt werden. Wer beispielsweise von der Innenstadt einer Großstadt in die Randbereiche fahren will, kann für die Innenstadt den Zug nutzen und später auf ein Carsharing-Fahrzeug umsteigen.

Bosch arbeitet auch schon daran, eine ganze Stadt ins Internet der Dinge und Dienste zu befördern. Seit Mitte November 2013 wird in Monaco Technik von Bosch zur digitalen Vernetzung eingesetzt. Damit habe der erste Schritt zur Umsetzung der Kooperationsvereinbarung begonnen, die im Juli 2012 zwischen dem Fürstentum und Bosch unterzeichnet wurde, erläutert das Stuttgarter Unternehmen. Das Projekt eröffne einen Blick in die Zukunft: Dann werde der Schwerpunkt einer vernetzten Stadt zunächst im Bereich der Mobilität liegen. Anwendungen dafür gäbe es genug: Das Lotsen zur nächsten freien Ladesäule, ein Buchen und Abrechnen von Parkplätzen, je nach Verkehrslage das Umsteigen aufs eBike. Diese Entwicklung zeichne sich in Megacities rund um den Globus ab.

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